PREDIGT 3. SO IM JAHRESKREIS (C)

1 Kor 12,12-31a + Lk 1,1-4; 4,14-21

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder und Jugendliche!
„Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt“ (Lk 4,21), sagt Jesus. Mit diesem „Heute“ leitet Jesus eine neue Zeit ein. Es ist kein „Heute“ „von gestern“, das uns nichts mehr anginge. Es ist ein „Heute“, das wirken will auch in unseren Tagen: frohe Botschaft – Be-freiung – Licht – klarer, ungetrübter Blick – nicht auf einem oder beiden Augen blind, wegschauend oder hinschauend und vertuschend.
Ein Vorwort zu einem Evangelium findet sich nur bei Lukas (vgl. Lk 1,1-4) – ein Vorwort, mit dem er die historische Situation einordnet. Lukas will die Wahrheit ans Licht bringen. Deshalb verlässt er sich auf Augenzeugen und nicht phantasievolle Lügner, die „blind“ erzählen. Lukas schreibt von Beginn an und sorgfältig, denn es geht ihm um Zuverlässigkeit.
Und dann macht das heutige Evangelium einen Zeitsprung: Die Kindheitsgeschichte und Taufe Jesu werden ausgeblendet – davon war an Weihnach-ten und an den vergangenen Sonntagen die Rede – und es kommt zum ers-tem öffentlichen Auftritt von Jesus. Geisterfüllt spricht er vom „Gnadenjahr des Herrn“ (Lk 4,21), das „Heute“ anbricht: Die Menschen befreit von Unterdrückung, mit offenen Sinnen und mit klarem Verstand; die Menschen voll Würde als Ebenbilder Gottes, achtsam im Umgang mit Mitmenschen und mit der Natur. Jesus nimmt die Menschen in Verantwortung dafür. Heute geschieht das. In euch. Durch euch. Wenn ihr das Eure tut.
Am vergangenen Donnerstag, den 20. Januar 2022, wurde das unabhängige Gutachten zum Umgang mit Missbrauch im Erzbistum München und Freising vorgestellt und veröffentlicht – knapp 1900 Seiten, auf denen Missbrauchsfälle von 1945 bis 2019 und das Verhalten der Verantwortlichen sorgfältig, von Anfang an und unter Einbeziehung vieler Zeu-gen aufgearbeitet wurden. Einige dieser Seiten habe ich gelesen. Wahrlich keine frohe Botschaft und Lichtblick für die katholische Kirche – aber wir müssen der Wahrheit ins Auge sehen: Es gab und gibt sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche und es gab und gibt Verantwortliche, die (zu) wenig zur Aufklärung dieser Fälle beigetragen und auch vertuscht haben: „Ein Abgrund an Klerikalismus, Institutionenschutz und Führungsversagen“, so war in einem Artikel zu lesen.
Obwohl es viele gute Priester und pastorale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gibt, die sich nichts haben zuschulden kommen lassen, will ich „Missbrauch“ zum Thema dieser Predigt machen, was mir nicht leichtfällt.
Ich will diese Missstände nicht schön oder klein reden – sie sind Realität.
Verantwortliche müssen sich ihrer Verantwortung stellen. Aus heutiger Sicht war das „jeder hat eine zweite Chance verdient“ zwar christlich und gut gemeint – aber in vielen Fällen das Gegenteil von gut: Damals glaubte man Missbrauchstäter therapieren zu können – heute wissen wir, dass sie oft rückfällig geworden sind und rückfällig werden. Wir wissen heute mehr… und ich muss das Verhalten der damals Verantwortlichen aus heutiger Sicht klar und deutlich als unzureichend und falsch einordnen – aber war es das auch nach dem damals wissenschaftlichen Stand? Es war dann falsch, wenn Verantwortliche wider besseren Wissens gehandelt und bewusst vertuscht haben, um scheinbar Schaden von der katholischen Kirche abzuwenden – um den Preis durch dieses Fehlverhalten und diese Fehlentscheidung weitere Missbrauchsfälle in Kauf zu nehmen.
Macht und Vertrauen wurden missbraucht; Schwachheit und Schwächen wurden ausgenutzt – ein System des Schweigens, da Missbrauchsopfer oft erst nach Jahrzehnten über das Leid, das ihnen angetan wurde, reden konnten oder wollten. Wir leiden mit ihnen: „Wenn darum ein Glied [der Gemeinde bzw. der Kirche] leidet, leiden alle Glieder mit“ (1 Kor 12,26), bringt es Paulus in der heutigen Lesung auf den Punkt. Als Getaufte sind wir Kirche, Glieder des einen Leibes (vgl. 1 Kor 12,13). Als Teil der Kirche fühle ich mich beschämt und betroffen. Ich leide mit den Missbrauchsopfern angesichts der aufgedeckten menschenverachtenden und menschenwürdeverletzenden Zustände; zudem auch als katholischer Priester, dem das Etikett „potentieller Täter“ aufgedrückt wurde.
Die Institution „Römisch-katholische Kirche in Deutschland“ kann die Missbrauchsfälle nicht ungeschehen machen – sie sind passiert und haben viel physisches und psychisches Leid über die Missbrauchsopfer und deren Familien gebracht. Ich sage es klar und deutlich: Jeder Missbrauchsfall ist einer zu viel – nicht nur in den Reihen der Katholischen Kirche. Es braucht eine neue Achtsamkeit und Strukturen müssen geändert werden, um sexuellen Missbrauch und körperliche Gewalt zu verhindern. Verpflichtende Präventionsschulungen für Haupt- und Ehrenamtliche gibt es schon seit einigen Jahren in allen deutschen Bistümern; Betroffene und Missbrauchte müssen gehört und angemessen entschädigt werden; Macht- und Ohnmachts-Strukturen müssen abgeschafft werden; Aufklärung und Transparenz statt Vertuschung und Verschleierung müssen zur Normalität werden – da ist die Kirche auf dem Weg; einfach ist dieser Weg nicht.
Heute gilt es in der Kirche und als Kirche zu handeln: gegen Missbrauch und für bessere und beteiligungsgerechtere Strukturen. Es geht ums Ganze – oder, um mit Paulus zu sprechen, – um den Leib Christi, die Kirche als Ganzes, mit all ihren (Mit-)Gliedern, Charismen und Begabungen (vgl. 1 Kor 12,14-18). Jeder und jede ist darin wichtig und wertvoll: „Das Auge kann nicht zur Hand sagen: Ich brauche dich nicht. Der Kopf wiederum kann nicht zu den Füßen sagen: Ich brauche euch nicht. [… Alle Glieder sind wichtig, auch die scheinbar noch so geringsten,] damit im Leib kein Zwiespalt entstehe, sondern alle Glieder einträchtig füreinander sorgen“ (1 Kor 12,21-25). Wenn jede und jeder nur an sich denkt und die eigene Macht missbraucht, dann wird und ist der Leib krank und verletzt. Viele wollen mit dieser krankenden Kirche nichts mehr zu tun haben und treten aus der Kirche aus – zurück bleibt ein geschundener, in seinem Handeln stark eingeschränkter Torso. Ob Kirche so „heil“ und „besser“ wird? Nur wenn wir Teil des Leibes Christi bleiben, können wir durch unser Mitwirken, durch das Einbringen der je eigenen Charismen und Geistesgaben zur Heilung des Leibes Christi und zur guten Besserung in der Kirche beitragen: „Wenn […] ein Glied leidet, leiden alle Glieder mit; wenn ein Glied geehrt wird, freuen sich alle Glieder mit. […Als Christen sind wir] der Leib Christi und jeder Einzelne ist ein Glied an ihm.“ (1 Kor 12,26-27). AMEN.

PREDIGT 2. SO IM JAHRESKREIS (C)

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder und Jugendliche!
Stunden, in denen sich Wesentliches verändert, bleiben im Gedächtnis – sie prägen sich ein – sie prägen mein Leben: Der erste Schultag – der erste Ur-laub ohne Eltern – die Hochzeit, oder wie bei mir die Priesterweihe – der Tod des Ehepartners oder eines guten Freundes. Mit diesen Stunden gilt es zu leben. Das ist oft nicht einfach. Es braucht Zeit, um zu realisieren, was die Stunde geschlagen hat und die neue Lebenswirklichkeit zu integrieren:

– dass in der Schule Stillsitzen angesagt ist – zumindest 45 Min. bis zur Pause
– dass Ehepartner nach dem Standesamt mit dem gemeinsamen Nachnamen unterschreiben, auf den sie sich geeinigt haben
– dass ich als Priester Sakramente spenden darf, was mich in den ersten Wochen und manchmal auch heute noch herausfordert und überfordert
– dass ich ohne den verstorbenen Partner, ohne die geliebte Mutter/Vater, ohne das geliebte Kind, den guten Freund leben und diese schmerzliche Lücke aushalten muss – das dauert oft ein Jahr, oder länger…
Was die Stunde geschlagen hat, spüren auch die Brautleute im heutigen Evangelium: der Wein ist alle – kein Wein mehr da, die Krüge leer. Die leeren Krüge stehen dafür, dass auch bei bester Planung im Leben einiges schief gehen kann – diese Realität gilt es wahrzunehmen, selber und auch, wenn man nicht unmittelbar davon betroffen ist: Maria sieht die Not der leeren Krüge. Sie verschweigt sie nicht wie die vielen anderen, die sie sicherlich auch bemerkt hatten. Sie weist ihren Sohn Jesus darauf hin – in der stillen Hoffnung, dass er helfend eingreifen wird. Sie hofft auf die Wandlung, auf die Veränderung der prekären Situation…
… und sie wird bitter enttäuscht: Schroff wird sie von ihrem Sohn angefahren: „Was habe ich mit dir zu tun, Frau? Was geht’s dich an, was ich tue?“ – so die wortwörtliche Antwort Jesu (vgl. Joh 2,4). Die gute Beziehung zwi-schen Mutter und erwachsenem Kind wie gewandelt: In der Pubertät durch-leben viele Eltern derartige Reibereien, schroffe Ablehnungen und Abnabelungsprozesse der Jugendlichen – auch sie gilt es anzunehmen. Jesus weist mit seiner Antwort in die Zukunft: „Meine Stunde ist noch nicht gekommen“ (Joh 2,4): Er weist hin auf die Stunden des Abendmahls mit Eucharistie und Fußwaschung, auf seine Todesstunde am Kreuz und auf die Stunde seiner Auferstehung, dort und dann wird sich alles wandeln: Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi – der Herr in den Diener, der den Jüngern die Füße wäscht – Tod in neues, ewiges Leben. Diese Wandlung durch die Wirkmacht Gottes deutet Jesus schon bei der Hochzeit zu Kana an, wenn er einfaches Wasser in kostbaren Wein wandelt. Wir können das wissenschaftlich nicht beweisen – wir können nur glauben, wie die Jünger, die dieses erste Zeichen sehen. Sie sind wie verwandelt, ihr Leben ändert sich – ein neuer Lebenswandel: sie folgen Jesus nach.
Wasser ist Leben – es ist lebensnotwendig und stillt meinen Durst nach Leben. Die Wandlung in Wein ist für mich ein Zeichen dafür, dass mein Leben wertvoller und kostbarer wird durch den Glauben, durch Jesus Christus – dafür, dass er die leeren Krüge meiner Seele und meines Lebens neu füllen kann. Aus dem Mangel wird Fülle, ja Überfülle – Überfluss an kostb-rem und köstlichem Wein, Zeichen der Lebensfreude. Mit Jesus Christus und den Glauben an ihn habe ich schon im Hier und Jetzt Anteil daran.
Eine weitere Wandlung ist mir vor Jahren in einer Relistunde aufgegangen, die Wandlung der Diener: Beim Rollspiel der Hochzeit zu Kana im Religionsunterricht wollte niemand die Diener spielen. Somit gab es niemanden, der die Krüge mit Wasser füllte. Und so fehlte die wichtigste Voraussetzung für die Möglichkeit der Wandlung. Im anschließenden Gespräch über die „missglückte“ Szene, wurde meinen Schülern deutlich, dass nur dienende Menschen das Wunderbare erfahren, das Gott wirken kann. Dann strahlt Gott in dieser Welt auf, dann zeigt sich die Ausstrahlung Gottes in Jesus und in den Menschen, die sich verwandeln lassen, die in ihrem Dienst auf Gottes Kraft und Beistand vertrauen.
Das heutige Evangelium von der Hochzeit zu Kana macht mir Mut, mich durch die Zumutungen Gottes nicht entmutigen zu lassen, sondern mich jeder Stunde meines Lebens zu stellen – auch den Dunklen und Bitteren. Wenn ich mich ihnen demütig – d. h. mit Mut zum Dienen – stelle, darf ich auf Gottes verwandelnde Kraft in meinem Leben vertrauen. AMEN.

DREIKÖNIGSTAG IN ST. FRANZISKUS

Festgottesdienst am 6. Januar 2022, dem Hochfest der „Erscheinung des Herrn“ mit den Sternsingern in St. Franziskus

„Gesundheit ist ein Kinderrecht und das sollte für alle Kinder in der Welt gelten!“

„Stern über Bethlehem, zeig uns den Weg, führ uns zur Krippe hin, zeig, wo sie steht, leuchte du uns voran, bis wir dort sind, Stern über Bethlehem, führ uns zum Kind!“ Dieses vertraute Weihnachtslied (GL 261) erklang während des Einzugs der Sternsinger, eines Ministranten und Pfarrer Dieter Jung. „Wie schön, dass Sie dem Stern gefolgt sind“, begrüßte Pfarrer Jung die Gemeinde. Sodann erteilten die Sternsinger eine Katechese über die Geschenke, die dem Jesuskind gebracht wurden – Gold, Weihrauch und Myrrhe – und frischten dadurch so manches vergessene Glaubenswissen wieder auf. Der erste Sternsinger zeigte Gold, das ein überaus kostbares Edelmetall ist. Nur Könige durften sich damals mit Gold schmücken. Es galt als Herrschersymbol. Kronen wurden deshalb meist aus Gold gearbeitet. Pfarrer Jung wies darauf hin, dass jede/r von uns ein Köngskind ist, als Person einzigartig und auch etwas ganz Besonderes. Über Weihrauch informierte der zweite Sternsinger. Körner des kostbaren Harzes des Weihrauchbaumes werden auf glühende Kohlen gelegt und verbreiten einen sehr aromatischen Duft, einen Duft, der Himmel und Erde, Gott und Menschen verbindet, einen Duft, den viele Menschen lieben und der Ausdruck der Liebe Gottes zu den Menschen sei. Christen sollen den „guten Duft“ der Menschenfreundlichkeit Gottes in der Welt verbreiten und diese „dufte“ Botschaft in die Welt bringen. Der dritte Sternsinger berichtete über Myrrhe, eine pflanzliche Substanz, die bei uns weniger bekannt sein dürfte. Myrrhe dient seit dem Altertum als Heilmittel. Es schütze die Haut und die Atemwege und spanne so den Bogen zum Thema der diesjährigen Sternsinger-Aktion „Gesund werden – gesund bleiben“. Gesundheit ist ein Kinderrecht und das sollte für alle Kinder und für alle Menschen dieser Welt gelten. Sternsinger sammeln Geld für Kinderprojekte, die dieses Anliegen unterstützen.

In der Predigt nahm Pfarrer Jung das Evangelium in den Blick. Die Sterndeuter zur Zeit Jesu suchten einen besonderen Stern, ein Zeichen am Himmel, das auf einen neuen König hinweist. Er fragte, woran wir unser Leben ausrichten? Bin ich ein Zeichen für andere? Wir finden „den Stern“ in der Krippe. „A Star is born“, heißt es in einem berühmten Musikfilm, ein neuer Stern geht strahlend auf: Jesus Christus. In der Krippe finden die Sterndeuter das, was sie suchen und zwar in einem ärmlichen Stall. Deren Gaben, so der Geistliche weiter, seien eigentlich unpassend für die arme Familie von Jesus; dieser würden eher Brot; Milch oder ein wärmendes Fell nützen. Die Gaben der Weisen scheinen fehl am Platz. Sie verweisen auf einen König, auf Gott, einen Heiland und Arzt. Das Motto der Sternsinger-Aktion bekomme so eine neue Tiefe und Sinn. Jung berichtete über seine Erfahrungen, die er während seines Senegalaufenthaltes gemacht hatte. In diesem Land ist das Gesundheitssystem marode und aus Armut nicht finanzierbar. Die Krankenstationen seien nur sehr dürftig ausgestattet. Kirchliche Einrichtungen sorgen oft für kostenlose Behandlungen sowie für nötige Krankentransporte. Das Gold des Königs aus dem Evangelium, stehe für Geld, das den Armen hilft und sicherlich auch der hl. Familie auf der Flucht nach Ägypten geholfen hat. So sichern auch unsere Spenden eine medizinische Grundversorgung für arme Menschen. Der Weihrauch durchdringt die Häuser mit seinem Duft. Er bezeugt die frohe Botschaft der Menschenfreundlichkeit Gottes sowie unserer Mitmenschlichkeit und Solidarität. Das Anwenden von Weihrauch darf nicht als Selbstbeweihräucherung verstanden werden, vielmehr als Segenshandlung:  C + M + B schreiben die Sternsinger mit Kreide an die Türen der Menschen, d.h. lat. Christus mansionem benedicat und ins Deutsche übersetzt Gott segne dieses Haus. Der alte Arzneistoff Myrrhe diene der Gesundheit, ebenso wie es moderne Medikamente tun. Pfarrer Jung plädierte in diesem Zusammenhang für eine gerechte Verteilung von Impfstoffen. In den sog. Entwicklungsländern haben oft weniger als 10% der Menschen die erste Impfung gegen Covid erhalten. Unter diesem Aspekt erhalte das Motto „Gesund werden – gesund bleiben“ eine besondere Aktualität.

Zum Schluss der Hl. Messe segnete Pfarrer Jung den Weihrauch, das Weihwasser, die Kreide und die Segensaufkleber für die Türen. Caspar, Melchior und Balthasar konnten in Schwarzenbach nicht wie gewohnt von Haustür zu Haustür ziehen. Stattdessen wurden vom Sternsinger-Team Briefe und Aufkleber an die Schwarzenbacher verteilt. Spenden können überwiesen oder im Pfarrbüro abgegeben werden. Sie kommen der Sternsinger-Aktion und damit bedürftigen Kindern in aller Welt zugute. Pfarrer Jung bedankte sich bei allen Akteuren des Sternsinger-Teams die auch in diesem Jahr wieder einen überragenden Einsatz gezeigt haben.

 

Spendenkonto:

Katholische Kirchenstiftung

Sparkasse Hochfranken

Stichwort „Sternsingen“

IBAN:DE85 7805 0000 0240 001602

PREDIGT 2. SO NACH WEIHNACHTEN (C)

Eph 1,3-6.15-18 + Joh 1,1-5.9-14

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder und Jugendliche!

Wir feiern an Weihnachten, dass Gott Mensch wird und es braucht Zeit, das zu begreifen: der große Gott macht sich klein, wird ein Kind, fängt an wie wir als hilfloses Neugeborenes. Johannes schreibt anders: Gottes Wort wird Fleisch, geht in Fleisch und Blut über und hat unter den Menschen gewohnt. Zum dritten Mal hören wir die Worte des Johannesprologs: Am ersten Weihnachtsfeiertag war er als Evangelium dran, ebenso an Silvester und auch heute am 2. Sonntag nach Weihnachten. Der Johannesprolog (Joh 1,1-18 bzw. Joh 1,1-5.9-14) fasst nicht nur die Menschwerdung Gottes in Worte, sondern auch die „Gottwerdung“ des Men-schen – nicht auf die Weise, dass wir Menschen „vergöttern“, sie „in den Himmel heben“ wie Pop- der Fußballstars, oder Models und Idolen nacheifern – auch nicht auf die Weise, dass wir uns „zu Gott machen“ – dieser Versuchung das eigene Ich absolut setzten und zu „Gott“ zu erklären, erliegen viele: Ich habe die Macht. Mein Wille zählt. Ich will meine Freiheit. Weihnachten und Menschwerdung ist anders: das Du ist entscheidend. Dass Gott Mensch wird, zeigt, dass er uns Menschen ernst- und annimmt und uns anspricht im Schrei eines Neugeborenen: Ich liebe dich, Mensch, als meinen Bruder / meine Schwester, als Mitmensch. Dieses menschgewordene Wort Gottes will eine Antwort – meine Antwort. Ich soll darauf antworten, ob ich mit dem menschlichen Gott in Beziehung treten will – nicht oberflächlich oder auf einen unverbindlichen Kontakt angelegt, sondern dauerhaft.

„Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.“
(Joh 1,12-13)

Gott schenkt Macht – Gott gibt von seiner Macht ab.
Wir Menschen definieren Macht als Fähigkeit oder Möglichkeit etwas zu tun. Viele beziehen das auf den zwischenmenschlichen Bereich: ich will Macht ausüben; ich will jemanden beherrschen. Wenn Menschen so in Be-ziehungen oder auf die Suche nach einem Partner gehen, dann klappt es nicht – denn mit Liebe hat eine derartige Beziehung, Partnerschaft und Ehe nichts zu tun. Wer den menschgewordenen Gott aufnimmt, erhält eine Macht – nicht die Liebe zur Macht, sondern die Macht der Liebe.
Diese Macht der Liebe setzt nicht ihren Willen durch – schon gar nicht mit Gewalt oder Drohung. Es geht nicht darum, andere dem eigenen Willen und Wollen zu unterwerfen, sondern frei zu werden und zu sein – aus Liebe. Aus freien Stücken und ohne Hintergedanken Ja zueinander sagen und auch Ja zu Gott, das ist es. Sie kommen hoffentlich nicht zum Gottesdienst, weil sie müssen, oder weil Sie glauben, mir damit einen Gefallen zu tun. Nein, hoffentlich kommen Sie zum Gottesdienst in aller Freiheit und aus Liebe zu Gott – eine Liebesbeziehung, die gepflegt und gelebt werden will.
Gott lädt uns dazu ein, wieder neu zu entdecken, dass wir in der Taufe „aus Gott geboren“ sind. Das hat Konsequenzen: Wir dürfen und sollen als Kin-der Gottes leben. Wir können an Gott und an die in Jesus Christus mensch-gewordene Liebe Gottes glauben. Genau das meint „Gottwerden“: Hinein-genommensein in diese Liebe Gottes, die mir in Fleisch und Blut übergehen und in mir Mensch werden will, damit ich menschlicher und mitmenschli-cher werde durch Gottes Liebe. Mach’s wie Gott: Werde Mensch. AMEN.

WEIHNACHTLICHE KRIPPENFEIER AM HEILIGABEND 2021

Nach dem feierlichen Einzug in die prächtig geschmückte Kirche hieß Pfarrer Dieter Jung die Gemeinde herzlich willkommen. Er erinnerte daran, dass heute der Geburtstag von Jesus sei und wir Grund zur Freude hätten. Während des darauffolgenden „Krippenspiels“ betrachteten die Gläubigen verschiedene Zeichen der Hoffnung und Erwartung, die ihnen im Advent begegnen und mit denen die Krippe geschmückt wurde. So beschrieb die Sprecherin Marina Schubert Naturbilder wie zum Beispiel die absterbende Pflanzenwelt, die winterliche Kälte, die Dunkelheit in diesen Tagen. Am Altar symbolisierten Ministrantinnen diese Aussagen mit entsprechenden Materialien. Grüne Tannenzweige seien ein Zeichen für die Sehnsucht nach Leben und Lebendigkeit und ein Hoffnungszeichen dafür, dass im Frühling alles Leben wieder zurückkehren werde. Strohhalme sind einerseits nutzloser Abfall, andererseits auch weiches, wärmendes Unterlage: Es diene vielen Tieren als warmes „Bett“. Das Stroh polsterte auch die harte Krippe für das Jesuskind aus und schützte es vor der Kälte der Nacht. In der Dunkelheit verlieren viele Menschen die Orientierung. Sie wissen keinen Ausweg mehr und fragen sich, wie es weitergehen sollte. Die Ministrantinnen verweisen auf die zahllosen Sterne am Himmel, die die Nacht erhellen. Pfarrer Jung resümierte: „In einer dunklen Nacht erscheint am Himmel ein ganz besonderer Stern. Der Leuchtstern geht strahlend auf über unserer dunklen Welt. Der Stern zeigt uns den Weg. Er ist ein Zeichen, ein Wegweiser. Er leuchtet uns. Er führt uns zur Krippe“. Zwischen den einzelnen Bildern drückte die Gemeinde durch einen Liedruf (Kehrvers, GL 223) ihre Freude über das nahe Weihnachtsgeschehen aus. Auch das Evangelium nach Lukas (Lk 2,1-14) handelte von dieser großen Freude, wenn der Engel zu den Hirten spricht: „Fürchtet euch nicht, denn siehe, ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteilwerden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Christus, der Herr“. In der Kurz-Predigt gab Pfarrer Jung zu bedenken, dass Jesus nicht in einem prunkvollen Kaiserpalast geboren wurde, sondern armselig in einem Stall, weil in der Herberge kein Platz für seine Familie war. Wir heutigen Menschen würden uns viel mit Geschenken und gutem Essen beschäftigen. „Haben wir noch Platz und Zeit für das Wesentliche? Oder haben wir es übersehen oder gar vergessen, das Wesentliche?“, fragte Pfarrer Jung. Vielerorts werde Weihnachten inhaltsleer gefeiert und die Geburt Jesu vergessen. Vielerorts ist „die Krippe ist leer. Gott wurde Mensch, er ist einer von uns geworden, lassen wir ihn bei uns ankommen“. In die noch leere Krippe am Altar legte Ministrant Clemens Reiche demonstrativ das Jesuskind. Als am Schluss der Eucharistiefeier das Lied „Stille Nacht, heilige Nacht“ erklang, spürten die Gläubigen diese große Freude über das Wesentliche von Weihnachten und konnten Segen und Freude, Trost und Hoffnung mit nach Hause nehmen.

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PREDIGT 3. ADVENT (C)

Zef 3,14-17 + Phil 4,4-7 + Lk 3,10-18

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder und Jugendliche!
„Juble, Tochter Zion! Jauchze Israel! Freu dich und frohlocke von gan-zem Herzen, Tochter Jerusalem!“ (Zef 3,14) Paulus setzt in seinem Brief an die Gemeinde von Philippi noch einen drauf: „Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch!“ (Phil 4,4)
Los jetzt: Freu dich, jetzt und jederzeit! Freu dich immerzu!
Kann man Freude, Fröhlichkeit und Frohsinn verordnen? Im Fasching und im Karneval wird das versucht – für ein paar frohe Stunden. Aber kann ich mich auf Kommando freuen und ist dauerhaftes Sich-Freuen möglich? Geht das nicht an der Realität vorbei, die eben nicht „Friede, Freude, Eierkuchen“ ist, sondern auch Angst und Klage, Sorge und Trauer und noch viele andere Lebensfarben hat?
Es geht Paulus nicht um einen oberflächlichen Spaß – das wird schnell klar, wenn man die Situation erfasst, in der er seinen Aufruf zur Freude schreibt: Paulus ist in Gefangenschaft – wahrlich kein Grund zur Freude. Trotz dieser äußerlich misslichen Lage, ist Paulus froh, denn er weiß sich von Jesus Christus getragen und geborgen: Jesus Christus steht ihm bei. Jesus Christus, ist sein Lichtblick. Jesus Christus schenkt innere Freiheit und Freude trotz Gefängnis und Not: „Jesus bleibet meine Freude“, könnte Paulus mit den Worten eines bekannten Bach-Chorals sagen.
Auch wenn es Paulus (wie auch wir) sicherlich nicht zu jeder Zeit schafft, fröhlich zu sein, gelingt es ihm doch immer wieder, Freude und Hoffnung zurückzuerlangen. Der Grund der Freude und der Hoffnung sieht Paulus in Gott. Ein derart hoffnungsfrohes Leben hat Konsequenzen – nicht nur für Paulus: „Eure Güte werde allen Menschen bekannt“ (Phil 4,5). Freude, die von innen kommt, tritt anderen Menschen offen und gütig entgegen – menschenfreundlich wie Gott. Gott ist dem Menschen gegenüber gut gesinnt: Vergebung und Barmherzigkeit, Fürsorge und Liebe prägen sein Wesen. Gott ist dort nahe, wo Menschen sich ihm anvertrauen und ihm froh und hoffnungsvoll vertrauen. Diese Gottesnähe fordert nicht, sondern ermöglicht, Gutes zu tun. Wir Christen sollen den Menschen also nicht unsere Güte zeigen, damit Gott nahekommt, sondern weil Gott nahe ist.
Durch diese erlebte und erbetene Nähe Gottes können Sorgen kleiner werden und Bedrängnisse leichter zu ertragen sein, ohne diese komplett auszublenden. Das Gebet ist Gottesbegegnung. Darum soll der Betende mit Dank beten, nicht in Angst oder Zweifel (vgl. Phil 4,6). Durch das Gebet wird der Blick gewendet, weg von sich selbst auf Gott hin. So kann die Sorge weichen und Freude einkehren. Der 3. Advent will uns daran erinnern: Wer um Gottes Nähe weiß, weiß auch, dass er seine Sorgen und Nöte Gott übergeben und überlassen darf – hoffnungsfroh. Aus meinem Gebet kann neue Zuversicht und Gelassenheit, Zufriedenheit und innerer Friede erwachsen – Frieden, den Gott schenkt und den wir nicht machen können (vgl. Phil 4,7).
Wahrhaft ein Grund zur Freude – nicht nur am 3. Advent. AMEN.