STERNSINGERAKTION IN SCHWARZENBACH A.D.SAALE ENTFÄLLT

Die Sternsingeraktion in Schwarzenbach a.d.Saale muss leider aufgrund der Corona-Pandemie entfallen. Das Team, dass die Sternsingeraktion vorbereitet, schreibt: „Wir haben lange überlegt und uns viele Gedanken gemacht. Wir wollen weder die Sternsinger noch die Menschen, die wir alljährlich besuchen, gefährden. Daher haben wir uns entschieden diesmal nicht von Haus zu Haus zu gehen. Es schmerzt und tut weh. Aber wir haben die Hoffnung, dass die Menschen Verständnis dafür haben und erst recht spenden werden, damit die weltweiten Projekte der Sternsingeraktion weitergeführt werden können.“

Am 6. Januar um 10:30 Uhr gibt es aber (voraussichtlich) einen Sternsinger-Gottesdienst in der kath. Kirche St. Franziskus, in dem eine Sternsingergruppe anwesend ist – es wird auch die Möglichkeit geben, Geld für die Sternsingeraktion zu spenden. Das diesjährige Thema der Sternsingeraktion „Kindern Halt geben“ wird im Gottesdienst vorgestellt.

Wer einen Segensaufkleber mit der Aufschrift „20*C+M+B+21“ möchte, kann sich diesen nach dem Gottesdienst mitnehmen. Die Aufkleber werden danach weiterhin im Foyer zur Mitnahme ausliegen.

Weiterhin gibt es die Möglichkeit Spenden auf ein Konto zu überweisen oder das Geld in einem Umschlag in den Briefkasten des Pfarrbüros zu werfen.

Das Spendenkonto lautet:
Kath. Kirchenstiftung, Sparkasse Hochfranken, IBAN: DE85 7805 0000 0240 001602 – Stichwort: „Sternsingen“

Die Spenden werden an die Sternsingeraktion weitergegeben. Mit dem Geld werden weltweit Projekte in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Pastoral, Ernährung, soziale Integration und Nothilfe unterstützt. Das Leitwort diesmal heißt „Kindern Halt geben – in der Ukraine und weltweit“. Am Beispielland Ukraine wird aufgezeigt, dass zahlreiche Kinder ohne Vater, Mutter oder beide Elternteile aufwachsen, weil diese im Ausland arbeiten. Studien zeigen, dass die längere Abwesenheit der Eltern den Kindern emotional und sozial schadet. Sie fühlen sich verlassen und vernachlässigt und haben häufig Probleme in der Schule. Wenn Eltern fehlen, müssen andere Halt geben. In den Projekten, die die Sternsinger fördern, setzen sich die Partner deshalb jeden Tag dafür ein, dass das Motto „Kindern Halt geben – in der Ukraine und weltweit“ umgesetzt wird. Weitere Informationen zum Motto und zur Sternsingeraktion gibt es unter www.sternsinger.de

WAS ZÄHLT WIRKLICH IM ADVENT?

Mit dieser Frage beschäftigte sich die Ökumenische Jugend Schwarzenbach/Saale während eines adventlichen Gottesdienstes am Sonntag, den 6. Dezember, in St. Franziskus. Da persönliche Vorbereitungstreffen aufgrund der aktuellen Corona-Regelungen nicht möglich waren, wurde der Gottesdienst für den Nikolaustag über Videokonferenzen geplant – und das Ergebnis konnte sich wahrlich sehen lassen.

„Lasst uns froh und munter sein und uns recht von Herzen freun…“ – diese populäre Melodie begleitete den festlichen Einzug des heiligen Bischofs Nikolaus, Pfarradministrator Dieter Jung und dem liturgischen Dienst. Nach dem Anzünden der 2. Adventskerze und dem Lied „Wir sagen Euch an den lieben Advent …“ eröffnete Pfr. Jung den Gottesdienst mit dem Kreuzzeichen. Plötzlich überraschte mit lauten „Ho-ho-ho“- Rufen ein weiterer „Nikolaus“ die Gemeinde. Mit seinem roten Plüschanzug und einer Zipfelmütze verkörperte er unverkennbar die Werbe-Ikone eines bekannten Softdrink-Herstellers. Dieser Weihnachtsmann „hat sich wohl verlaufen oder an der Tür geirrt? Ein ‚echter‘ Nikolaus trägt einen Bischofsstab, eine Mitra und ein festliches Gewand!“, ließ Pfr. Jung wissen und lud den Werbe-Nikolaus zum Mitfeiern des Gottesdienstes ein, damit er spüre und erlebe, was wirklich im Advent zählt.

In den folgenden Kyrierufen formulierte ein Jugendlicher die drängenden Probleme, unter denen viele Menschen leiden, z.B. Krieg und Unfrieden, den Verlust des Glaubens an Gott sowie die mangelnde zwischenmenschliche Liebe. Er löschte dabei jeweils eine Kerze vor dem Altar.

„Eine Stimme ruft: In der Wüste bahnt den Weg des Herrn…“, hieß es weiter in der Lesung (Jes 40,1-5.9-11) und die Jugendlichen fragten sich, worauf es wirklich ankomme? Für Menschen da zu sein, Gutes zu tun, Liebe zu schenken, Wegbereiter der Botschaft Gottes zu sein: Das ist das, was wirklich zählt – und das hat auch Bischof Nikolaus vorgelebt und verkörpert es noch heute. Im Evangelium (Mk 1,1-8) kam Johannes der Täufer zu Wort. Auch hier hieß es: „ Bereitet den Weg des Herrn! Macht gerade seine Straßen!“

Die jungen Menschen entwickelten Ideen, wie sie diesen Aufruf des Evangeliums in ihrem eigenen Leben umsetzen könnten, z. B. einander Zeit schenken, Freundschaften und Beziehungen stiften und diese (derzeit mit dem notwendigen Abstand) pflegen, für einander da sein oder für jemanden beten; bei all dem kommt es auf die Liebe an, die hinter und in diesem Tun steckt – und dass diese Liebe einfach „echt“ und ernst gemeint ist. Es braucht daher keine teuren Geschenke oder Markenklamotten, es braucht „Echtheit“ und damit Authentizität. Jung erinnerte daran, dass Johannes der Täufer ein Gewand aus Kamelhaaren trug und sich von Heuschrecken und wildem Honig ernährte – die Menschen haben ihm, dem Wegbereiter Jesu, diese Botschaft geglaubt. Ein einfacher Lebensstil kann auch heute helfen, dem Herrn den Weg zu bereiten, ein Übermaß an Konsum steht dem oft im Weg. Schließlich sah auch der Werbe-Nikolaus ein, dass es im Advent „echt“ auf etwas anderes ankommt, als auf Einkaufen: Wegbereiter sein, dass Gott bei den Menschen ankommt und auch dass die Menschen wieder Wege zueinander finden.

Abschließend beschrieb ein Jugendlicher die Probleme, unter denen seine Altersgruppe während der Corona-Pandemie besonders leidet – keine Feiern, keine Treffen mit anderen, dazu der Winter, die Kälte, die Dunkelheit. Doch er sah einen Ausweg, nämlich der Glaube, der ermutigt, die Nächstenliebe und die Hoffnung, die wir einander in der Advents- und Weihnachtszeit schenken sollen. Als Hoffnungszeichen entzündete der junge Mann von einer noch brennenden Kerze aus all diejenigen, die zu Beginn des Gottesdienstes erloschen waren.

Zum Abschluss bedankte sich die Gemeinde mit einem kräftigen Applaus für diesen interessanten, lebendigen Gottesdienst, der viel Freude, Hoffnung und Licht in dieser schwierigen Zeit schenkte.

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PFARRER DIETER JUNG HAT ES GESCHAFFT

Seit kurzem hält er die Urkunde in Händen, mit der ihm die Doktorwürde verliehen wurde. Im Namen der Pfarrgemeinde gratulierte ihm die PGR-Vorsitzende Heidi Hornig am Ende des Sonntag-Gottesdienstes und  überreichte unter dem Applaus der Gottesdienstbesucher eine kleine Aufmerksamkeit. Wenn es Corona zulässt, dann soll beim nächsten Pfarrfest „der Doktor“ nachgefeiert werden.

         

KLINIKSEELSORGE

Seelsorgebesuche in den Kliniken unseres Seelsorgebereiches

Auf Grund der momentanen Coronasituation kommt es auch zu immer mehr Einschränkungen  und Vorgaben in den Kliniken von Stadt und Landkreis Hof. So gibt es in einigen Häusern bereits Besuchsverbote für Angehörige.

Uns liegen  die Besuche in den Einrichtungen am Herzen  und wir kommen gerne ihren Seelsorgewünschen nach.

Daher ist wichtig, dass Sie uns darüber informieren, wenn Sie, ein Verwandter oder Bekannter im Krankenhaus ist und sich Besuch von der  Klinikseelsorge wünscht.

Bitte melden Sie sich unter 09281/706755

Bleiben Sie uns ihre Liebsten gesund.

Ihre Kath. Klinikseelsorger

Hof, den 17.11.2020

PREDIGT 1. Advent (B)

Jes 63,16b-17.19b; 64,3-7 + Mk 13,33-37 (KF)

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder, liebe Jugendliche!
Haben Sie auch das Kleingedruckte gelesen? Im Kleingedruckten sind wichtige Aussagen gemacht – nicht nur bei Verträgen. Haben Sie auch das Kleingedruckte gelesen? – Es stand unter dem eben gesungenen Lied „O Heiland, reiß die Himmel auf“ (GL 231/1 mit Bezug auf Jes 63,19b).
Der Text von diesem Adventslied wird Friedrich Spee zugeschrieben und auf das Jahr 1622 datiert. In diesem Kleingedruckten stecken wichtige In-formationen: Das Lied – es ist fast 400 Jahre alt – nimmt Bezug auf den historischen Hintergrund des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) – auf eine Zeit der Entbehrung, Seuchen und Hungersnöte, von Kämpfen mit vie-len Toten. Und Friedrich Spee war der größte innerkirchliche Kritiker der Hexenprozesse – Frauen (und auch Männern) wurde der Prozess gemacht, weil sie angeblich mit dem Teufel im Bund waren, sich so versündigt hat-ten und somit Schuld waren an Hunger, Not, Krankheit und Krieg – genau dagegen wendet sich Friedrich Spee. Im Kleingedruckten ist der historische Hintergrund für sein klagendes Adventslied greifbar. Es ist kein einlullen-den Adventslied wie viele andere, die wir derzeit hören – nein, es rüttelt wach, es klagt ein, es klagt das Eingreifen Gottes ein. Spee flieht nicht vor den Herausforderungen seiner Zeit, und er flieht auch nicht in simple Ant-worten. „O Heiland, reiß die Himmel auf“ verleiht Spees Enttäuschung vom Verhalten vieler Menschen in der damaligen Situation eine Stimme und ist zugleich ein Sehnsuchtsruf nach Gottes Gerechtigkeit.
Haben Sie auch das Kleingedruckte gelesen? Wir können dieses Lied jetzt historisch einordnen – und dass, obwohl der Text keine konkreten Zeitbezüge hat; es ist „zeitlos“ und passt auch in unsere Zeit – in die Zeit von Corona. Ein Virus, das bedrängt und Ängste schürt; ein Virus, das Leben bedroht und viele Menschenleben hinwegrafft. Die Suche nach vermeidlichen Schuldigen dafür und Verschwörungstheorien gab es nicht nur vor 400 Jahren sondern die gibt es auch heute!
Auch wir sollen nicht vor der Realität fliehen, nicht vor der Gefahr, die dieses Virus mit sich bringt, es nicht verharmlosen oder es gar leugnen. Es gilt dieser Gefährdung des Lebens und den damit verbundenen Ängsten ins Auge zu blicken – dieser Aspekt ist wesentlich und auch aus der Angsttherapie bekannt. Die Angst vor der Ansteckung durch Begegnungen und zu engen Kontakt ist uns bekannt – und sie führt zu Kontaktbeschrän-kung, Einsamkeit und sozialer Isolation. Diese Angst hat viele Gesichter: die Angst vor einer Ansteckung mit Corona, dass ich mich anstecke oder (für viele noch schlimmer) dass ich andere infiziere – die Angst vor Qua-rantäne und damit der Existenzgefährdung von Familien und Betrieben – die Angst vor Kita- und Schulschließungen – die Angst, dass eine Infekti-on als Nachlässigkeit und Stigmatisierung ausgelegt werden könnte.
In dieser sich verbreitenden Angst klingt auch die Sehnsucht nach einem „offenen Himmel“, nach dem „frischen Grün“ mitten im totbringenden und eiskalten Winter, nach wärmender Sonne und einem leuchtenden Hoff-nungsstern an, die Friedrich Spee als Sehnsuchtsbilder der Hoffnung und des Gottvertrauens in seinem Adventslied besingt. Der Advent schafft kei-ne „heile Welt“; er wischt die Angst nicht weg und überdudelt sie nicht mit schnulzigen Liedern – der Advent ermutigt dazu „wach zu sein“ (vgl. Mk 13,33.37); er ermutigt dazu, genau hinzuhören und hinzuschauen; er ermutigt dazu, sich nicht lähmen zu lassen von der Angst, sondern das Not-wendige zu tun. Ob es da mit dem Warten auf den Impfstoff schon getan ist?
Sicher ist der erwartete Impfstoff ein wichtiges Hoffnungszeichen – aber hat uns der Advent nicht mehr zu bieten? Was/Wen erwarten wir?
Die erste Kerze am Adventskranz brennt – ein Hoffnungslicht. Zeichen da-für, dass wir Gott (noch) erwarten und sein Eingreifen; Zeichen dafür, dass wir die Hoffnung nicht aufgegeben haben, sondern dass dieses Hoffnungs-licht in den kommenden Wochen mehr werden wird; Zeichen dafür, dass wir uns nach Licht und Leben sehnen: „O Heiland, reiß die Himmel auf!“ Gott verlässt seinen Himmel. ER bleibt und ist uns nicht fern. ER wird Mensch in Jesus Christus; das feiern wir in dieser Zeit: Advent – Ankunft. Dieser Jesus Christus ist es, der uns die Angst nehmen kann, ER, der uns Hoffnung macht und sagt: „In der Welt habt ihr Angst; aber habt Mut, ich habe die Welt [der Angst] überwunden“ (Joh 16,33; eigene Übers.). AMEN.

– zwei zugehörigen Liedlinks zu „O Heiland reiß den Himmel auf“:
    * klassisch: https://www.youtube.com/watch?v=prhNnot2Uc8
    * modern interpretiert: https://www.youtube.com/watch?v=w4SJ5jC2Npw

PREDIGT Christkönigssonntag (A)

Ez 34,11-12.15-17 + Mt 25,31-46

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder, liebe Jugendliche!

Regieren und entscheiden – auch wenn wir in Deutschland und in Bayern keinen König mehr haben, so gibt es doch Menschen, die dieses Land und uns regieren und Entscheidungen treffen, ja treffen müssen. Gerade in Zeiten des teilweisen lockdowns sind Entscheidungen umstritten – es gibt Befürworter und Gegner: Viele sind dankbar für den eingeschlagenen Kurs „Abstand – Hygiene – Alltagsmasken und größtmögliche Beschrän-kung der sozialen Kontakte“, andere lehnen sich dagegen auf, sehen sich in ihrer Freiheit beschnitten, „wollen selbst darüber entscheiden, ob/wie sie sterben“, andere Regelungen sind fragwürdig „in der Klasse treffen Schülerinnen und Schüler aus 25 Hauhalten zusammen – privat ist dann nur der Kontakt zu einer Familie/zu einem Kind erlaubt.“
Regieren, richten, entscheiden, darum geht es am heutigen Christkönigs-fest. Neben dem Bild von Christus als „König“ stellen die Schrifttexte das Bild von Gott als „Hirten“ und von Christus als „Richter“ – immer geht es bei diesem Königsein in den verschiedenen Aspekten um Macht und um Ausübung von Macht. Im Deutschen kann man damit sprachlich spielen und so Sachverhalten, Abhängigkeiten oder auch Zuständigkeiten ausdrücken: rex populi – König des Volkes, Hirte der Schafe, Richter der Menschen – drückt ein Beziehungsgeschehen aus, aber auf einer neutra-len Ebene. Dagegen zeigt König über das Volk, Hirt über die Schafe, Richter über die Menschen die überlegen Position eines Herrschers an – eine Position die oft zu Abhängigkeit, zu Unterdrückung oder zu Miss-brauch dieser Macht und zu Vertuschung führt(e) – auch in unserer Kir-che bei Hirten und Verantwortungsträgern. Rex populi kann auch als Kö-nig für das Volk und damit sinngemäß als Hirte [in der Sorge] für die Schafe und Richter zugunsten der Menschen übersetzt werden. Je nach-dem welche Übersetzung man wählt, tritt ein anderer Regierungsstil in den Vordergrund, zeigt sich ein anderes Verständnis des Königseins.
Wie geht Jesus Christus mit seiner Macht als König um – er sagt ja von sich selbst: „Mein Königtum ist nicht von dieser Welt. […] Ich bin ein Kö-nig. Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege“ (Joh 18,36*.37*). Das ist die Wahrheit: Mitten in Not und menschlichem Versagen geht Jesus Christus als König den Verlo-renen nach – dafür ist er sich nicht zu schade. Er hat die andern im Blick – fürsorglich: „Ich [selbst] werde meine Schafe auf die Weide führen, ich werde sie ruhen lassen – Spruch Gottes, des Herrn. Die verlorengegange-nen Tiere will ich suchen, die vertriebenen zurückbringen, die verletzten verbinden, die schwachen kräftigen, die fetten und starken behüten. Ich will ihr Hirt sein und für sie sorgen, wie es recht ist“ (Ez 34,15-16; EÜ 1980). Das Königtum Jesu Christi ist damit kein Machtmissbrauch, sondern der Ein-satz seiner Macht – Pro-Existenz – Leben und Dasein für die Menschen. An diesem Königsein Jesus Christi sollen wir Maß nehmen: Leben im Da-
sein für andere – Pro-Existenz – und nicht ein Leben gegen andere. Genau dafür steht das 1925 eingeführte Christkönigsfest: Nach dem ersten Welt-krieg sollte es dem aufbrechenden Individualismus und Nationalismus ent-gegenwirken. Besonders die katholische Jugend feierte Christkönig – das christliche Leben im Dasein für die Menschen – als Gegenentwurf zur Ide-ologie des Faschismus und aufkeimenden Nationalsozialismus: Schwestern und Brüder Jesu Christi statt arischer Herrenrasse und Führerkult. Christ-könig ist auch heute mehr denn je ein Bekenntnisfest für gelebte Nächsten-liebe – für die „Macht der Liebe“ und nicht für die „Liebe zur Macht“!
Für viele ist das Christkönigsfest eine bedrohliche Machtfrage: Christus, der am Ende der Zeit über mich und mein Leben richtet. Das macht ihnen Angst und Druck: Ob ich dem Anspruch Jesu Christi genüge? Ob ich ge-nug getan und Jesus in meinen Schwestern und Brüdern gesehen habe? Nachfolge Jesu Christi bedeutet auch zu urteilen, zu beurteilen, zu richten – nicht über andere; sondern darüber, was in meiner Macht steht und wo meine Grenzen sind. Christus als Richter am Ende der Zeit macht nichts anderes: Er urteilt nicht willkürlich, sondern gerecht und wird mir gerecht. Aus dieser Beurteilung und (Selbst-)Einschätzung heraus kann ich schon zu Lebzeiten handeln und andere richten – nämlich aufrichten in meinem Dasein und meiner Fürsorge für sie in ihren Sorgen und Nöten – gelebte Nähe und Nächstenliebe mit dem nötigen Abstand. Das Regierungspro-gramm des Christkönigs wird so zu meinem: Leben in der Pro-Existenz für Menschen, die mich und meine Hilfe notwendig brauchen. AMEN.

Wochenimpuls

Mitmenschliche Nähe mit Abstand – „Martinsspiel“ 2020
Pantomimische Szenen rund um St. Martin und die Hl. Elisabeth

Vergangenen Mittwoch wären wir auf die Straße gegangen mit Laternen und Lichtern, hätten wir die dunkle Nacht erhellt und des hl. Martin gedacht.
Einzelne Familien habe ich mit ihren Laternen gesehen – sie waren Lichtbringer und Hoffnungsträger – sie haben bewusst oder unbewusst ein Glaubenszeugnis gegeben.
Oft aber haben wir gar keinen Blick für das, was um uns geschieht.

Pantomime: Der Bettler sitzt in seinen Lumpen auf einem Sitzpolster vor dem Altar – er streckt die Hand und bittet um eine Spende
Nacheinander kommen 3 Menschen, die achtlos vorübergehen:
– einer schaut nur in sein Handy
– einer macht einen Bogen um den Bettler
– abwertende Geste „Scher dich zum Teufel“
Der Bettler ist ganz traurig und senkt mutlos den Blick
Martin kommt „herangeritten“ – er sieht den Bettler – er hält sein Pferd an – sorgt sich um den Bettler – teilt den Mantel mit dem Schwert – reitet weiter

Deutungsfragen zum Nachdenken (Pfr. Jung)
Worauf richtet sich unser Blick – haben wir Augen für die Sorgen und Nöte der Menschen?
Um wen machen wir einen Bogen – und warum?
Lassen wir uns vom Leid der Menschen berühren, oder zählt nur das eigene Ich?
Wo nehmen wir uns ein Herz und teilen, damit beide gut leben können – auch wenn wir (aufgrund des Teilens) vielleicht den Spott anderer Menschen auf uns ziehen?
Die Heilige Elisabet hat wie Martin geteilt – Brot und Rosen – Zeichen der Nächstenliebe.

Pantomime: drei hungernde Menschen sitzen auf Sitzpolstern vor dem Altar
Elisabeth schleicht sich heran – sie schaut sich um, dass ihr niemand folgt
der König beobachtet sie heimlich
Elisabeth verteilt aus ihrem Korb Brot an die Hungernden + geht wieder zurück
kurze Pause – hier muss Elisabeth Rosen in den Korb legen und mit dem Tuch verdecken
Elisabeth schleicht sich erneut aus dem Palast
Der König erwischt Elisabet, er hält sie auf und deutet auf den Korb, der mit einen Tuch abgedeckt ist
Elisabeth versteckt den Korb hinter ihrem Rücken
der König entreißt Elisabet den Korb und findet darin „nur“ Rosen

Deutungsfragen zum Nachdenken (Pfr. Jung)
Elisabeth hat ihre Burg verlassen – sie war sich nicht zu fein dazu, den Armen zu helfen.
Wo verlasse ich meine gewohnte Umgebung, um anderen am Rand der Gesellschaft zu helfen?
Wo kontrolliere (und bestimme) ich das Leben und Verhalten meiner Mitmenschen?
Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Wofür könnte(n) die Rose(n) der hl. Elisabeth ein Symbol sein?
St. Martin und die hl. Elisabeth haben, das ihnen möglich getan. Sie haben ihre Talente und Begabungen genutzt – nicht nur für sich, sondern auch um die Nöte ihrer Mitmenschen zu lindern.
Der geteilte Mantel erinnert daran, dass Nächstenliebe Teilen bedeutet: Teilen mit Gewinn, da beide – Martin und der Bettler – es warm haben und (über-)leben können.
Das geteilte Brot erinnert daran, dass kein Mensch auf der Erde hungern müsste, wenn wir die Güter und Ressourcen der Erde gerecht(er) verteilen würden.
Die Rosen sind Zeichen der Liebe – Liebe, die wir einander schenken (… Zeit füreinander, Aufmerksamkeit, Höflichkeit, Ansehen, …) und ohne die Leben lieblos ist
Die Kerze und die Laternen zeigen, dass das Licht nicht weniger wird, wenn man es teilt – sondern die Welt ein wenig heller. Werden wir Lichtbringer und seien wir Hoffnungsträger wie die hl. Elisabeth und St. Martin.

PREDIGT 33. So. i. JK (A)

1 Thess 5,1-6 + Mt 25,14-30

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder, liebe Jugendliche!
Talente mutig einsetzen oder sie ängstlich begraben – das ist die Frage im heutigen Evangelium und auch im Leben.
Wie gehe ich mit den Gaben, die Gott mir geschenkt hat, um? Was mache ich aus meinen Begabungen und Fähigkeiten? Setze ich sie ein?
„Werde Hoffnungsträger!“, so lautet das Motto des heutigen Diaspo-rasonntages. Das meint doch zunächst: Schau genau hin – du trägst doch die Hoffnung schon in dir! Du hast das Talent etwas aus deinem Leben zu machen – Gott hat es dir geschenkt. Mach das Beste daraus! Wie im heu-tigen Evangelium, wo ein reicher Mann sein Vertrauen in seine Diener setzt. Als Herr vertraut er ihnen sein Vermögen an – er teilt es auf. Jeder bekommt einen Teil – jeder Diener so viel, wie ihnen der Herr zutraut. Er geht davon aus, dass er sein Vermögen in die richtigen Hände gegeben hat. Er setzt seine Hoffnung in die Diener, dass sie mit dem anvertrauten Geld einen Gewinn erwirtschaften; dass sie das ihnen anvertraute Gut nicht veruntreuen, oder den Gewinn in die eigene Tasche stecken.
Wie es den Dienern dabei ging, sagt das Evangelium nicht. Wir können nur vermuten, was die Diener denken: Wenn der Herr mir vertraut und mir ei-
1 Die folgende Predigt basiert auf der Predigtanregung von Bischof Dr. Franz Jung, Würzburg zum Diaspora-Sonntag 2020. Ich habe einige Anregungen übernommen und vieles selbst hinzugefügt.
nen Teil seines Vermögens anvertraut, dann traut er mir zu, dass ich es schaffen kann, einen Gewinn zu erzielen. Da wächst das Selbstvertrauen.
Das jeder unterschiedlich viel an Talent(en) vom Herrn bekommt, ist nicht ungerecht, auch wenn wir das im ersten Moment so empfinden. Dieser Verteilung geht die Einschätzung voraus, was der Einzelne leis-ten kann – es ist schon eine Art Bewertung, ein ranking, aber auch ein Schutz vor Überforderung. Wie im richtigen Leben sind die Ausgangs-bedingungen nicht überall gleich – aber es gilt aus den gegebenen Um-ständen das Beste zu machen und ggf. auch für einen Ausgleich zu sor-gen. Der Herr im Evangelium gibt auch dem Schwächsten eine Chance – er respektiert ihn, lässt ihn nicht außen vor, sondern schenkt Beteili-gung und setzt seine Hoffnung auch in den Diener mit dem einen Talent.
Hier zeigt sich die Herausforderung, selbst Hoffnungsträger zu sein: Kann sich die Hoffnung bewähren, die der Herr in jeden einzelnen steckt?
Zwei Diener machen sich ans Werk: Sie wagen den Einsatz ihrer Talente; sie bringen sich und das ihnen anvertraute Vermögen ein. Sie investieren und erzielen einen Zuwachs, einen Gewinn. Es wird klar: Die Hoffnung bewährt sich nicht im Bewahren, sondern wächst im Vermehren. Wenn wir dieses Verhalten auf den Glauben und unsere Kirche übertragen, dann bedeutet das: wenn jede und jeder sich und die anvertrauten Talente ein-bringt, dann sind wir Hoffnungsträger; dann sind wir keine Bedenkenträ-ger und haben keine Angst von unserem Glauben und von unserer Hoff-
nung, die uns erfüllt, Zeugnis abzulegen (vgl. 1 Petr 3,15). Hoffnungsträger wachsen auch in Auseinandersetzungen, im Ringen um gute Wege für die Zukunft von Kirche. Dabei geht es darum, das Glaubensgut nicht einfach zu verwalten, sondern lebendige Kirche vor Ort zu gestalten.
Wir können wie der dritte Diener zwar das Talent eingraben und alles zu bewahren suchen, aber damit ist nichts gewonnen. Sein Verhalten ist ängstlich und hoffnungslos: Er hat, hat kein Selbstvertrauen – sonst hätte er etwas aus dem einen Talent gemacht – und er hat auch kein Vertrauen in andere – sonst hätte er das Geld anderen anvertraut oder wenigstens zur Bank gebracht (damals wohl zu einem höheren Zinssatz als heute…).
Und auch das ist wichtig: Die beiden Hoffnungsträger berichten über ihre Erfolge, darüber, was mit Gottes Hilfe erfolgt ist: „Jeder Hoffnungsträger wächst [so] über sich hinaus und bleibt dem immer größeren Gott auf der Spur bei all dem, was er anpackt und unternimmt“, schreibt der Bischof von Würzburg zum heutigen Diaspora-Sonntag. „Das würde im Übrigen auch für einen Diener gelten, der alles eingesetzt und alles verloren hätte. Denn ganz im Sinne seines Herrn wäre er aufs Ganze gegangen und hätte alles gewagt im Vertrauen auf den, der ihm sein Vermögen überlassen hatte.“ Im Vertrauen auf Gott das Leben und den Glauben wagen, darauf kommt es an: ER, Jesus Christus, ist der Grund unserer Hoffnung – wer auf IHN vertraut, zerbricht auch an den Widrigkeiten des Lebens nicht, denn „es geht im Letzten nie darum etwas zu erreichen, sondern […] da-rum, IHN zu erreichen, der uns den Weg zum ewigen Leben erschlossen hat und der selbst unsere Hoffnung ist“ (Bischof Jung, Würzburg). AMEN.

PREDIGT 32. So. i. JK (A)

Weish 6,12-16 + 1 Thess 4,13-18 + Mt 25,1-13

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Kinder und Jugendliche!
Die Tür ist zu – vor der Nase zugeschlagen. In meiner Jugendzeit ist mir das oft passiert, wenn mein Bruder nach einem Streit wütend aufs Zimmer gerannt ist – da flog die Türe zu und ich stand draußen. Und obwohl ich schon wieder zur Versöhnung bereit war, war die Tür zu. Ich hatte den richtigen Zeitpunkt zur Versöhnung verpasst – zu spät, die Tür war zu und blieb auch zu – zumindest ein zeitlang. Auch ich habe meinen Bruder manchmal ausgesperrt – habe ihn einfach vor der Tür stehen lassen…
Im heutigen Evangelium stehen fünf junge Frauen vor verschlossenen Türen. Sie hatten nicht genügend Öl dabei. Und weil der Bräutigam sich verspätete, den sie heimleuchten sollten, gingen ihre Lampen aus. Ihre fünf Kolleginnen, wollten ihnen von ihrem Ölvorrat nichts abgeben, sonst reicht es weder für uns noch für euch. Mitten in der Nacht mussten sie Öl für ihre Lampen kaufen. Jetzt stehen die fünf Jungfrauen vor verschlossenen Türen. Sie klopfen lautstark an der Tür und bitten um Einlass. Sie wollen bei der Hochzeit dabei sein, die sich drinnen abspielt. Sie wollen dabei sein beim großen Fest, bei Freude und Tanz, beim gu-ten Essen und Trinken – doch die Tür bleibt zu. Und so soll es mit dem Reich Gottes sein? Die verschlossene Tür soll das Symbol dafür sein?
Wenn ich so darüber nachdenke, dann würde ich das Evangelium am liebsten umschreiben: Dann würden die Frauen ihr Öl miteinander tei-len. Oder es würden sich zumindest die Türen für die fünf verspäteten Frauen öffnen. Der Bräutigam würde sie begrüßen und zur Hochzeitstafel geleiten. So stelle ich mir das vor und das würde doch viel besser zur frohen Botschaft Jesu passen, zum Evangelium vom Reich Gottes. Jesus sagt ja auch an anderer Stelle: Bittet, dann wird euch gegeben; sucht, dann werdet ihr finden; klopft an, dann wird euch geöffnet. (Mt 7,7). Doch es hilft nichts: die Tür ist und bleibt zu und das Öl bleibt ungeteilt – schweren Herzens muss ich mich damit abfinden, dass die fünf klugen Jungfrauen drinnen auf der Hochzeit tanzen, die fünf Törichten aber draußen vor der Tür stehen mitten in der Nacht.
Klugheit und Dummheit – das hat nichts mit menschlicher Intelligenz zu tun. Es geht um richtiges uns falsches Handeln, darum kein halben Sachen zu machen. Es geht um die Wachsamkeit für den richtigen Augenblick, auch wenn sich dieser Augenblick hinzieht und auf sich warten lässt.
Gerade in der Verzögerung im Wartenmüssen zeigt sich wahre Bereitschaft und Wachsamkeit. Es zeigt sich, ob Bereitschaft nur oberflächlich ist, alles nur schöner Schein, der nur kurz währt – oder aber ob Bereitschaft aus vol-lem Herzen kommt, aus einer inneren Bereitschaft, die auch für Unerwarte-tes gerüstet ist – mit Geduld und Ausdauer; mit der nötigen Flexibilität und auch mit einem abgrenzenden Nein gegen unberechtigte Ansprüche.

Dass es wirklich um innere Bereitschaft und innere Wachsamkeit geht, zeigt die Tatsache, dass alle zehn Frauen einschlafen. Äußerlich sind al-le gleich. Rein körperlich sind sie am Ende ihrer Kräfte: erschöpft, aus-gebrannt, des Wartens müde.
Die fünf Klugen unterscheiden sich von den Törichten durch ihre innere Bereitschaft und innere Wachsamkeit. Trotz aller äußeren Müdigkeit sind sie bereit, dem Bräutigam mit ganzen Herzen entgegenzugehen. Der Bräutigam, der auf sie zukommt und dem sie entgegengehen wol-len, ist Jesus Christus. Er sucht sie – und sie finden ihn mitten in der Nacht, weil ihre Lampen hell brennen und weil ihre Herzen für diese Begegnung bereit sind. Innerlich brennen ihre Herzen auf diese Begegnung – sie sind ganz davon erfüllt. Und diese innere Bereitschaft kann nicht geteilt werden – die kann ein Mensch nur haben oder eben nicht.
Wir müssen uns entscheiden: sie, sie und sie und du und ich auch. Heute stehen wir an der Stelle der zehn jungen Frauen – egal ob wir Mann oder Frau, Kind oder Greis sind. Wir alle müssen uns entscheiden, wie wir leben und handeln wollen. Es geht um meine Bereitschaft mich Christus zu öffnen, um mich von ihm erfüllen lassen – voll und ganz. Dafür lohnt es sich zu warten und gerüstet zu sein. Jesus Christus wird mich erfüllen und mir Kraft geben, wenn mein Licht zu erlöschen droht und ich glau-bensmüde werde. Mit seiner Kraft kann ich warten und aushalten bis der richtige Augenblick kommt, die Hoch-Zeit meines Lebens. Gott will gemeinsam mit mir in eine himmlische Zukunft gehen; wir alle sind von ihm zu dieser Hochzeit eingeladen. Er kommt uns entgegen und seine Tür steht uns offen: versäumen wir nicht diesen Augenblick. AMEN

Wochenimpuls

Liebe Freunde und Bekannte,
liebe Mitchristen,

nicht immer ist uns nach Hoch-Zeiten zumute – schon gar nicht in diesen Tagen, noch dazu bei Schicksalsschlägen, die uns an Herz und Nieren gehen.
Im heutigen Sonntagsevangelium hören wir von einer Hochzeit – und von Menschen, die den Bräutigam dorthin begleiten und heimleuchten sollen.
… eigentlich eine ehrenwerte Aufgabe…
… doch dann, kommt alles anders.

„Seid also wachsam! Denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde.“ (Mt 25,13) – so endet das heutige Sonntagsevangelium.
Ihnen und Euch allen trotz allem und in allem „offene Türen“, offene Ohren und Herzen – Mitgefühl und Nähe,
Zuspruch, Trost und verbale Umarmungen.
+ Gottes Segen und eine gute Woche!
Bleiben Sie wachsam, seien Sie behütet und bleiben Sie gesund!  

Anbei zur Vertiefung des Sonntagsevangeliums:
– die zugehörige Bach-Kantate: https://www.youtube.com/watch?v=QIHFfuzKYPI
– Bachs Choral Prelude für Orgel zu „Wachet auf ruft uns die Stimme“ (GL 554): https://www.youtube.com/watch?v=VSkz3j9b23Y


Mit freundlichen Grüßen
Dieter G. Jung

Weish 6,12-16 + 1 Thess 4,13-18 + Mt 25,1-13
Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Kinder und Jugendliche!
Die Tür ist zu – vor der Nase zugeschlagen. In meiner Jugendzeit ist mir das oft passiert, wenn mein Bruder nach einem Streit wütend aufs Zim-mer gerannt ist – da flog die Türe zu und ich stand draußen. Und obwohl ich schon wieder zur Versöhnung bereit war, war die Tür zu. Ich hatte den richtigen Zeitpunkt zur Versöhnung verpasst – zu spät, die Tür war zu und blieb auch zu – zumindest ein zeitlang. Auch ich habe meinen Bruder manchmal ausgesperrt – habe ihn einfach vor der Tür stehen lassen…
Im heutigen Evangelium stehen fünf junge Frauen vor verschlossenen Türen. Sie hatten nicht genügend Öl dabei. Und weil der Bräutigam sich verspätete, den sie heimleuchten sollten, gingen ihre Lampen aus. Ihre fünf Kolleginnen, wollten ihnen von ihrem Ölvorrat nichts abgeben, sonst reicht es weder für uns noch für euch. Mitten in der Nacht mussten sie Öl für ihre Lampen kaufen. Jetzt stehen die fünf Jungfrauen vor ver-schlossenen Türen. Sie klopfen lautstark an der Tür und bitten um Ein-lass. Sie wollen bei der Hochzeit dabei sein, die sich drinnen abspielt. Sie wollen dabei sein beim großen Fest, bei Freude und Tanz, beim gu-ten Essen und Trinken – doch die Tür bleibt zu. Und so soll es mit dem Reich Gottes sein? Die verschlossene Tür soll das Symbol dafür sein?
Wenn ich so darüber nachdenke, dann würde ich das Evangelium am liebsten umschreiben: Dann würden die Frauen ihr Öl miteinander tei-len. Oder es würden sich zumindest die Türen für die fünf verspäteten Frauen öffnen. Der Bräutigam würde sie begrüßen und zur Hochzeitsta-fel geleiten. So stelle ich mir das vor und das würde doch viel besser zur frohen Botschaft Jesu passen, zum Evangelium vom Reich Gottes. Jesus sagt ja auch an anderer Stelle: Bittet, dann wird euch gegeben; sucht, dann werdet ihr finden; klopft an, dann wird euch geöffnet. (Mt 7,7). Doch es hilft nichts: die Tür ist und bleibt zu und das Öl bleibt ungeteilt – schweren Herzens muss ich mich damit abfinden, dass die fünf klugen Jungfrauen drinnen auf der Hochzeit tanzen, die fünf Törichten aber draußen vor der Tür stehen mitten in der Nacht.
Klugheit und Dummheit –das hat nichts mit menschlicher Intelligenz zu tun. Es geht um richtiges uns falsches Handeln, darum kein halben Sachen zu machen. Es geht um die Wachsamkeit für den richtigen Augenblick, auch wenn sich dieser Augenblick hinzieht und auf sich warten lässt.
Gerade in der Verzögerung im Wartenmüssen zeigt sich wahre Bereitschaft und Wachsamkeit. Es zeigt sich, ob Bereitschaft nur oberflächlich ist, alles nur schöner Schein, der nur kurz währt – oder aber ob Bereitschaft aus vol-lem Herzen kommt, aus einer inneren Bereitschaft, die auch für Unerwarte-tes gerüstet ist – mit Geduld und Ausdauer; mit der nötigen Flexibilität und auch mit einem abgrenzenden Nein gegen unberechtigte Ansprüche.