PREDIGT 25. So. i. JK (A)

Jes 55,6-9 + Mt 20,1-16a

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder und Jugendliche!
„Berufswahl – leicht gemacht“. Diese Beilage fand ich am Samstag in der Wochenendausgabe der Frankenpost. Auszubildende und Arbeiter drin-gend gesucht – noch für dieses Ausbildungsjahr, oder schon für 2021.
Gesucht hat auch der Gutbesitzer im heutigen Evangelium. Gott will Arbei-ter für seinen Weinberg und geht auf die Suche – immer wieder: früh am Morgen, um die dritte Stunde, um die sechste und neunte Stunde, ja sogar um die elfte Stunde – also kurz vor Tagesende. Gott ist immer auf der Su-che. Er sucht und ruft Menschen in der Frühe des Lebens, aber auch als Spätberufene. Doch heutzutage findet er nur selten Menschen, die bereit sind, im Weinberg des Herrn zu arbeiten – und das nicht nur für einen Tag. Zwei waren bereit: Heute/gestern war Diakonenweihe im Bamberger Dom – immerhin zwei. Wenn man auf die nächsten Jahre blickt, sieht es nicht besser aus: die zahlenmäßig starken Weihejahrgänge, die jetzt in den wohl-verdienten Ruhestand gehen, können die wenigen nicht ersetzten. Der Priestermangel ist längst bei uns angekommen; ebenso der Mangel an Or-densberufungen, an pastoralen Berufen und auch der Mangel an Gläubigen.
Ein Blick ins Matthäusevangelium zeigt, dass Jesus diese, unsere heuti-ge Situation des Mitarbeitermangels nicht fremd ist. Bei Matthäus ist im neunten Kapitel zu lesen: „Als [Jesus] die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen; denn sie waren müde und erschöpft wie Schafe, die keinen Hirten haben. Da sagte er zu seinen Jüngern: Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter“ (Mt 9,36-37).
Im heutigen Evangelium ist dagegen auf den zweiten Blick von einer Mitarbeiter-Fülle die Rede. Im Weinberg des Herrn gibt es viel zu tun, und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter reichen (zunächst) nicht aus. Immer wieder findet der Gutsbesitzer neue Arbeitskräfte, weil er sie an-spricht. Diese Menschen warten darauf: „Niemand hat uns angeworben“ (Mt 20,7), sagen sie – oder ins Heute übersetzt: niemand hat uns gewollt; niemand hat uns gefragt; niemand hat uns um unsere Mitarbeit gebeten.
Um Mitarbeit bitten – für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beten – bei-des gehört zusammen: Gebet für Menschen und Bitten um ihre Mitarbeit.
– Zum einen das Gebet: „Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden“ (Mt 9,38). Das Gebet um geistliche Berufe, um Ge-meinde- und Pastoralreferenten, um Ordens- und Priesterberufungen ist wichtig – ebenso das begleitende Gebet für alle, die sich haupt- und ehren-amtlich in unseren Pfarreien und Gemeinden engagieren. Danke dafür!
– Zum anderen die Bitte um Mitarbeit: Es ist wichtig, dass Sie und ich in Zukunft verstärkt Menschen ansprechen – nicht die, die schon viel ma-chen, sondern andere und neue. Wir wollen sie fragen, ob sie in der Pfarrei mit ihren vielfältigen Aufgaben mitarbeiten wollen, ob sie ihre
Begabungen und Talente einbringen wollen: als Ehrenamtliche für eine bestimmte Zeit in der Woche oder am Tag: vielleicht nur eine Stunde, wie die Arbeiter der letzten Stunde im Evangelium – vielleicht hört die eine oder der andere Gottes Ruf, einen pastoralen Beruf zu ergreifen.
Was habe ich davon, wenn ich zur Mitarbeit bereit bin? Die Arbeiter im Evangelium erhalten „einen Denar“ – aber was ist das schon? In der da-maligen Zeit sicherte „ein Denar“ das Überleben einer Familie für einen Tag. Wenn also der Gutsbesitzer jedem Arbeiter – egal ob dieser kurz oder lang da war – einen Denar zahlt, gibt er jedem das, was er zum Le-ben und Überleben braucht – ganz unabhängig von seiner Leistung.
Wenn Menschen also in unseren Pfarreien mitarbeiten als Erntehelfer im Weinberg des Herrn – jede und jeder so wie er kann – dann schenkt Gott allen den vollen Lohn, ganz egal wer wir sind und was wir tun. Lohn, der zum Leben reicht – bedingungsloses Grundeinkommen, so würde man das in heutiger Sprache nennen. „Ungerecht“ oder „was für Faule“, sagen manche – aber so ist es nicht gemeint. Es ist ein Auskommen für alle, die nicht mehr leisten können. Gott ist unser Grundauskommen – durch ihn haben wir alles, was wir zum Leben brauchen: Gott allein genügt, bringt es Theresa von Avila auf den Punkt. Er wendet unsere Not. Wir brauchen nicht zu murren, sondern dürfen uns freuen, dass Gott sich nach unseren menschlichen Maßstäben und zu unseren Gunsten verrechnet. Gott kann nicht rechnen, sagt die Heilige Therese von Lisieux. Gott rechnet anders – Gott sei Dank! Er rechnet mit jeder und jedem von uns! AMEN.

Liedlink: Vertraut den neuen Wegen (… aus dem Bamberger Dom …): https://www.youtube.com/watch?v=SCRTdbH1VOM

PREDIGT 24. So. i. JK (A)

Sir 27,30-28,7 + Mt 18,21-35

Liebe Schwestern und Brüder!
Eine radikale Botschaft: die Pflicht zur Vergebung. Viele Fragen schie-ßen mir durch den Kopf: Bin ich verpflichtet immer zu vergeben? Kann ich das überhaupt? Bin ich da nicht schnell der Dumme, ein Schwäch-ling, wenn ich immer und immer wieder nachgebe und verzeihe? Wann wäre bei mir das Maß voll? Wo würde ich Grenzen ziehen – Versöh-nungsbereitschaft muss doch Grenzen haben.
Petrus zieht diese Grenze in meinen Augen sehr großzügig: Herr, wie oft muss ich meinem Bruder/meiner Schwester vergeben, wenn er/sie sich ge-gen mich versündigt? Siebenmal? Siebenmal, dem Mitmenschen vergeben, der mir geschadet und Böses zugefügt hat, der mich mit seinem Verhalten terrorisiert – siebenmal vergeben, dann reicht’s aber – siebenmal, dass ist schwer genug, da muss das Himmelreich doch kommen. Petrus wollte mit seiner Antwort glänzen, vor Jesus und den anderen Jüngern gut dastehen – er wollte Vorbild in Sachen Vergebung, wenn man menschliche Maßstäbe anlegt. Doch Jesus misst mit einem anderen Maß: nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal! Das meint: damit der Himmel schon hier auf Erden anbricht, musst du immer bereit sein, zu vergeben: unendlich oft.
Das ist einfacher gesagt als getan: wie leicht geht es mir über die Lip-pen, wenn ich etwas falsch gemacht habe: „Der oder die muss mir doch vergeben.“ Wenn ich aber selbst in der Rolle dessen bin, der vergeben soll, kommen Worte der Vergebung und Versöhnung nur schwer über meine Lippen – oft packe ich noch eins drauf, heize den Streit oder die Auseinandersetzung mit spitzen und verletzenden Bemerkungen an: Kleinkrieg mit Worten und Blicken, die töten könnten.
Im heutigen Evangelium finde ich mich in der Rolle des Dieners. Er er-fährt vom König gerne Vergebung und Erlass seiner großen Schulden. Aber selbst tut er sich mit dem Vergeben und Schuldenerlass schwer. Der König – ich ahne, dass Gott damit gemeint ist – erlässt dem Diener zehntausend Talente – umgerechnet wären das heute etwa 20 Millionen Euro, eine Summe, die er wohl kaum zurückzahlen könnte. Wie gering sind dagegen die 100 Denare, die ein anderer Diener ihm schuldet, und die er seinem Mitmenschen nicht erlässt. Unsummen und Kleingeld. Auch ich messe häufig mit zweierlei Maß: Großzügigkeit für mich, für meine Schulden und für mein Verschulden – Engstirnigkeit gegenüber anderen und ihr Verschulden. Wie schnell sitze ich in der Schuldenfalle – einer Falle bei der es nicht ums Finanzielle geht, sondern um den Um-gang mit Schuld und um das rechte Maß der Vergebung.
Wir Menschen werden schuldig, wir sind Sünder – sie, sie, sie, du und auch ich. Und Schuld kann viele Gesichter haben, von kleinsten Unter-lassungen bis hin zu unvorstellbar grausamen Taten. Schuldig werden wir durch das, was ich mir zu Schulden kommen lasse und was wir ei-nander schuldig bleiben: Aufmerksamkeit und Respekt, Wahrheit und
nötiger Hilfe, Versöhnungsbereitschaft und Vergebung. Schuldig werde ich, wenn ich mit zweierlei Maß messe.
Damit mein Leben gelingt, muss ich mich auf ein Maß festlegen. Ich muss mich an diesem Maß messen lassen, auch wenn ich durch ein an-deres Verhalten Vorteile hätte – alles andere wäre vermessen und maß-los. Gott ist das Maß meines Lebens. Er ist König, der das Maß festlegt: Barmherzigkeit, Erbarmen, Geduld. Diesem Maß soll ich mich ver-pflichtet fühlen im verantwortungsvollen Umgang mit anderen: Es geht nicht um drohende Zeigefinger oder geballte Fäuste. Es geht nicht ums Richten und Verurteilen. Sondern es geht darum, den Mitmenschen die Hände zu reichen, sie aufzurichten, ihnen zu verzeihen. Vergib uns un-sere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern – beten wir im Vater unser. Wenn dies das Maß unseres Zusammenlebens ist, wenn beide Seiten das wollen und leben, dann leben wir maßvoll. Dann be-steht auch die Chance eines Neuanfangs: miteinander statt gegeneinan-der. Dann können wir die Vergangenheit getrost ruhen lassen, können versuchen, sie versöhnlich abzuschließen, statt miteinander abzurech-nen. Wir können auch wilde Zukunftsspekulationen sein lassen, die mehr Verwirrung stiften, Ängste schüren und vieles in eine falsche Richtung lenken. Wir können jetzt, gemeinsam und miteinander, die Gegenwart in Kirche und Welt gestalten: hier und jetzt. AMEN.

 

Liedimpulse:
– wie ein Fest nach langer Trauer: https://www.youtube.com/watch?v=f8MJ4spXs3w
– Sorry seems to be the hardest word: https://www.youtube.com/watch?v=5w142CaROC0

PREDIGT 22. So. i. JK (A)

Röm 12,1-2 + Mt 16,21-27

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder, liebe Jugendliche!

Ein Strich – ein Zeichen dafür Abstand zu halten: in viele Geschäften sind solche Striche auf den Boden geklebt, auch im Eingangsbereich un-serer Kirchen: Stopp! Bitte halten Sie Abstand! Ein Strich der einlädt, anzuhalten, innezuhalten – ein Zeichen der Unterbrechung des Weges – mit Abstand blicke ich auf die vergangene Woche und ziehe Bilanz:
Was hat meine Woche geprägt?
Was war gelungen? Was hat nicht geklappt?
Welche Situationen, welche Momente, welche Personen waren wichtig?
Im heutigen Evangelium zieht Jesus einen Strich unter sein bisheriges Leben. Er zieht Bilanz – Lebensbilanz: Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben einbüßt?
Um welchen Preis kann ein Mensch sein Leben zurückkaufen?
Jesus hält inne und schaut zurück auf das, was war – und er schaut voraus auf das, was kommt. Ein Innehalten und eine Vergewisserung, eher sich mit den Jüngern auf den Weg nach Jerusalem macht. Er erklärt ihnen: Er muss nach Jerusalem gehen. Dieser Weg wird kein leichter sein. Er weiß, was ihn in Jerusalem erwartet: Verrat, Leiden, Tod. Jesus hätte sich für einen anderen Weg entscheiden können, hätte Leid und Kreuz aus dem Weg gehen können, aber er will diesen Kreuzweg gehen. Petrus macht Je-sus daher Vorwürfe; er hat Angst, Jesus zu verlieren: Kreuz und Tod – das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht mit dir geschehen!
Das ist zwar menschlich gut gemeint, aber – wie so oft – das Gegenteil von gut. Petrus, der Fels, stellt sich Jesus verbal in den Weg und wird somit zum Stolperstein, der Jesus zum Straucheln und zu Fall bringen könnte. Petrus verwirft den Kreuzweg Jesu und wirft den Lebensplan Jesu durcheinander. Petrus ist der „Diabolos“, das heißt übersetzt der „Durcheinanderwerfer“, der verführerische Satan, der Gottes Plan im Weg steht. Daher reagiert Jesus mit harscher Zurechtweisung auf Petrus: Tritt hinter mich, du Satan! Ein Ärgernis bist du mir, denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.
Jesus will diesen Kreuzweg gehen und lässt sich auch von Petrus nicht davon abbringen: Wer sein Leben retten will, wird es verlieren. Im Evangelium vom letzten Sonntag hat er Petrus die Schlüssel des Him-melreiches übergeben; Jesus selbst wählt das Kreuz. Für viele – auch für Petrus – Symbol eines gescheiterten Lebensplans. Doch für Jesus ist das Kreuz der Schlüssel zum Leben: durch das Kreuz hindurch zum Leben – der Verlust des irdischen, aber der Gewinn des ewigen Lebens.
Gewinn- und Verlustrechnung: Am Ende einer festgelegten Zeit, meist am Ende des Jahres, wird innegehalten und Bilanz gezogen. Unter dem Strich sieht man dann sofort, wo man steht. Wenn Ereignisse und Zahlen
nicht schöngeredet oder manipuliert werden, zeigt sich, ob man gewinn-bringend gehandelt hat oder ob weitere Verbindlichkeiten ausstehen.
Auch im Privatleben kann jede und jeder von uns Bilanzziehen: Ich hal-te inne und frage mich, wie es läuft, was ich Positives erreicht und auf der Haben-Seite verbucht habe, aber auch wo Defizite entstanden sind. Ehrlich Bilanzziehen ohne zu schummeln bedeutet, mit Abstand und mit kritischen Augen mein Leben unter die Lupe zu nehmen. Das heutige Evangelium lädt mich ein, vor Gott offen und ehrlich Bilanz zu ziehen – es ist eine Einladung mit den Augen Gottes auf mein menschliches Le-ben zu blicken. Auf das, was in meinen Augen scheinbar gut ist und vor allem, was seinen Augen wirklich gut und der richtige Weg für mich ist. Dieser Weg wird nicht immer leicht sein. Aber wenn ich mich auf Got-tes Spuren – auch auf die Kreuzwege – in meinem Leben einlasse, wenn ich den Überblick mein Leben wage, kann mein Leben auch glücken.
Wer mir nachfolgen will, der […] nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es finden. Mein Weg mit Gott ist kein Weg ohne Kreuz und Leid. Aber nur wenn ich mit Gottes Hilfe diese Kreuzwege in meinem Leben annehme – und keine Auswege und Ausflüchte suche – nur wenn ich das mir zugedachte Kreuz auf mich nehme, die Last schultere, mein Kreuz trage – ohne es auf andere abzu-wälzen – dann wird mein Leben gelingen, dann führt mein Lebensweg durch die Kreuze dieser Zeit hindurch zum Leben. AMEN.

KUNTERBUNTE SOMMER-KINDER-KIRCHEN-TÜTE

Unsere bunten Sommertüten sind gepackt und verteilt.
Für Nachzügler haben wir noch ein paar Tüten im Pfarrbüro abholbereit.

Gerne können Sie, die Impulse auch downloaden.

00_Segensfeier für Familien
01_Woche 1 Freunde
02_Woche 2 Familie
03_Woche 3 Mariä Himmelfahrt
04_Woche 4_Spiegelstation
05_Woche 5 Gebetsfisch
06_Woche 6_Abschluss-Impuls

Ihr findet hier ein Familiengebet mit einem Sommersegen für die ganze Familie. Und für jede der sechs Wochen der Sommerferien eine Idee, die ihr zusammen umsetzen könnt.

Wir wünschen Euch einen Sommer voller gemeinsamer Erlebnisse und alles Gute.

Vielleicht macht ihr ja Bilder von euren Aktionen gemacht und wollt sie uns für die Öffentlichkeitsarbeit zur Verfügung stellen?
Wir werden diese sammeln und auf unseren Internetseiten, Facebook und Instagram davon berichten.
Bitte per Mail an: michaela [dot] meusel [at] erzbistum-bamberg [dot] de;
oder als Direktnachricht
Facebook:   @ssbhofer             https://www.facebook.com/ssbhofer/
Instagram: @ssbhoferland      https://www.instagram.com/ssbhoferland/

Wir hoffen, dass wir uns im Herbst nun bald wieder einmal persönlich sehen können J

Bis dahin wünschen wir euch alles Gute und Gottes Segen!

Eure
Gemeindereferentinnen
Barbara Riedel und Michaela Meusel

Erstkommunion in Schwarzenbach a.d.S.

Bei strahlendem Sonnenschein feierten am Samstag, den 1. August, Adrian Gorzel, Paula Nittke, Maria Fatone, Paula Widera, Lilly Hastreiter und Millie Siepert, zusammen mit Pfarrer Dieter G. Jung und ihren Familien und Gästen Erstkommunion.

Foto: Karsten Rank

In den Tagen zuvor wurden sie von Astrid Schubert, Dieter G. Jung und Jugendlichen aus der Pfarrei auf einem „Erstkommunion-Camp“ auf dieses Sakrament und die besondere Begegnung mit Jesus Christus vorbereitet.

PREDIGT 18. So. i. JK (A)

Jes 55,1-3 + Mt 14,13-21

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder, liebe Jugendliche!
Brotvermehrung – eine „frohe Botschaft“, die keine ist angesichts der er-schütternden Bilder, die uns tagtäglich über die Medien erreichen: ausge-mergelte Kinder, die uns mit großen, traurigen und hungrigen Augen an-blicken – Menschen, die in der Hoffnung auf besseres Leben oder vor Un-ruhen und Verfolgung fliehen, Christen im Irak, Geflüchtete auf dem Mit-telmeer – Menschen ohne Dach über dem Kopf – Menschen nur mit dem Nötigsten am Leib – Menschen, gezeichnet von Hunger und Krankheit.
Mitten hinein in unser Wochenende mit Sonntagsbraten und gutem Es-sen, mitten hinein in den Hunger und das Elend in den Krisengebieten der Erde ist das Evangelium von der Brotvermehrung gesprochen: eine Zumutung. Eine Zumutung, mit der ich mich oft nicht beschäftigen will; eine Zumutung, die ich nicht an mich heranlassen will – abschalten oder weiterzappen im Programm, hin zu sanfter Unterhaltung. Wenn Sie ein solches Unterhaltungsprogramm hören wollen, dann können Sie jetzt kurz abschalten, dann können Sie für einige Minuten auf Sendepause gehen.
Sie, die Sie dranbleiben, die nicht wegschauen oder weghören, stellen sich vielleicht die Frage: Warum greift Gott nicht ein? Warum handelt er nicht – er könnte doch die hungernden Menschen mühelos retten?
Im Evangelium geht Jesus an einen einsamen Ort: nach dem gewaltsa-men Tod von Johannes sucht Ruhe – heute würde man sagen: er nimmt sich eine Auszeit vom Alltag und will neue Kraft schöpfen. Trotzdem lassen ihn die Sorgen und Nöte der Menschen nicht los, sie verfolgen ihn: Menschen mit Krankheit und Hunger. Jesus schaltet nicht ab, er lässt sich vom Schicksal der Menschen treffen und heilt ihre Not – bis es Abend wird. Da kommen die Jünger zu ihm und sagen: Der Ort ist ab-gelegen, und es ist schon spät geworden. Schick die Menschen weg, da-mit sie in die Dörfer gehen und sich etwas zu essen kaufen können (Mt 14,15). Schick doch die Menschen weg, überlasse sie doch ihrem Schick-sal: Überlasse sie doch der Suche nach einer Bleibe für die Nacht, der Suche nach Nahrung, die ihren leiblichen und seelischen Hunger stillt. Schick sie doch weg, dann hast du endlich deine Ruhe – und wir auch.
Jesus handelt anders: Er zaubert aber nicht einfach Essen herbei und alles wird gut. Jesus weist die Jünger und auch uns zurecht, uns, die wir so oft von notleidenden Menschen unsere Ruhe haben wollen: Sie brauchen nicht wegzugehen. Gebt ihr ihnen zu essen! (Mt 14,16). Gebt ihr ihnen … Fünf Brote und zwei Fische, wahrlich nicht viel für fünftausend Männer, dazu noch Frauen und Kinder. Ob fünf Brote und zwei Fische für Hun-derttausende an Flüchtlingen und Hungernden heute reichen würden?
Es wäre sicher zu wenig. Es würde hinten und vorne nicht reichen – schon gar nicht für alle. Fünf Brote und zwei Fische würden nur wenige
Menschen wenige Tage ernähren – übrig bliebe nichts: kein Krümel Brot, nicht mehr als am Anfang da war und schon gar keine zwölf Körbe voll.
Warum greift Gott nicht ein? Warum handelt er nicht – er könnte doch die hungernden Menschen mühelos retten?
Ja, er kann es – aber er will es nicht allein machen: Er will, dass wir als Jüngerinnen und Jünger mithelfen, dass wir das unsere dazutun, damit Not gewendet wird. Jesus ruft uns zu: Gebt ihr ihnen zu essen. Wenn jede und jeder von uns das seine dazulegt, sich nicht nur auf Gott und die anderen verlässt – es wird schon keiner merken, dass ich nichts gegeben habe… – dann kann das Wunder geschehen, den Hunger in der Welt zu besiegen. Es wird spürbar sein, auch wenn wir nur sehr wenig geben: nur fünf Brote und zwei Fische. Wir Menschen dieser Erde besitzen eigentlich genug, damit kein Mensch hungern muss: wenn wir die Güter dieser Erde gerecht vertei-len und wenn wir lernen zu teilen, statt nur zu besitzen und übersatt zu sein.
Gott greift ein in den Lauf der Welt: nicht so zauberhaft wie wir uns das manchmal wünschen – aber Gott wird das seinige dazu tun – durch uns. So heißt es in einem neuen Kirchenlied: Du hast keine Hände, Herr, nimm die meinen, nimm die meinen. Bewege sie und führe sie. Lass sie tragen und halten. Lass sie geben und teilen, als wären es die deinen. Gebt ihr ihnen zu essen – und Gott wird das seinige dazu tun, das, was unsere geringen Möglichkeiten von fünf Broten und zwei Fischen über-steigt. AMEN.

Liedlinks für das zurückliegende Arbeitsjahr und den anstehenden Urlaub:
– Meine Zeit steht in Deinen Händen: https://www.youtube.com/watch?v=E49-Mox84S8
– Meine Seele ist stille in Dir: https://www.youtube.com/watch?v=WNiNDjxFrFY
– Gott sei mit Dir auf Deinem Weg : https://www.youtube.com/watch?v=4QlSk_5I9uk

PREDIGT 17. So. i. JK (A)

1 Kön 3,5.7-12 + Mt 13,44-52 (LF)

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder, liebe Jugendliche!1
Ein Blick auf die vergangenen Wochen: Viele haben die Zeit genutzt, um ihren Keller oder Dachboden zu entrümpeln. Vieles wurde mit schnellem Blick aussortiert und entsorgt – „so ein Gelump – längst ver-altet“; manches per ebay verkauft; manches mit wohlwollendem Blick wieder zurückgestellt – „brauch ich noch“; manches wiederentdeckt und benutzt, die verstaubte Gitarre zum Beispiel; manches mit neuen Augen gesehen und sogar wieder in die Wohnung gestellt… Und vielleicht gab es auch so manchen skeptischen Blick: „Was das wohl wert ist?“
Darauf gibt es in der beliebten Sendung „Kunst & Krempel“ eine Ant-wort. Auf den Blick der Experten kommt es an, auf den Kennerblick, auf ihre Expertise, ob ein Gegenstand Plunder oder ein Schatz ist.
Ein ganz anderer Blick – nicht durch die rosarote Brille, sondern wiede-rum ein „Kennerblick“, der seine Expertise sogar singen kann: „Ich habe einen Schatz gefunden, und der trägt deinen Namen, so wunderschön und wertvoll und mit keinem Geld der Welt zu bezahlen. […] Du bist das Beste was mir je passiert ist, es tut so gut, wie du mich liebst. Ich sag’s dir viel zu selten, es ist schön, dass es dich gibt.“ Die Band Silbermond hat dieses Lied vor einigen Jahren gesungen – ein Liebeslied, das dem „Schatz“, dem
1 Die nachfolgende Predigt entstand am 25. Juli 2020 auf Basis der Textauslegung zum Sonntagsevangelium des Katholischen Bibelwerkes (Link: www.de/fileadmin/sonntagslesung/a_jahreskreis.17_e_mt.13.pdf).
geliebten Menschen, gewidmet ist, der eben mehr ist als die „Perle“, die kostenlos den Haushalt macht, mehr als ein geköderter Liebhaber, der wie ein Fisch ins Netz gegangen, begutachtet, ausgenommen und dann weg-geworfen wird – nein, es geht um Liebe, die sich schenkt, um Liebe die ei-nander wertschätzt, um Liebe, die ein Stück vom Himmel auf Erden ist.
Das Gleichnis vom „Schatz im Acker“ und von der „wertvollen Perle“ las-sen diese Expertise zu, wenn ich „Schatz“ und „Perle“ im übertragenen Sinn als „wertvolle Person“ verstehen will. Vielfach wurden und werden dieses Gleichnisse auf Jesus Christus gedeutet: ER ist der verborgene Schatz und die kostbare Perle, die sehnsuchtsvoll gesucht und gefunden werden wollen. ER, Jesus Christus ist „das Beste“, was mir passieren kann; viele Christuslieder thematisieren diesen Gedanken: „Mein schönste Zier und Kleinod bist auf Erden du, Herr Jesu Christ“ (GOTTESLOB 361 / Str. 1) oder „Du meine Perl, du werte Kron, wahr‘ Gottes und Marien Sohn, ein König hochgeboren“ und auch vom „leuchtend[en] Kleinod“ und vom „edle[n] Stein“ ist Rede (GOTTESLOB 357 / Str. 2+3) – für IHN, Jesus Christus, soll ich al-les aufgeben, um IHN zu besitzen. Ich brauche dafür den Kennerblick, ein weises Herz, um unterscheiden, entscheiden und IHN erkennen zu können.
Wer ist denn nun der „verborgene Schatz“ und die „kostbare Perle“ im Evangelium, das Jesus uns heute ans Herz legt? Die materiellen Dinge? Der geliebte Mensch? Jesus Christus selbst? Sie haben ja alle das Evan-gelium gehört. Wie würden Sie mit Ihrem Kennerblick entscheiden?
Ich muss Sie enttäuschen: Keine Antworte ist (ganz) richtig; auch ich habe mich täuschen lassen – auf den ersten Blick. Der Blick ins Evangelium hat mich erkennen lassen, wer oder besser was der „verborgene Schatz“ und die „kostbare Perle“ ist – hören Sie genau zu: „Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war. […] Auch ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Kaufmann, der schöne Perlen suchte. […] Wiederum ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Netz [voller Fi-sche]“ (Mt 13,44.45.47). Das Himmelreich ist also das Wertvolle. Beim Evangelisten Matthäus meint Himmelreich nicht den Himmel am Ende der Zeit, sondern das Wirken Gottes im Hier und Jetzt. Ich erinnere mich an die anderen Gleichnisse, die Matthäus für das „Himmelreich mitten unter uns“ gebraucht: Senfkorn, Sauerteig und die Sämann-Gleichnisse der vergange-nen Sonntage. Dieses Himmelreich, dieses Wirken Gottes in meinem Le-ben, kann ich mir nicht erwerben oder verdienen – es wird mir geschenkt. Aber mein Handeln und Verhalten ist nicht belanglos: Es liegt an mir, ob das Himmelreich in mir anbricht, ob und wie es wachsen kann, ob ich „wertvoller Schatz“ oder umgebende Erde bin. Gott ist der Experte; er hat den Kennerblick und entscheidet darüber, ob ich eine besondere „Perle“, ein stinkender, mittelmäßiger oder „guter Fisch“ bin. Gott sucht mich und er sucht das Gute und Wertvolle in mir. Für mich gibt er alles, sogar sein Leben – „das ist das Beste, das mir je passiert ist, es tut so gut, wie Gott mich liebt. Ich sag’s ihm viel zu selten, es ist schön, dass es ihn gibt.“

Und noch die Lieder zum Vertiefen:
– Ich habe einen Schatz gefunden: https://www.youtube.com/watch?v=LyYAQHDMqfA
– Wie schön leuchtet der Morgenstern: https://www.youtube.com/watch?v=gBfHemeJTfg
– Mein schönste Zier: https://www.youtube.com/watch?v=YVjz82uhSBs

PREDIGT 16. So. i. JK (A)

Weish 12,13.16-19 + Mt 13,24-30 (KF)

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder, liebe Jugendliche!
Gestern habe ich auf einem Acker bei Schwingen einen Landwirt gese-hen – er stand mitten in seinem Getreidefeld und hat die Ähren geprüft. Ist nach der Aussaat und der langen Zeit des Wartens und Wachsenlas-sens die erwünschte Frucht da? Oder gibt es nicht viel zu ernten?
Obwohl bald Erntezeit ist, geht der Blick zurück auf die Anfänge – ge-nau wie im Evangelium. Vom Sämann dort kann ich einiges für mein Leben lernen: Als Mensch bestelle ich den Acker meines Lebens, mein Lebensumfeld. Ich kann dabei nur mit dem Saatgut säen, das ich habe – ich kann es bei mir selbst aussäen oder auch auf fremden Äckern.
Doch wie ist es um mich bestellt?
Wie gehe ich mit mir und meinen Anlagen und Begabungen um?
Säe ich in Wort und Tat eine gute Saat aus?
Wie reagiere ich auf Gegebenheiten und Eingriffe meiner Mitmenschen?
Es ist schon manchmal sehr verwunderlich, was da so alles in meinem Leben aufgeht, was da so wächst, obwohl ich es gar nicht ausgesät habe: Misserfolg, Streit, Unverständnis, Neid, Zerwürfnisse und Falschheit.
In mein Leben sät Jesus sein Wort, das Sämann-Gleichnis vom Unkraut und dem Weizen. Er will mir zeigen, wie mein Leben gelingen kann, wie mitten unter uns das Reich Gottes anbricht und was ich dafür tun kann:
Ein Sämann sät guten Samen aus. Nach vollbrachter Aussaat legt er sich zufrieden schlafen. Doch das, was er an Gutem ausgesät hat und die zu erwartende gute Ernte, bereitet einem andern eine schlaflose Nacht. Er kann nicht eher schlafen, bis er seine schlechte Saat aufs bereits gut be-stellte Feld ausgestreut hat. Zunächst ist nichts zu sehen, die Saat geht auf und wächst munter vor sich hin, die Gute und die Schlechte, denn beide sehen sich zum Verwechseln ähnlich: erst als „sich die Ähren bil-deten, kam auch das Unkraut zum Vorschein“ (Mt 13,26). Erst jetzt, kurz vor der Ernte wird die schlechte Saat des Feindes sichtbar.
„Hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher kommt dann das Unkraut?“ (Mt 13,27) Da hilft alle Aufregung der Knechte nichts: Da ist nichts mehr zu machen, das weiß der gute Sämann. Er lässt sich nicht von der Unruhe und Erregtheit der Knechte anstecken. Trotz der misslichen Lage, trotz der schlechten Saat in seinem Acker bewahrt er Ruhe und Gelassenheit. Er scheint den Übeltäter zu kennen, ja sogar mit dessen schlechter Aussaat gerechnet zu haben. Der gute Sämann legt keinen falschen Aktivismus an den Tag, wie es sich sein Feind wohl gewünscht hätte: Er lässt das Unkraut einfach weiter wach-sen. Er gibt sich keiner falschen Sorge oder Angst hin, sondern sieht die Gefahr, beim Herausreißen des Unkrautes auch die guten Pflanzen nie-derzutrampeln oder herauszureißen. Der gute Sämann behält den Über-blick über das Ganze und zeigt seine Überlegenheit. Er greift bewusst
nicht ein, denn er sieht die gute Ernte in Gefahr. Er weiß genau: der gute Same wird gute Frucht bringen, auch wenn die Pflanzen mitten im Un-kraut aufwachsen. Der verantwortungsvolle Sämann lässt beides wach-sen. Er ist und bleibt Herr der Lage und lässt auch keine x-beliebigen Menschen darüber entscheiden, was wann gut oder schlecht ist. Er selbst entscheidet über den Zeitpunkt der Ernte. Er selbst richtet über Gutes und Böses – keiner sonst. Er selbst beauftragt die Erntehelfer.
Wie sieht denn das aus: ein anscheinend ungepflegter Garten, wo alles wild und kunterbunt durcheinander wächst. Ich kenne das nur zu gut: Unkraut jäten, damit sich die Nachbarn nur nicht das Maul über mich, meinen Garten und mein Lebensumfeld zerreißen. „Wehret den Anfän-gen. Alles muss raus!“, sagt meine Mutter oft, wenn sie im Garten mit ihren Gerätschaften anrückt. Leider erwischt sie dabei nicht nur Un-kraut, sondern oft auch kleine Blumenpflänzchen, deren Same ich aus-gesät habe… Ob ich im Leben anderer auch soviel zerstöre?
Ich kann vom Sämann nur lernen: Ich kann Gelassenheit lernen und Dinge wachsen lassen – Gelassenheit, statt blindem Aktionismus, der auch Gutes mit ausreißen würde. Ich kann daraus auch lernen, Grenzen zu ziehen: nicht andere über mein Feld, meine Aussaat, über gute und schlechte Pflanzen und über die Erntebedingungen bestimmen zu lassen. Als Sämann oder Gärtnerin entscheide ich selbst, was auf meinem Le-bensacker wachsen darf und wie mein Lebensumfeld bestellt ist. Und wenn jemand doch Unkraut in mein Leben gesät hat, kann ich es wach-sen lassen und mich vielleicht sogar an dessen schönen Blüten erfreuen. AMEN.

Hier noch ein Segens-Lied-Link: https://www.youtube.com/watch?v=4QlSk_5I9uk&list=RD4QlSk_5I9uk&start_radio=1&t=0

Wochenimpuls

Liebe Freunde und Bekannte,

als Wochenimpuls heute keine nachdenkenswerten Gedanken von mir, sondern von meinem Doktorvater.
Es – wie ich finde – sehr lesenswerter und bedenkenswerter Artikel, den ich Euch gerne mitteile und gerne mit Euch teile.
Hier der Link dazu: https://www.katholisch.de/artikel/26091-mit-theologie-gegen-verschwoerungstheorien-in-der-corona-krise

Und noch zwei Lieder zu dieser Thematik:
– Gott, gab uns Atem: https://www.youtube.com/watch?v=DEDd1KYHu3Q
– Bewahre uns Gott: https://www.youtube.com/watch?v=b9aO72h2rQY

Ihnen/Euch ein schönes Wochenende und eine gesegnete Wochenwende!
Dieter G. Jung

PREDIGT 14. So. i. JK (A)

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder, liebe Jugendliche!

Landwirte und Ackerbau präg(t)en unsere Dörfer, kleinen Städte und unsere Kultur. Landwirte sorgen durch die Aussaat für das tägliche Brot. Durch das „ausgesäte“ Engagement der Bewohner in Vereinen und Gruppen wird das Zusammenleben fruchtbar. In unserer Gemeinde und in unseren drei Gemeinden lebt und wächst das Zusammenleben – zusammenwachsen und zusammen wachsen. Ziel aller Mühe ist es, dass etwas Gutes wächst – dann ist Leben im Dorf bzw. in unserer/unseren Gemeinde(n).

Jesus kommt vom Dorf, aus Nazareth. Er kennt sich in der Landwirtschaft aus und weiß, dass dies auch die Lebenswelt der Jüngerinnen und Jünger ist. Gleichnisse aus Landwirtschaft verdeutlichen seine Botschaft – so auch das Sämann-Gleichnis. Ein Sämann geht aufs Feld und streut Samen aus. Er lebt aus der Hoffnung, dass da etwas Neues wachsen und Frucht bringen kann. Wohlgemerkt: Neues wachsen kann, aber nicht zwingend muss. Und obwohl dreiviertel des Saatgutes nicht bis zur Ernte heranreifen, wagt er die Aussaat. Obwohl Misserfolg zu 75 Prozent vorprogrammiert ist und ein Großteil der Anstrengungen vergeblich ist – streut der Sämann den Samen aus, in der Hoffnung, dass etwas Gutes herauskommt.
Hätte der Sämann seine Arbeit nicht besser machen können?
Hätte er nicht genauer zielen können oder die Dornen roden müssen?
Hätte er nicht eine Bodenprobe nehmen können, um zu sehen wie verkrustet und hart die Erdoberfläche ist oder in welcher Tiefe Fels ansteht?
Hätte der Sämann, hätte Gott, seine Arbeit nicht besser machen können?

Erfolg ist keiner der Namen Gottes– schrieb Papst Benedikt – und Gottes Wort gilt allen Menschen. Alle Menschen sind zum Hören des Wortes Gottes eingeladen – und dann kommt es eben auf den Menschen an; Gott hat sein Mögliches getan: Er hat uns sich und seine Botschaft geschenkt. Er hat sein Wort in unseren menschlichen Ackergrund, in unser Herz, gesät. Jetzt liegt es an uns, was aus Gottes Wort wird.
Zum einen Ohr rein, zum anderen Ohr raus. Zwischen den Ohren alles auf Durchzug, den Verstand vollkommen ausgeschaltet: Gottes Wort hat gar keine Chance sich bei uns und in unserem Leben zu verwurzeln.
Worauf sollen wir hören?Wir machen viele Worte – ständig werden wir im Radio, Fernsehen und Internet berieselt – Dauerberieselt und Dauerumsorgt. Auch viele Freizeitangebote und selbst gemachte Sorgen ersticken Gottes Wort. Vielfach finden Treffen und Termine während der Gottesdienstzeit statt, der Zeit der Aussaat des Wortes Gottes.
Und wenn wir Gottes Wort hören, es in uns aufnehmen, wie gehen wir damit um? Bleibt das Wort Gottes nur oberflächlich, dient es nur der Glättung meiner „Sorgenfältchen“ oder hat Gottes Wort in mir eine Tiefenwirkung. Strahlt es durch mich aus und habe ich so eine Ausstrahlung? Will ich nur das hören, was mir passt, oder kann ich auch Schwieriges aushalten, und daraus Kraft und Hoffnung schöpfen?

Es liegt an mir, was aus Gottes Wort in mir und durch mich wird:
Es liegt an mir, ob ich für einen guten Nährboden sorge, ob ich mich und mein Herz für Gottes Wort bereite.
Es liegt an mir, ob ich für ein geeignetes Klima und Umfeld sorge, damit Gottes Wort in mir wachsen und reifen kann, ob genügend Zeit und Luft bleibt darüber nachzudenken, oder ob meine oft selbst gemachte Hektik des Alltags das Wort Gottes überwuchert und zu ersticken droht.
Es liegt an mir, ob ich mir das Wort Gottes, die christliche Botschaft, vom Zeitgeist und der medialen Meinungsmache wegschnappen lassen, oder ob ich im übertragenen Sinn Vogelscheuchen oder Abwehrmechanismen habe, die die kleinen aufkeimenden Wort-Samen schützen.
Es liegt an mir Gottes Wort zu hören und es auch zu verstehen suchen.
Wenn ich versuche zu verstehen, dann bin ich bereits Jüngerin und Jünger. Wenn das Wort Gottes bei mir auf guten Boden gefallen ist, dann wirkt es in mir und will weiter wachsen und dann bin ich ein Mensch, der Frucht bringt. „Lebe das, was du vom Wort Gottes, vom Evangelium verstanden hast; und sei es auch noch so wenig – aber lebe es!“ (Frère Roger aus Taize). Selbst wenn bei mir auch nur ein Viertel von Gottes Wort auf guten Boden fällt, dann wiegt dieses fruchtbringende Wort allen Misserfolg und alle vergebliche Mühe auf – es bringt Frucht für mich und für andere: 100-fach, 60-fach, 30-fach – es müssen also auch nicht 100% sein, um ein im Glauben „fruchtbarer“ Mensch zu sein; das mir Mögliche soll ich leben. Solche fruchtbaren Menschen und Mitarbeiter braucht eine lebendige Pfarrgemeinde und solche engagierten Menschen und ehrenamtlichen Mitarbeiter hat sie auch: euch Ministranten, die Jugendgruppe, die Lektoren und Mesner, die Sekretärin, die Ordensschwestern und Wort-Gottesdienst-Beauftragte, die Pfarrgemeinde- und Kirchenräte, die vielen anpackenden und helfenden Hände, wo immer Not am Mann oder an der Frau ist.

Trotz guter Ernte ist immer Zeit der Aussaat – für Sie, die Ehrenamtlichen, und auch für uns Priester. Immer gilt es stellvertretend für Gott Sämann für Gottes Wort zu sein, brachliegendes Land neu zu beackern und als Gärtnerin den Samen des Evangeliums auszustreuen, auch wenn der Boden hart ist und möglicherweise nicht den gewünschten Ertrag bringt. Wir müssen die Aussaat trotzdem wagen, denn nur so kann Gottes Wort bei uns und unseren Mitmenschen ankommen, nur so kann es wachsen und immer neu reiche Frucht bringen – Ihr alle seid der beste Beweis dafür.   Amen.

Lied-Links zur Vertiefung:
– Geh aus mein Herz in „Corona-gerechter-Singweise“ mit dem Corona Virtual Choir: https://www.youtube.com/watch?v=kpgw1b4Md54
– Zusammenwachsen – zusammen wachsen: https://www.youtube.com/watch?v=SqBoGZ9fYME