10/7/25

PREDIGT 21. SO IM JK (C)

Jes 66,18-21 + Lk 13,22-30

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder, liebe Jugendliche!
Täglich ein Sudoku oder ein Kreuzworträtsel, um den Geist zu trainieren; body workout, damit der Körper in Form kommt und in Topform bleibt; gesunde Ernährung und ein Fitnessprogramm, damit man(n) und frau auch im Alter noch jung aussehen – für unseren Körper und unseren Geist tun wir viel, um sie vital, gesund und fit zu halten. Wir nehmen Einiges an Zeit und Anstrengung auf uns, damit wir geistig rege sind und körperlich leistungsfähig bleiben. In Glaubensdingen sieht es oft anders aus: da wollen wir keine Mühe haben und nicht viel Zeit für Gottesdienst und Gebet aufwenden; andere haben gar keine Lust: null Bock auf Religion und Glaube. Wellness und Ausspannen, nur keine Anstrengung, denn: „Wir kommen al-le, alle, alle in den Himmel“, wie ein alter Faschingsschlager es besingt.
„Wir kommen alle, alle, alle in den Himmel“ – Wirklichkeit, oder billiger Faschingsscherz? „Herr, sind es nur wenige, die gerettet werden?“ (Lk 13,23). Im heutigen Evangelium (Lk 13,22-30) wird nicht gesagt, wer diese Frage stellt. Vielleicht eine Person, die sich selbst zu diesen wenigen zählt – oder eine, die Angst hat nicht dazuzugehören. Es ist eine Frage, die sich immer wieder stellt: den ersten Christen und mir selbst. Auch der Philosoph der Aufklärung, Immanuel Kant, stellt am Beginn der Neuzeit diese Frage: „Was kann ich wissen? Was darf ich hoffen? Was soll ich tun?“
Jesus nennt keine Zahl – seine Antwort ist eine andere: „Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen; denn viele […] werden versuchen hineinzukommen […]. Wenn der Herr des Hauses aufsteht und die Tür verschließt und ihr draußen steht […].“ (Lk 13,24f). Das klingt hart, so gar nicht nach Jesus wie wir ihn sonst kennen: eine geschlossene Tür. Ich wünsche mir lieber eine sich öffnende Tür, offen für alle: Wir kommen alle, alle, alle in den Himmel – doch ist die Tür irgendwann zu und bleibt zu. Das soll jetzt die Frohe Botschaft vom anbrechenden Reich Gottes sein?
Stellen wir uns nochmal den Fragen:
Was kann ich wissen? – Die Tür ist eng und es gibt ein zu spät.
Was darf ich hoffen? – Es gibt diese Tür und ich kann hindurch gelangen.
Was soll ich tun? – Das ist die entscheidende Frage für das anbrechende Reich Gottes. Die beiden kurzen Bildworte, die dem heutigen Evangelium vorausgehen (vgl. Lk 13,18-21), sprechen davon: vom Sauerteig, der das gan-ze Mehl im Backtrog durchsäuert, und vom kleinen Senfkorn, das zum großen Baum wächst. Bilder, das vieles beim anbrechenden Reich Gottes, beim „Himmel auf Erden“ wie von selbst und ohne mein Zutun geht.
Was soll ich da tun? Es kommt auf mich an, darauf, dass ich das Senfkorn ausstreue, damit es wachsen kann, und darauf, dass ich den Sauerteig unters Mehl mische. Die Botschaft Jesu rüttelt mich meiner Selbstsicherheit auf. Die Worte Jesu von der engen Tür sind keine Drohbotschaft, sondern eine wachrüttelnde Einladung an mich zum entschiedenen Handeln, damit Gottes Reich unter uns anbricht. Dazu muss ich nichts Großes vollbringen. Gottes Reich fängt klein an – aber ohne mein Zutun passiert nichts.
Jesus macht das nochmals deutlich: Nur mit mir essen und trinken und das Wort Gottes hören – zum einen Ohr rein, zum andern raus – genügt nicht (vgl. Lk 13,26f). Feste feiern, ist wichtig, sie schaffen Begegnungsmöglichkeiten und stiften Gemeinschaft. Jesus aber geht es um mehr, um gelebten Glauben, darum, dass ich das Wort Gottes in die Tat umsetze, dass ich mich nach Möglichkeiten einbringe und meinen Teil zum Anbruch des Reiches Gottes beitrage. Jede(r) ist dazu eingeladen, auch diejenigen, die das nie erwartet hätten, und diejenigen, von denen man das nie erwartet hätte: Sie werden von Osten und Westen und von Norden und Süden kommen und im Reich Gottes zu Tisch sitzen (Lk 13,29). Die Plätze im Reich Gottes werden mit Menschen verschiedenster Nationen aus allen Himmelsrichtungen gefüllt, die sich auf den Weg zu Gott machen. Keine(r) ist von vorne herein ausgeschlossen. Das heißt doch, dass es sich lohnt, dass ich mich aufmache und meine Kräfte – und mögen sie noch so klein und unscheinbar sein – für das Reich Gottes einsetze. „Bemüht euch mit allen Kräften!“ (Lk 13,24), ruft Jesus uns zu. Durch mein Tun und meinen Engagement kann ich mir den „Himmel“ nicht verdienen, aber ich kann Menschen in Not, „ein Stück vom Himmel“ schenken, ein Stück vom anbrechenden Reich Gottes, z.B. durch meine finanzielle Unterstützung, durch einen Krankenbesuch, durch ein aufbauendes Gespräch, durch eine helfende Tat. Wer dann am Ende im Reich Gottes einen Platz hat, dürfen wir getrost Gott überlassen. „Dann werden manche von den Letzten die Ersten sein und manche von den scheinbar Ersten die Letzten“ (vgl. Lk 13,30). AMEN.

06/24/25

PREDIGT 12. SO IM JK (C)

Sach 12,10-11;13,1 + Lk 9,18-24

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder und Jugendliche!
So sehn Sieger aus, schalalala; so sehn Sieger aus, schalalala – ein Fußballhit, der gerne beim Gewinn eines packenden Spiels oder nach einem erfolgreichen Tournier eingespielt und von Fans mitgegrölt wird. Hauptsache gewonnen, egal wie – einzig das Ergebnis zählt: So sehn Sieger aus…
Wir grölen nicht, sondern bekennen uns zu Jesus Christus. ER ist auf den ersten Blick alles andere als ein Siegertyp: ER ist gescheitert, wurde aufs Kreuz gelegt, auf seine Worte und Taten festgenagelt, durchbohrt. Trotzdem schauen wir „auf ihn, den sie durchbohrt haben“ (Sach 12,10). Wir denken bei diesen Worten aus dem Buch Sacharia sofort an Jesus Christus, den Gekreuzigten und von der Lanze Durchbohrten, da der Evangelist Johannes diese Worte Sacharjas übernimmt (vgl. Joh 19,37) und sie mit dem Kreuzestod Jesu verknüpft. Jesu Schicksal verknüpft sich mit dem vieler Menschen heute: Jesus Christus leidet mit den Opfern von Unterdrückung, Krieg, Terror und Gewalt; ER leidet mit den Gefolterten und Geflüchteten; ER leidet mit den Einsamen und Verlassenen, mit den Hilflosen und Ohnmächtigen unserer Tage.
Sehn so Sieger aus? Nein, sicher nicht! Uns ist ehr zum Heulen zumute – keine Freudentränen, sondern Tränen des Mitleids und der Trauer, auch Tränen der Wut und der Klage, wie Sacharja sie im Lesungstext beschreibt (vgl. Sach 12,10-11). Mitten in dieser Trauer, mitten in dieser Zeit der Krise entspringt „eine Quelle“ (Sach 13,1) – Sacharja zeichnet ein Hoffnungsbild: „Eine Quelle“, die Neues ermöglicht. Diese „Quelle“ wurde – wie auch der Durchbohrte – in der Kirchengeschichte auf Jesus Christus hin gedeutet:
Aus seinem geöffneten Herzen „quellen“ die Sakramente hervor; der durchbohrte Leib und sein für uns vergossenes Blut weisen hin auf die Eucharistie, auf den Leib und das Blut Christi und damit auf das Hochfest Fronleichnam, das wir vor wenigen Tagen gefeiert haben bzw. heute (nach)feiern. Wir feiern keine „Leiche“, sondern den „lebendigen Leib des Herrn“. Leid, Kreuz und Grab sind nicht das Ende, sondern erst der Anfang, quasi der Auftakt der Auferstehung, die Jesus im Evangelium ankündigt (vgl. Lk 9,22).
So sehn Sieger aus: Jesus Christus überwindet Leid, Kreuz und Grab. ER ist der auferstandene Gekreuzigte. Als Christen bekennen wir uns zu IHM und SEINER Auferstehung. In Christus sind wir erlöst von unserem Leid und mit IHM und durch IHN sind wir alle Sieger. Trotzdem sind wir alle, ist jede(r) von uns angefragt: Wer ist Jesus Christus? Wer ist ER für mich?
Eine bohrende Frage, die mich angeht. Ich kann mich nicht hinter den Antworten von Petrus, von Theologen, von Priestern oder Ordensschwestern verstecken – ich muss meine eigene Antwort im Leben und Glauben suchen, finden und geben: Wer ist Jesus Christus? Wer ist ER für mich?
Wer Jesus Christus ist, erschließt sich erst durch Tod und Auferstehung. Erst im Leiden für und mit den Armen erfüllt sich der Auftrag Jesu (vgl. Lk 4,18-19). Nachfolge Jesu Christi heißt daher nicht primär: Hinter der Monstranz herlaufen – und alles wird gut. Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Anbetung, die Verbindung mit Jesus Christus, ist wichtig (vgl. Lk 9,18) und eine lebendige Christusbeziehung auch. Nachfolge Jesu Christi heißt vielmehr: Das eigene Kreuz annehmen, gemeinsam mit Jesus und anderen Menschen Kreuzwege gehen, ihnen das Kreuz tragen helfen und erträglicher machen (vgl. Lk 9,23-24) – so sehen Sieger aus! Jesus Christus, ist dieser „Weg, die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14,6). Gehen wir mit IHM; folgen wir IHM nach auch auf den Kreuzwegen des Lebens; und lassen wir uns für diesen Weg stärken durch das Brot des Lebens, das Jesus Christus selber ist. AMEN.

06/24/25

PREDIGT FRONLEICHNAHM

1 Kor 11,23-26 + Lk 9,11b-17

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder, liebe Jugendliche!

Getragen sein: Wie und wann bin ich getragen? Für mich als Priester ist es immer wieder ein anrührendes Bild, wenn ich eine Mama oder einen Papa sehe, wie sie zärtlich und behutsam ihr kleines Neugeborenes in ihren großen Händen halten – oder wenn das etwas ältere Kind sich schutzsuchend an die erwachsene Schulter lehnt und sich tragen lässt – oder wenn es (noch etwas älter) auf den Schultern der Eltern getragen wird. Manchmal sage ich dann zu den Eltern mit einem Lächeln: „Wie schön ist es, geliebt, geborgen und getragen zu sein!“ Tragen: Wer trägt wen? In jeder Eucharistiefeier wird Jesus Christus im eucharistischen Brot hochgehalten und als geteiltes Brot verteilt – es reicht für alle, wie bei der Speisung der 5.000 Männer, der vielen Frauen und Kinder (vgl. Lk 9,11b-17): Je-sus Christus wird zum Segen, ER teilt das Brot und lässt es austeilen – ge-teiltes Leben. Heute, am Fronleichnamstag, wird die Monstranz, ein Schaugefäß mit einem kleinen Stück eucharistischen Brotes, durch die Straßen ge-tragen: In diesem kleinen Stück Brot ist Jesus Christus gegenwärtig, ist da – für dich, für mich, für uns, für alle. Beim Tragen der Monstranz fühle ich mich von Jesus Christus getragen bei IHM geborgen, von IHM geliebt: Ich schaue IHN an und ER schaut mich an – ER schaut uns an, unser aller Leben. Unsere Fronleichnamsprozession zieht durch die Straßen, vorbei an Häusern, Türen und Fenstern – sie stehen exemplarisch für alle Häuser, Türen und Fenster unserer Stadt. In diesen Häusern und hinter diesen Türen und Fenstern leben Menschen, die viel zu tragen, ja oft viel zu ertragen haben: Krankheit, Trauer, Leid, aber auch Freude. In den Häusern wird Sorge getragen für das tägliche Brot – Essen in Gemeinschaft, in Schichtarbeit, als Single, als Alleinerziehende, als Witwe. Familien tragen Verantwortung für ihre Kinder. Menschen tragen die Last mit einsamen, kranken und alten Angehörigen, die in den Familien, durch Pflegedienste oder in Heimen versorgt und gepflegt werden. Ihnen allen begegnet Jesus Christus heute: Jesus Christus ist ihnen nah. ER will bei ihnen sein, will sie tragen, trösten, stützen und segnen. Auftrag: Was trägt und bringt weiter? Jesus Christus interessiert sich für unser Leben, für deins und auch meins; ER trägt und erträgt, ja teilt dieses Leben mit uns Menschen: ER ist – wie versprochen – bei uns an allen Tagen (vgl. Mt 28,20). Das glauben wir, wenn wir an Fronleichnam die Monstranz mit dem kleinen Stück eucharistischen Brotes durch unsere Lebenswelt und -wirklichkeit tragen: Jesus Christus ist bei uns. Ich fühle mich von Jesus Christus getragen und zugleich beauftragt. Das ist SEIN Auftrag für mich, für uns: „Gebt ihr ihnen zu essen!“ (Lk 9,13). Helft mit, dass wir wie Jesus auf Gottes Segen vertrauen, miteinander das Notwendige teilen und Menschen mit dem sättigen, was sie wirklich zum Leben brauchen: Geborgenheit und Liebe, Trost und Hilfe, Zusammenhalt und Frieden! Einander (er)tragen – und getragen sein von Jesus Christus. AMEN.

06/24/25

PFINGSTIMPULS

Im Prinzip geht alles …

… aber ohne Strom läuft nichts. Das bekomme ich zu spüren, wenn der Strom abgeschaltet wird, dann geht nichts mehr: kein elektrisches Gerät und auch I-Pad und Handy funktionieren nur solange, bis der Akku wieder aufgeladen werden muss: Im Prinzip geht alles, aber ohne Strom läuft nichts. Viele Prozessabläufe werden elektronisch und KI-gesteuert. Bei einem Ausfall der Stromversorgung würde großes Chaos ausbrechen: Im Prinzip geht alles, aber ohne Strom läuft nichts. Die Debatte um eine nachhaltige Energieversorgung und neue Stromtrassen zeigt das: wie und wo soll Energie erzeugt werden, wo und wie Stromtrassen verlaufen? Im Prinzip geht alles, aber ohne Strom läuft nichts.
Ohne Heiligen Geist geht im Leben eines Christen nichts, dann bleibt alles aus, ist alles wie tot: Im Prinzip geht alles, aber ohne Heiligen Geist läuft nichts. Damit wir das nicht vergessen, feiern wir Pfingsten, das Fest des Heiligen Geistes. Ebenso wie „Strom“ nicht sichtbar ist, sondern nur, dass mit Strom ein Elektrogerät funktioniert, ist es mit dem Geist Gottes. Die Bibel verwendet „Bilder“, um diese belebende Kraft zu umschreiben: „Taube“, „aufbrausender Sturm“, „Zungen wie von Feuer“. Was wir sehen können und was die Jünger und Maria am Pfingsttag spürten, sind die Auswirkungen: Im Prinzip geht alles, aber ohne Heiligen Geist läuft nichts. Gottes Geist belebt und bewegt in sich verschlossene Menschen, sodass sie sich öffnen, aus sich herausgehen. Aus verängstigten und schweigenden Jünger(inne)n werden kraftvolle und sprechende Bot(inn)en des Auferstandenen. Sie stehen „unter Strom“, sind begeistert und reden in vielen Sprachen: Im Prinzip geht alles, aber ohne Heiligen Geist läuft nichts.
Wenn der Heilige Geist einen Menschen durchströmt, wird er/sie durch Gott neu belebt. In den Sakramenten „Taufe“ und „Firmung“ kommen Menschen auf besondere Weise mit Gottes Lebensstrom in Berührung. Sie fallen aber nicht tot um, sondern werden geisterfüllt. In allen und durch alle Getauften (und Gefirmten) möchte Gottes Geist wirken: Im Heiligen Geist geht alles, aber ohne mich läuft nichts. Vielen Getauften (und Gefirmten) merkt man diese Begeisterung nicht (mehr) an: Hat Gott bei ihnen „seinen Strom“ abgezwickt und so das Licht ausgemacht?
Nein, Gottes Geist ist da – immer. Aber es ist wie bei einer Steckdose, die nicht benutzt wird: die kann noch so „unter Strom“ stehen – doch das wird keine Auswirkung haben, wenn nicht ein Kabel eingesteckt wird. Mit Heiligem Geist geht alles, aber ohne mich läuft nichts. Damit der Heilige Geist seine Wirkung zeigen kann und der göttliche Strom fließt, muss ich das Verbindungskabel einstecken: dann geht mir z.B. bei der Mitfeier eines Gottesdienstes ein Licht auf; dann bete ich und führe ein „geistliches Leben“ – und Gottes Kraft strömt in mich ein; dann erzähle ich begeistert von meinem Glauben und lebe ihn im Alltag; dann strömt Gottes Güte und Menschenfreundlichkeit aus mir heraus und ich teile, was ich besitze, begeistert mit den Bedürftigen: Mit Heiligem Geist geht alles, aber ohne mich läuft nichts. Es liegt an mir, ob Gottes Geist in meinem Leben sowie in Kirche und Welt sichtbare Auswirkungen hat. Schalten wir den Heiligen Geist nicht ab, sondern lassen wir ihn zu: Im Prinzip geht alles, aber ohne Heiligen Geist läuft nichts – mit Heiligem Geist geht alles, aber ohne mich läuft nichts.

Ihnen allen ein geisterfülltes Pfingstfest!

05/27/25

PREDIGT 6. SO IM OTZ (C)

Apg 15,1-2.22-29 + Joh 14,23-29

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder und Jugendliche!
Ein Mosaik besteht aus winzigen Steinchen: eines hält das andere. Jedes Steinchen ist einzigartig und doch ergeben sich durch das Nebeneinanderlegen Farbflächen und Kontraste, Menschen, Tiere, Pflanzen und Gebäude werden sichtbar. Ich erinnere mich gern an die Mosaiken von Sepporis bei einer Israelreise im Jahr 2022: auf den ersten Blick waren sie blass und farblos, aber als unser Guide Wasser auf die Steinchen goss, erstrahlten sie in leuchtenden Farben; man sah ihnen ihr Alter von über 2000 Jahren nicht an.
Wir hörten im heutigen Evangelium (Joh 14,23-29) einen kleinen Abschnitt aus den Abschiedsreden Jesu (Joh 13-17), einige Mosaiksteinchen, wenige Verse. Wie bei Johannes üblich, sind verschiedene Motive ineinander verschachtelt; Mosaiksteinchen liegen auf den ersten Blick scheinbar wahllos nebeneinander. Aber in diesen bruchstückhaften Worten Jesu sind Motive enthalten, die in den Abschiedsreden an anderen Stellen immer wieder anklingen und schließlich doch ein Mosaik, ein großes Ganzes, ergeben. Alt sind sie, diese Worte Jesu – fast 2000 Jahre alt – und trotzdem nicht blass und farblos. Wenn wir uns die Mühe machen, den Staub der Jahrhunderte abzuwaschen, dann strahlen die Worte Jesu auch in unseren Tagen und haben uns heute etwas zu sagen, in der Jetztzeit des Glaubens und Lebens.
Was nehmen wir mit? Was und woran halten wir fest?
„Meine Worte“, die Worte Jesu sind das. Jesus ist so bei den Jüngern und bei uns, auch über seinen Abschied hinaus: Das schafft Nähe und Beziehung, das schafft Orientierung und Wegweisung. Das Wort Gottes nehmen wir als Glaubensgemeinschaft mit und nehmen es ernst. Welches Wort Jesu ist mir wichtig? Was „macht“ es mit mir? Welche Auswirkun-gen hat es in meinen Leben und in meinem Glauben?
Die „Liebe Gottes“ ist und gegeben. Sie stiftet Beziehung und Gemeinschaft zwischen Gott und Mensch und unter den Menschen. Liebe ist „der Kitt“, der alles zusammenhält – und Liebe eröffnet Räume, wo Gott Wohnung nimmt und so erfahrbar ist in unserem menschlichen und mitmenschlichen Tun. Wie nehme ich die Liebe Gottes in meinem Leben auf und wie setzte ich sie in die Tat um?
„Heiliger Geist“ als vorösterlich verheißener nachösterlicher „Beistand“ ist uns geschenkt. Und er hat zu tun: Er ist über die Zeiten hinweg Lehrer und Erinnerer an die Worte Jesu – gerade in Zeiten, in denen sie vergessen werden oder in der Unsicherheit der Zeit untergehen. Durch den Heiligen Geist bleibt Jesus da und ist im aktuellen Zeitgeschehen präsent und gegenwärtig: kein Zeitgeist, sondern Gottes Geist in unserer Zeit. Wo spüre ich das Wirken von Gottes Geist? Wo wirkt er in mir und durch mich?
„Friede“ ist uns verheißen. Wir denken an den Welt-Frieden, an Frieden, „wie die Welt ihn gibt“. Welchen Frieden gibt die Welt? Friede mit Waffengewalt oder durch Mauern erzwungen; Friede durch Abschreckung und Aufrüstung – so sieht Friede aus, den (sich) die Welt gibt. Jesus aber sagt „seinen Frieden“ zu, der nicht von dieser Welt ist und anders als die Welt ihn gibt: Friede, der dort beginnt, wo Wertschätzung und Respekt herrschen, wo sogar Feindesliebe möglich und gelebt wird – Friede, der dort gefunden wird, wo Barmherzigkeit und Gerechtigkeit gesucht werden – Friede, der aus dem Innersten des Herzens kommt, weil mir dort Gottes Wort in Fleisch und Blut übergegangen ist – Friede, der sich nicht auf die „Liebe zur Macht“ beruft, sondern an die „Macht der Liebe“ glaubt – Friede, der durch das Wirken von Gottes gutem Geist zustande kommt – wenn wir das Men-schenmögliche tun. Was ist mein Beitrag zum Frieden Gottes in der Welt?
Was nehmen wir mit? Was und woran halten wir fest?
Jesus selber können wir nicht festhalten, ja der Auferstandene verbietet es Maria von Magdala (und uns): „Halte mich nicht fest“ (Joh 20,17). Aber an Jesu Worte können wir uns halten – Mosaiksteine. Wir können daraus ein Mosaik gestalten, damit die Botschaft Jesu im Heute sichtbar(er) wird: Jesus ist und bleibt da, auch wenn er sich verabschiedet und geht. Jesus ist und bleibt da: im Wort Gottes – in der Liebe, die wir Gott und einander erweisen – durch den Heiligen Geist – in unserem Einsatz für Frieden. Das macht mir Mut zum Leben und Glauben. Das schenkt mir Freude: Lebensfreude und Freude am Glauben. Das nimmt mir die Angst, stärkt meine Hoffnung und gibt Halt: Es geht gut weiter – verbunden mit Gott und miteinander. AMEN.

05/26/25

PREDIGT 5. SO IM OTZ (C)

Betrachtung zum Sonntagsevangelium HEINRICHSBLATT Ausgabe 18. Mai 2025

Apg 14,21b-27 + Offb 21,1-5a + Joh 13,31-33a.34-35

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder und Jugendliche!
Wer kein Testament hinterlässt bzw. nicht zu Lebzeiten entscheidet, wie es weitergehen soll, riskiert Zank und Streit unter den Nachkommen. Heute erfolgt quasi die „Testamentseröffnung“ wenige Wochen nach dem Tod Jesu: Im Evangelium werden wir zurückversetzt in den Abendmahlssaal, wo Jesus seine Abschiedsrede beginnt.
Judas ist nicht mehr dabei: Er hat sich mit dem Bösen verbündet und ist in die Nacht der Gottferne hinausgegangen (vgl. Joh 13,2.27.30), um Jesus zu verraten. Judas schlägt das „Erbe“ damit aus. Das Abendmahl hat er noch mitgefeiert, die Hineingabe Jesu Christi in die Gaben von Brot und Wein, seine dortige Existenz und dauerhafte Präsenz, sowie die Vorwegnahme seines Kreuzestodes; auch die Fußwaschung, den Liebesdienst Jesu, hat er noch als willkommene „Gabe“ angenommen, aber die damit verbundene Aufgabe, wie Jesus aus Liebe zu handeln (vgl. Joh 13,14-15), wollte Judas nicht in die Tat umsetzen.
„Jetzt“ ist die entscheidende Stunde: In die menschengewählte „Verdunkelung“ strahlt die von Jesus bei der Testamentseröffnung angekündigte „Verherrlichung“: Dieses Licht, diese Liebe und dieses Leben ist stärker als der Tod – diese Hoffnung schenkt, ja „vererbt“ Jesus im Johannesevangelium: Es ist kein leidvolles Sterben, sondern wechselseitige Verherrlichung Gottes und des Menschensohnes. Im „Es ist vollbracht“ (Joh 19,30) des Gekreuzigten findet sie ihre Erfüllung: Liebe, die sich hingibt – Licht, das sich verteilt – Leben, das anderen dient.
Dieses Licht der Liebe und dieses Leben aus Liebe soll auch die „Erben“ kennzeichnen; daran sollen sie zu erkennen sein – das ist der „Letzte Wille“ Jesu: „Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben.“ Jesus redet „seine Nachkommen“, die Jüngerinnen und Jünger, liebevoll als „meine Kinder“ an; sie gelten als „Erben erster Ordnung“. Trotzdem gilt nach heute gültigem Erbrecht: Keine(r) geht leer aus – auch nicht Fernstehende und auch nicht die, die sich von Jesus und seiner Botschaft abgewandt haben. Alle bekommen den „Pflichtteil“; und diese „verpflichtende“ Liebe wird mehr, wenn man sie teilt. Wie die so „Bedachten“ mit der „ererbten“ Liebe umgehen, ob sie dieses „Erbe“ ablehnen, es für sich behalten, oder es im Sinne Jesu mit anderen teilen und damit sein „Vermächtnis“, die Botschaft der Liebe, der Solidarität und der Menschenfreundlichkeit in die Tat umsetzen, ist eine Entscheidung, die jede(r) für sich treffen muss: Jetzt ist die Zeit, jetzt ist die Stunde…
AMEN.

01/7/25

KIRCHENVERWALTUNGSWAHL 2025

Die Kirchenverwaltung für die Amtszeit von 2025 bis 2030 setzt sich zusammen aus (von links)
Pfr. Dieter G. Jung, Herwig Stalf, Wolfgang Nittke, Markus Hornig und Karin Vogel.

Das Gremium wählte Markus Hornig zum Kirchenpfleger, Karin Vogel zur Schriftführerin.



01/16/23

Änderung der Pfarrei-Emailadresse

Wir möchten Sie  darauf verweisen, dass das ab sofort die E-Mail-Postfächer st-antonius [dot] oberkotzau [at] erzbistum-bamberg [dot] de und pfarrei [dot] schwarzenbach-s [at] erzbistum-bamberg [dot] de  nicht mehr zur Verfügung stehen.

Bitte senden Sie deshalb Ihre E-Mails ab sofort an ssb [dot] hofer-land [at] erzbistum-bamberg [dot] de.

Vertrauliche E-Mails können Sie auch weiterhin an christine [dot] schemmel [at] erzbistum-bamberg [dot] de senden.

11/24/22

TRAUER UM ALOIS ALBRECHT

Er war Generalvikar unter drei Erzbischöfen
und wurde „Poet des Dombergs“ genannt

Der frühere Generalvikar des Erzbistums Bamberg, Alois Albrecht, ist tot. Er starb am Montag im Alter von 86 Jahren in Bamberg nach kurzer schwerer Krankheit. Von 1990 bis 2006 war er Generalvikar unter den Erzbischöfen Elmar Maria Kredel, Karl Braun und Ludwig Schick. Vielen Gläubigen war der Verstorbene als Texter für das „Neue Geistliche Lied“ bekannt, weshalb er auch „Poet des Dombergs“ genannt wurde. Von ihm stammen die Texte „Kleines Senfkorn Hoffnung“, „Unser Leben sei ein Fest“ und „Die Sache Jesu braucht Begeisterte“. Darüber hinaus entwickelte er Schauspiele und Szenen für Katholikentage und Diözesanfeste.
Diözesanadministrator Herwig Gössl würdigte den Verstorbenen als „überzeugten und überzeugenden Seelsorger, der durch tiefgründige spirituelle Texte die frohe Botschaft in die heutige Zeit hinein verkündet hat, stets loyal und stets interessiert bis zuletzt“.
Der damalige Erzbischof Kredel berief Albrecht 1987 ins Domkapitel. Drei Jahre später wurde er zum Generalvikar ernannt. Auch Erzbischof Karl Braun und Erzbischof Ludwig Schick bestätigten Albrecht nach den Rücktritten ihrer Vorgänger im Amt. 1996 wählte ihn das Domkapitel zum Domdekan. Papst Johannes Paul II. verlieh ihm im Jahr 2000 den seltenen Ehrentitel eines Apostolischen Protonotars.
Im schwäbischen Backnang wurde Albrecht am 16. März 1936 geboren. Im Alter von drei Jahren zog die Familie nach Bayreuth um, wo er aufwuchs. Am 19. März 1962 wurde Albrecht zum Priester geweiht. Es folgten Kaplansjahre in Höchstadt an der Aisch und in St. Bonifaz/Nürnberg, ehe Albrecht von 1965 bis 1972 als Diözesanjugendseelsorger tätig war. Im Anschluss daran war er bis 1987 Pfarrer von St. Gangolf in Bamberg und dann von St. Martin in Bamberg.
Die Erzdiözese Stettin-Cammin (Polen) würdigte ihn 1997 mit der Ernennung zum Ehrendomherrn. Mit Vollendung des 70. Lebensjahres ging Alois Albrecht 2006 in den Ruhestand. Wenige Wochen vorher wurde er für seine Verdienste in Kirche und Gesellschaft mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet.
Albrecht verstand sich als Reformer und rief erst vor einem Jahr dazu auf: „Unsere kirchlichen Oberen sollten den Mut haben, Katechismus und Kirchenrecht für die heutige Zeit und Situation der Kirche weiterzudenken, weiter zu entwickeln und fruchtbar zu machen.“ Es bedürfe eines Umdenkens weg vom „weiter so“.
Eine der großen Leidenschaften des Verstorbenen war das Schreiben. Zusammen mit den Komponisten Peter Janssens, Klaus Gramß und Ludger Edelkötter prägte Albrecht als Textautor maßgeblich das „Neue Geistliche Lied“ mit.
Auch der Blick über das eigene Erzbistum hinaus war ihm stets wichtig. In seiner Eigenschaft als Generalvikar hatte der Verstorbene auch Kontakt mit Priestern aus aller Welt, die im Erzbistum Bamberg aushelfen. Er war einer der Motoren mit der seit 2007 bestehenden Bistumspartnerschaft mit Thiès im Senegal.
„Als Generalvikar und Personalchef der Priester konnte ich viele gute Entscheidungen treffen, mit 85 Prozent meiner Entscheidungen kann ich zufrieden sein“, sagte Albrecht zu seinem 85. Geburtstag rückblickend. „Es passieren in einem Leben nicht nur gute Dinge, sondern auch Sachen, in denen man scheitert, in denen man nicht zurechtkommt, das muss verkraftet und überwunden werden, oder man trägt es ständig bei sich.“

Am kommenden Donnerstag, den 24. November 2022 ist um 18 Uhr im Dom das Totengebet für den Verstorbenen.
Das Requiem im Dom mit anschließender Beisetzung auf dem Kapitelsfriedhof ist am Mittwoch, den 30. November 2022 um 14.30 Uhr.

04/6/22

WAHLERGEBNIS PFARRGEMEINDERATSWAHL

Für den PGR von St. Franziskus in Schwarzenbach/S. wurden bei einer Wahlbeteiligung von 6,17% folgende Personen gewählt:

Hornig Heidi, Reiche Clemens, Schacher Florian, Schacher Ulrike, Schubert Astrid und Walther Franz.

Die konstituierende Sitzung hat noch nicht stattgefunden.

 

Bis zum 15. Mai müssen die gewählten PGR-Mitglieder nun zur konstituierenden Sitzung zusammenkommen um u. a. weitere Personen zu berufen.

 

Danke, an alle,

  • die geholfen haben, die Wahl vorzubereiten und durchzuführen;
  • die bereit waren, sich als Kandidaten aufstellen zu lassen und sich in ihrer Pfarrei zu engagieren;
  • die als Wählerinnen und Wähler, von ihrem Stimmrecht Gebrauch gemacht haben, um ihrer Pfarrei mitzugestalten