BOX FÜR FAMILIEN IN DER FASTEN- UND OSTERZEIT

Nachdem die bisherigen Familienaktionstüten bzw. –Boxen im Sommer, wie auch in der Advents- und Weihnachtszeit großen Anklang gefunden hatte, entschlossen sich unsere Gemeindereferentinnen Barbara Riedel, Lisa-Maria Eberhardt und Michaela Meusel dazu, auch in der Fasten- und Osterzeit eine Familienbox anzubieten.

Hierbei macht sich Detektiv Esel Ferdinand auf die Suche nach dem Verlorenen.

Während seiner Spurensuche – entdeckt er allerhand verschiedene Biblische Erzählungen und Figuren.

Man wird sehen, ob Ferdinand am Sonntag nach Ostern, den weißen Sonntag der ungläubige Thomas bleibt oder die richtige Lösungsspur findet. Die Familien dürfen sich auf Lieder, Bastelaktionen, Rezepten und vielem mehr in den kommenden Wochen freuen.

Insgesamt meldeten sich über 130 Familien für die Familienboxen an.

Wenn Sie zukünftig auch direkt Infos zu Aktionen für Familien erhalten möchten, melden Sie sich bitte bei der AG Pastoral mit Kindern und jungen Familien.

Weitere Infos bei:
Gemeindereferentin Barbara Riedel
(09281-706786)
(barbara [dot] riedel [at] erzbistum-bamberg [dot] de)

PREDIGT 6. So im JK (B)

Lev 13,1-2.45-46 + Mk 1,40-45

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder und Jugendliche!
Coronazeit – die Werte sind droben,
das Hofer Land ist in Bayern ganz oben
bei der Sieben-Tage-Inzidenz
von dieser heimtückischen Pestilenz.
Da ist mir wirklich nicht zum Lachen,
da kann ich keine Späßchen machen!
Hier ist ’ne Kirche – das teil’ jetzt ich mit –
und das ist ’ne Predigt und keine Bütt!
Deshalb red’ ich gar nicht viel rum,
sondern schau’ auf das Evangelium.
Das Thema Ausgrenzung, das ist prekär,
drum müssen klare Worte her!
Ich bitt um Verständnis in diesen Zeiten,
Reime müssen heut draußen bleiben!

Zutritt nur einzeln oder mit einer bestimmten maximalen kleinen Anzahl – so ist zurzeit der Zutritt zu Bäckereien geregelt: Die anderen müssen draußen bleiben und warten. Viele andere Länden sind ganz zu.
Wir müssen draußen bleiben – ich bin ausgeschlossen und muss andere ausschließen: Kontaktverbot bzw. starke Einschränkung von Kontakten – bereits monatelang. Wir alle – auch Nachbarregionen – müssen Abstands- und Hygieneregeln einhalten, damit das Ansteckungsrisiko minimiert wird!
Wir müssen draußen bleiben – wie ist der Mann im Evangelium (Mk 1,40-45) froh, dass er diesen Status überwunden hat – und wir wären es doch auch, wenn die Inzidenzwerte im Keller wäre, wenn der lockdown aufgehoben werden würde und Corona vielleicht sogar besiegt wäre. Der Mann im Evangelium ist heilfroh, dass er von seinem Aussatz geheilt ist. Jesus hat ihm zwar verboten darüber zu reden, aber der Geheilte kann nicht anders: Er „verkündete bei jeder Gelegenheit, was geschehen war; er verbreitete die Geschichte, sodass sich Jesus in keiner Stadt mehr zeigen konnte“ (Mk 1,45). Genau das wollte Jesus vermeiden, den Rummel um seine Person. Er wollte bei den Menschen sein, ihnen helfen und nicht wie ein wundertätiger Zauberer von einer sensationsgierigen Menge verfolgt werden. Jesus geht es um die Menschen. Er will keine Ausgrenzung. Bei ihm muss keiner draußen bleiben. Deshalb heilt Jesus den Aussätzigen.
Aussätzige haben sich zurzeit Jesu von anderen Menschen fernzuhalten, eine strikte Quarantäne, um andere nicht anzustecken. Zudem müssen sie sich für alle als unrein kenntlich machen: ungekämmt, verlotterte Klei-dung und Männer mit verhülltem Bart – mit solchen Subjekten will nie-mand etwas zu tun haben. Auch müssen sie schon von fern laut „unrein, unrein“ rufen, damit niemand mit ihnen in Berührung kommt: ein Warn-ruf – „unrein – bleibt bloß weg!“ Gesellschaftlich sind Aussätzige ausge-grenzt und auch zum Tempelkult und Gottesdienst nicht zugelassen. Die Angst vor einer Ansteckung setzt der Nächstenliebe enge Grenzen. Der Aussätzige im Evangelium will von Jesus geheilt und wieder Teil der Gesellschaft werden. Er überschreitet Grenzen: Er hält sich nicht an den gebotenen Sicherheitsabstand. Auch Jesus überwindet Grenzen, indem er den Aussätzigen berührt. Jesus schenkt ihm in dieser Berührung die Zärt-lichkeit und Liebe Gottes, die keinen Menschen ausschließt. Mit dieser heilsamen Berührung holt Jesus den ausgegrenzten Aussätzigen aus seiner Isolation in die die gesellschaftliche Mitte zurück (vgl. Mk 1,41-42).
Aber was geschieht mit dem, der solche sozialen Grenzen überwindet? Je-sus kann sich in keiner Stadt mehr blicken lassen, weil der Geheilte bei je-der Gelegenheit von der Heilung erzählt. Auch das eine alltägliche Erfah-rung: Wer sich mit Außenseitern abgibt, wird selbst leicht zum Außenseiter – weil man ausgegrenzt wird, oder weil mal selbst die Grenze ziehen muss zum Schutz vor Menschenmassen. Wer wie Jesus für die Aussätzigen, Zöllner und Sünder Partei ergreift, steht bald selbst außerhalb der feinen Gesellschaft. Doch das ist der Platz Jesu: Er steht bei den Menschen und er steht den Menschen bei, die ihn und seine Nähe brauchen. Dafür geht er bis an den Rand, an den Rand der Gesellschaft, an den Rand der menschlichen Existenz, dort wo Armut und Hunger herrschen, Krankheit und Aussatz.
Ihr müsst draußen bleiben – auch wir grenzen Menschen aus – und das nicht nur zum Schutz in Coronazeiten. Wir lassen Menschen nicht teilha-ben an unserer Gesellschaft und unseren Freundeskreisen. Wir grenzen sie aus, weil sie anders sind – weil sie vielleicht nur gebrochen Deutsch spre-chen – weil sie andere Ansichten haben und nicht so denken wie wir. Bei Jesus ist das anders: Zu ihm kommen die ausgegrenzten Menschen von überallher. Sie erhoffen sich von ihm eine Annahme ihrer Individualität und Wertschätzung trotz oder gerade ihres Andersseins. Diese Menschen stehen im Zentrum der Aufmerksamkeit und Seelsorge Jesu. Er holt sie aus dem Ausgegrenztsein und ihrer Isolation heraus und schenkt ihnen so Teilhabe am Leben, Ansehen und Würde – Menschenwürde.

Geben wir Christus unser Gesicht,
verweigern wir Sozialkontakte nicht!
Halten wir durch und zusammen in diesen Zeiten,
wir sollten nicht über Abstände streiten!
Einmeterfünfzig sind nicht viel –
einander sehen und hören, ist das Ziel:
Niemand ist dann mehr allein,
und ausgegrenzt ist auch kein … Mensch.
Wenn wir solidarisch zueinander steh’n,
einander nicht aus dem Wege geh’n,
trotz Corona lachen und uns freu’n,
dann soll das nicht nur an Fasching sein:
Lebens- und Glaubensfreud’ in Gottes Namen –
gelobt sei Jesus Christus! AMEN.

Hier noch zwei vertiefende Liedlinks, in denen es auch um die Freude geht:
– Jesus bleibet meine Freude: https://www.youtube.com/watch?v=drdd5xxZ_eE
– Nun danket all und bringet Ehr: https://www.youtube.com/watch?v=ANRVGsFDq8g

PREDIGT Maria Lichtmess (B)

Mal 3,1-4 + Lk 2,22-40 (= Langfassung)

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder, liebe Jugendliche!
„Volk Gottes zünde Lichter an, vertreib die Nacht mit ihrem Schein! Der jedes Dunkel wenden kann, er zieht ins Haus des Vaters ein“ (GL 374/1) – ein Lied passend zum Evangelium am Lichtmesstag (Lk 2,22-40). Ein Lied, das auch zur Aktion #lichtfenster passt, die Bundespräsident Steinmeier initiiert hat und zu der auch die Deutschen Bischöfe aufgerufen haben. Wir sind eingeladen, allabendlich eine Kerze in unsere Fenster zu stellen – eine Kerze, die hineinstrahlt in die dunkle Nacht und die Dunkelheit und Betrübnis dieser Zeit – leuchtende Kerzen in der Region Hofer Land, in der die Inzidenzwerte in den letzten Tagen stark angestiegen sind – Kerzen als Zeichen der Anteilnahme, die auch Lichtblick sind für die Verstorbenen der Corona-Pandemie: Licht, das für die christliche Hoffnung steht, für Jesus Christus, „der jedes Dunkel wenden kann“.
Es braucht Geduld. Wir müssen Geduld haben und dürfen nicht vorschnell aufgeben. Was nach Handlungsanweisungen unserer Politiker in der jetzigen Phase des lockdowns klingt, ist die Erfahrung, an denen uns heute der greise Simeon teilhaben lässt. Simeon wartet geduldig. Er wird alt. Er vertraut voller Hoffnung der Verheißung des Heiligen Geistes, dass sich dieses Warten lohnen und er zu Lebzeiten noch „den Christus“ sehen werde.
Vielleicht macht sich in Simeon bereits die Dunkelheit breit. Er steht kurz vor seinem Lebensende: Ob der Messias, der Christus, noch kommt? Ob er nicht die ganze Lebenszeit vergebens gewartet hat? Düstere Gedanken, die Simeon während des Wartens gekommen sein könnten. Doch er wartet geduldig und voller Sehnsucht. Simeon erkennt – unter der Führung des Heiligen Geistes – in Jesus, den Maria und Josef in den Tempel bringen, den verheißenen Christus: „Meine Augen haben das Heil gesehen“ (Lk 2,30), bekennt er. Simeon erkennt und bekennt die Universalität des Kommens Jesu Christi: Jesus Christus ist nicht nur Lichtblick für ihn selbst, sondern für alle Völker, für sein eigenes Volk, die Israeliten, und auch für fremde Völker (vgl. Lk 2,31-32). Damit ist scheinbar alles Wesentliche gesagt, denn hier endet die Kurzfassung des Evangeliums (vgl. Lk 2,22-32). Ja und Nein: christologisch, also Jesus Christus betreffend, ist mit diesem Lobpreis des Simeon bereits alles gesagt und er kann „in Frieden scheiden“ (Lk 2,29) – aber ekklesiologisch, also die Glaubensgemeinschaft bzw. die Kirche betreffend, ist längst noch nicht alles gesagt: Leider beziehen sich Kirchenlieder (vgl. GL 374/4 und 902/4), das Segensgebet über die Kerzen, die Festtagspräfation und das Schlussgebet der Heiligen Messe ausschließlich auf Simeon – doch Hanna gehört als Frau wesentlich zu Gemeinschaft der Glaubenden (jüdischen Glaubens) dazu; sie darf nicht einfach weggeschnitten werden, sonst wären gelebter Glaube und Kirche als verfasste Glaubensgemeinschaft defizitär und „reine Männersache“. Hanna wird anders als Simeon nicht durch die Zuschreibungen „gerecht und fromm“ (Lk 2,25) charakterisiert, sondern durch ihre Abstammung und ihr Lebensschicksal als konkrete Person benannt: eine Tochter Penuëls aus dem Stamm Ascher, die jung geheiratet hat, sieben Jahre verheiratet war und nun eine Witwe von 84 Jahren ist (vgl. Lk 2,36-37). Auch ihre Gottesbeziehung und Frömmigkeit ist konkreter beschrieben als die des Simeon: Hanna „hielt sich ständig im Tempel auf und diente Gott mit Fasten und Beten“ (Lk 2,37). Beten und Fasten ist Hannas ernsthafte Vorbereitung für die Christus-Begegnung – wir machen das heute noch so, wenn wir den Advent und die Fastenzeit als Vorbereitungszeiten auf die Christus-Hochfeste Weihnachten und Ostern ernst nehmen. Zudem wird Hanna als „Prophetin“ (Lk 2,36) bezeichnet und steht so in einer besonderen Gottesbeziehung: Hanna ist ein Sprachrohr Gottes gegenüber dem Volk. Sie mahnt im Namen Gottes, prangert Missstände an und verkündet Gottes Wort. Auch wenn keine wörtliche Rede von Hanna in der Bibel überliefert ist, redet und verkündet sie: Wie Simeon „pries [Hanna] Gott“ (Lk 2,38), schreibt Lukas in seinem Evangelium – ja mehr noch: Hanna „sprach über das Kind [= Jesus Christus] zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten“ (Lk 2,38). Hanna ist somit Katechetin, Missionarin und Glaubensvermittlerin – im Tempel, öffentlich und für alle. Hatten bisher im Lukasevangelium der/die Engel an Einzelpersonen oder Randgruppen verkündet (vgl. Lk 1,26-38 und Lk 2,9-14) und Simeon seinen Lobpreis Gottes im „kleinen Kreis“ vor Maria und Josef ausgesprochen, verkündet die Prophetin Hanna allen, die auf bessere Zeiten warten, Gottes Wirken in Jesus Christus: ER ist der Erlöser. Hanna hat damit als Frau und Gotteskünderin in ihrer Glaubensgemeinschaft und für die Menschen der damaligen Zeit Wichtiges zu sagen – ein hoffnungsvoller Lichtblick für die katholische Kirche und Frauen in unserer Kirche heute. AMEN.

Vertiefende Liedlinks:
– Volk Gottes, zünde Lichter an: https://www.youtube.com/watch?v=ip5dj4YUoa4
– Morgenstern der finstern Nacht: https://www.youtube.com/watch?v=i-HbXBvuBSQ

PREDIGT 4. So im JK (B)

Dtn 18,15-20 + Mk 1,21-28

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder, liebe Jugendliche!
Letzte Woche, am 3. Sonntag im Jahreskreis, wurde in der katholischen Christenheit der „Sonntag des Wortes Gottes“ begangen – Papst Franziskus hatte diesen Gedenktag 2019 ins Leben gerufen. Weltweit wurde dieser Sonntag begangen – nur ein Land hat sich widersetzt: Deutschland.
„Typisch“, könnten wir sagen. Ja, die deutschen Bischöfe haben bewusst gehandelt: Sie sind aber nicht gegen das Wort Gottes, sondern wollen diesem mehr Bedeutung geben – gerade im Land der Reformation. Sie haben den „Sonntag des Wortes Gottes“ auf den heutigen Sonntag ver-schoben, damit er zusammen mit dem „ökumenischen Bibelsonntag“, den es in Deutschland seit 1982 gibt, gefeiert werden kann – ein wichtiges Zeichen der Ökumene: gemeinsam stellen wir das Wort Gottes in die Mitte – gemeinsam stellen wir uns dem Anspruch des Wortes Gottes.
Das „Wort Gottes“ prägt unsere Gottesdienste, prägt unsere Gemeinde, prägt die Glaubensgemeinschaft – und das nicht erst heute. Dtn 18,15-20 ist ein kurzer Abschnitt aus dem fünften und letzten Buch Mose, dem Buch Deuteronomium. In diesem Buch blickt Mose, der Vermittler des Wortes Gottes, noch einmal zurück. Er erinnert an den Weg, der hinter den Israeliten liegt, u.a. an den Auszug aus Ägypten, die Wüstenwanderung und andere Etappen. Gott ist diesen Weg mit seinem Volk gegangen – ein Weg mit Höhen und Tiefen – ein Weg mit Mut machenden und ermahnenden Worten Gottes, die Mose als Sprachrohr Gottes den Menschen vermittelte und verständlich machte: Gottes Wort im Menschenwort.
Dieser Rückblick des Mose auf das Gewesene ist notwendig: Er zeigt die Spuren Gottes, sein Führung und sein Weggeleit – und v.a. die Orientie-rung, die das Wort Gottes gab und eben auch gegeben hätte, wenn sich das Volk Gottes diesem Wort Gottes nicht bisweilen verschlossen hätte. An der Schwelle zum gelobten Land, kurz bevor Mose sterben wird, steht dieses Innehalten und Zurückblicken. Der Rückblick des Mose ist somit eine Art Testament und damit auf die Zukunft des Volkes ausgerichtet: Haltet Euch in Zukunft an das Wort Gottes und vertraut den Vermittlern des Wortes Gottes. Zudem kündet Mose einen Nachfolger, einen Propheten, als Künder und Vermittler des Wortes Gottes an (vgl. Dtn 18,15-18). Unter der Führung und Wegweisung des Wortes Gottes soll das Volk Gottes ins gelobte Land einziehen. In die Gottesrede des Mose eingeschlossen ist die Warnung vor „falschen Propheten“ (vgl. Dtn 18,19-20), die Eigeninteressen als vermeintli-ches Wort Gottes ausgeben und damit letztlich in die Irre führen.
Die Worte des Mose gelten heute uns: Sie sind die Einladung sich dem Wort Gottes zu stellen, es zu hören und v.a. zuzuhören und darüber nachzu-denken, was andere dazu prophetisch zu sagen haben: Propheten sind wir alle, auch Du und ich, denn in der Taufe wurden wir für diesen propheti-schen Dienst gesalbt! Wir können in der Bibel lesen und das Wort Gottes meditieren, um im Blick auf das eigenen Leben die Spuren Gottes zu entde-cken und um Wegweisung und Ermutigung für die Zukunft zu schöpfen. Das Wort Gottes „kann“ noch mehr – es wirkt und bewirkt etwas: Jesus Christus ist anders als die Schriftgelehrten, ist anders als wir, die wir uns mit dem Wort Gottes auseinandersetzen. Jesus Christus ist das Mensch gewordene Wort Gottes. Im Licht der alttestamentlichen Lesung ist er der Prophet: Als Sohn Gottes ist er nicht nur Vermittler des Wortes Gottes, sondern er ist selbst die Mitte des Wortes des lebendigen Gottes.
Jesus Christus wirkt als lebendiges Wort Gottes; ER bewirkt Lebendigkeit und befreit zum Leben. Auch wenn die Dämonenaustreibung im Markusevangelium (Mk 1,21-28) für uns heute befremdlich klingt und wir sie wissenschaftlich anders einordnen würden, zeigt sie doch die Wirk-mächtigkeit des Wortes Gottes: Gottes Wort berührt und fordert heraus, ja es befreit zum Leben. Die Macht des Wortes Gottes unterdrückt nicht, sondern das Wort Gottes macht die Macht der Unterdrücker zunichte, die Besitz über das menschliche Leben ergreifen und es bedrängen.
Ich blicke auf mein Leben, darauf, wovon ich „besessen“ bin: Es gibt vieles, was mein Leben, meine Lebenszeit und –kraft in Besitz nimmt. Manches davon ist zumindest fragwürdig, ob es wirklich zu mehr Leben und Lebensqualität führt. Darüber lohnt es sich nachzudenken. Und auch darüber, wie Dinge, Aufgaben und Personen von mir Besitz ergreifen: Bleibt mir noch Luft zum Atmen? Was macht mein Leben lebenswert?
Leben – dazu ermutigt mich das Wort des lebendigen Gottes. Leben – dazu will mich Jesus Christus befreien. Leben – Ja! AMEN.

Hier noch zwei vertiefende Lied-Links:
– Mein ganzes Herz: https://www.youtube.com/watch?v=4WEhj43A17o
– Gottes Wort ist wie Licht: gottes wort ist wie licht in der nacht kanon

 

#lichtfenster

Liebe Christinnen und Christen in den Pfarrgemeinden St. Antonius, St. Franziskus und St. Josef, liebe Freunde und Bekannte,

durch die Anrede „liebe Schwestern und Brüder“ ist der Brief unseres H. H. Erzbischofs Dr. Ludwig Schick an alle im Erzbistum Bamberg gerichtet,
weshalb ich ihn auch gerne Ihnen/Euch mitteile bzw. mit Ihnen/Euch teile.
Setzen wir durch die Teilnahme am #lichtfenster ein Zeichen und Gedenken wir der Toten der Coronapandemie.

Ihnen und Euch allen noch einen gesegneten Sonntag!

Brief #lichtfenster 22.01.2021

PREDIGT 3. So im JK (B)

Jon 3,1-5.10 + Mk 1,14-20

Haben Sie die Unterschiede gehört?
Wie bereits am vergangenen Sonntag ist heute die Berufung der ersten
Jünger dran: Andreas, Simon Petrus und andere werden von Jesus gerufen,
ihm zu folgen. Kennen wir schon – aber: Haben Sie die Unterschiede gehört?
Die Berufungserzählungen in den Evangelien sind sehr verschieden.

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder, liebe Jugendliche!
Im Johannesevangelium in der letzten Woche war die Jüngerberufung in
die Suche nach Leben und Lebendigkeit eingebunden; die Sehnsucht ist gestillt und die Suche hat ein Ende, als Andreas seinem Bruder Simon sagte:
„Wir haben den Messias gefunden“ (Joh 1,41). Was Andreas und Simon von
Beruf waren, davon kein Wort bei Johannes: Suchen und Finden – bei Jesus
Bleiben und ihm Nachfolgen, das zählt im Johannesevangelium.
Im Markusevangelium sucht Jesus die Jünger: als Wanderprediger ohne
festen Wohnsitz, ohne Bleibe – auch das ein Unterschied (vgl. Joh 1,38) –
geht Jesus auf sie zu und trifft sie mitten in ihrem Alltag als Fischer. Jesus
sucht Menschen und er versucht sie zur Umkehr zu bewegen: „Die
Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das
Evangelium“ (Mk 1,15). Die Menschen sollen der guten Nachricht, dem
Evangelium, vertrauen, sich ausrichten auf das anbrechende Reich Gottes,
auf eine gute, ja bessere Zeit, die im Jetzt anbricht – Jesus Christus
selbst ist dieses Evangelium Gottes für die Menschen.
Was das konkret bedeutet, zeigt die Berufung der ersten Jünger: Der Ruf
„Kehrt um“ meint nicht „Lauft von mir weg“, sondern „Kommt her, mir
nach“ (Mk 1,17). Die gute Nachricht, das Evangelium, ist nicht zum Davonlaufen, sondern zum auf die Spur Kommen – auf die Spur, die zum Leben führt, die zu Jesus Christus führt. Da ist Bewegung drin – innerlich wie äußerlich: sich für Jesus entscheiden, ihm folgen, alles stehen und liegen lassen, alle Sicherheiten aufgeben – da gehört ganz viel Mut dazu, denn Andreas und Simon hätten bei ihren Netzen bleiben können. Ein Entscheidungsprozess, der sicher nicht „sogleich“ geschieht, sondern Zeit braucht, auch wenn Markus das anders schreibt (Mk 1,18.20), um durch dieses „sogleich“ dem Evangelium und Jesus Christus auf der Spur zu bleiben.
Jesus versucht Menschen für das Reich Gottes zu gewinnen, nicht sie zu
fangen oder zu ködern. Jesus bedient sich daher einer Sprache, die die Fischer verstehen können: „Ich werde Euch zu Menschenfischern machen“
(Mk 1,17). Fischernetze sind dabei hinderlich. Entscheidend ist die Vernetzung mit Jesus Christus und seiner Botschaft. Auf diese Verbundenheit, auf dieses network kommt es an. Das „Arbeiten an den Netzen“ ist den ersten Menschenfischern vertraut (vgl. Mk 1,19): dieses Netzwerk, die Beziehung zu Jesus Christus, muss tagtäglich gepflegt und Schäden ausgebessert werden – sonst reißt alles ein, das Netz wird unbrauchbar und alles war vergeblich. Jesus ruft Andreas, Simon und die anderen weg von den Fischernetzen hin zur Verbundenheit mit ihm – keine leichte Entscheidung: Die schwere Arbeit in schwankenden kleinen Booten auf dem See aufzugeben, um dauerhaft an Land zu gehen, festen Boden unter den Füßen zu haben und Jesus nachzufolgen – wohin ist fraglich; Familienangehörige zurückzulas-sen und zu verlassen, verwandtschaftliche und freundschaftliche Verbin-dungen zu lockern, ja ganz aufzugeben, um eine neue Bindung und Ver-bundenheit in der Nachfolge Jesu einzugehen – ob sie wirklich hält, was ER verspricht, ist offen. Jesus Christus und sein Evangelium scheinen überzeugt zu haben. Er hat Menschen dafür gewonnen, ihm zu folgen.
Im Markusevangelium werden die Brüder Andreas und Simon gemeinsam von Jesus angesprochen, ihm zu nachzufolgen. Eine gemeinsame Beru-fung der späteren Apostel Simon Petrus und Andreas – Zeichen der ur-sprünglichen Einheit der Kirche. Diese Einheit der Kirche ist im Lauf der Kirchengeschichte zerbrochen in die „Westkirche“, die sich auf Petrus, und die „Ostkirche“, die sich auf Andreas beruft. Hier hat wie in der Öku-mene überhaupt – Gott sei Dank – eine Umkehr im Denken stattgefunden: In den vergangenen Jahrzehnten wurden Schritte aufeinander zu gegangen, Gespräche geführt und gemeinsame Erklärungen unterzeichnet – das Ziel der Einheit, voll und ganz verbunden in, mit und durch Jesus Christus, ist noch nicht erreicht, aber der Weg ist klar. Die Schritte gehen in die richtige Richtung: aufeinander zu und nicht voneinander weg. Nicht den anderen „einzufangen“ und auf die eigene Seite zu ziehen ist der „Gewinn“, son-dern in versöhnter Verschiedenheit den christlichen Glauben gemeinsam zu leben wie Petrus und Andreas. Miteinander auf dem Weg in der Nach-folge Jesu Christi, das ist auch unsere Berufung – nicht nur in der Gebets-woche für die Einheit der Christen, sondern täglich neu. AMEN.

PREDIGT 2. So im JK (B)

1 Sam 3,3b-10.19 + Joh 1,35-42

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder, liebe Jugendliche!
„Was sucht ihr?“ (Joh 1,38) – diese Frage Jesu aus dem heutigen Evangelium geht auch an uns: „Was sucht Ihr? Was ist Eure Sehnsucht?“
Wir wollen, dass endlich wieder ein „normales“ Leben möglich ist, ohne Corona – oder dass wir mit Corona einigermaßen gut leben können. Wir wollen uns wieder „normal“ treffen können ohne Alltagsmaske und ohne Besuchsbeschränkungen. Hoffentlich ist alles bald vorbei – solche Antworten höre ich bei vielen Telefonaten in diesen Tagen. Allen geht es um gelebte und gelingende Beziehungen, um gelingendes Leben: den Singles und Witwe(r)n fehlt oft ein Gegenüber – „ich habe niemanden, der wirklich da ist“; den Schülerinnen und Schülern (und auch Lehrern) fehlt der direkte Kontakt – „ich hatte schon am ersten Tag homeschooling nach den Ferien ‚die Schnauze voll‘“; sie stehen vor einer ungewissen Zukunft – „was ist mein Schulabschluss in diesem Jahr schon wert“; Alleinerziehende, Familien und kleine Betriebe kämpfen um ein Durch- und Auskommen im Alltag – „wie sollen wir das (finanziell) nur schaffen“; alte Menschen, die nicht mehr raus kommen, fühlen sich einsam. Viele Menschen unterschiedlichen Alters können nicht mehr; sie sind am Ende ihrer Kräfte, niedergeschlagen, manche auch des Lebens müde. Viele haben das verordnete social distancing satt – gerade im lockdown geht es doch darum, die Sozialkontakte aufrecht und lebendig zu erhalten. Unsere Zeit braucht daher ein physical distancing – eine Einschränkung (und nicht eine Dauerunterbrechung!) der face-to-face-Kontakte, der Direktbegegnungen, um die Übertragung von Corona stark einzuschränken – bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung der mitmenschlichen Nähe, des einander nahe Seins und Mitfühlens, des geteilten Lebens.
Die beiden Männer die Jesus folgen, suchen seine Nähe – eine für sie le-benswichtige Einzelbegegnung, kein Massenansturm. Jesus weist sie nicht ab, sondern fragt bewusst offen: „Was sucht ihr?“ (Joh 1,38). Sie wollen sehen, wo und wie Jesus lebt; sein Lebensumfeld wollen sie kennenlernen; wollen sehen was ihm wichtig ist, mit ihm reden, bei ihm sein – vorerst (noch nicht) dauerhaft, sondern für ein paar Stunden. Ein wichtiger Kon-takt von Mensch zu Mensch, der entscheidend ist für ihr weiteres Leben und der alles verändert: „Wir haben den Messias gefunden“ (Joh 1,41).
Suchen, was mein Leben lebenswert macht, und sich dafür ganz bewusst auf den Weg machen und sich Zeit dafür nehmen, können wir von den beiden Männern lernen. Diese Nachfolge Jesu und auch unser Weg mit Je-sus braucht immer wieder die direkte Begegnung mit IHM, um dann im Alltag – „in der Distanz“ – in der Christus-Beziehung zu leben.
Einen zweiten Aspekt der derzeit so wichtigen sozialen Beziehung und Offenheit füreinander zeigt die Lesung auf: Der mehrmals aus dem Schlaf gerissene Eli reagiert nicht verärgert, als Samuel in erneut aufweckt. Eli lässt sich stören und reagiert nicht abweisend. Er erträgt geduldig die Un-terbrechung seines Schlafes und nimmt sich Zeit für seinen Schüler Sa-muel. Allmählich erkennt Eli, dass Gott den Samuel angesprochen hat und rät Samuel, wie er sich beim „Anruf Gottes“ verhalten soll.
Von Eli und Samuel kann ich lernen, wachsam zu sein für die Zeichen und Stimmen der Zeit – Störungen oder Anrufe von Mitmenschen nicht lästig abzuwimmeln, sondern mir Zeit für ihre Anliegen nehmen – im (mit-)geteilten Leben Tieferes und vielleicht sogar die „die Spuren Gottes“ entdecken. Dabei kann mir auch die Kommunikation zwischen den Generationen helfen – Samuel hätte ohne Elis Rat, aus dem seine eigene Gotteserfahrung und Lebensweisheit spricht, nie die ihn beim Namen rufende Stimme einordnen und sich dem Ruf Gottes und der Berufung durch Gott stellen können: „Rede, denn dein Diener hört“ (1 Sam 3,10).
Es geht in dieser Corona-Zeit nicht nur ums Deuten der Zeichen und Stimmen der Zeit, sondern vor allem ums Zeigen dessen, was trägt, und lebensdienlich ist: Johannes weist zwei seiner Jünger auf Jesus hin – er hält sich nicht selbst für „den Besten“ und bindet die Jünger nicht krampfhaft und klammernd an sich – er kann sie guten Gewissens gehen lassen – zu und mit Jesus. Und auch Andreas und der namenlose Zweite, die in Jesus den Messias entdeckt und erkannt haben, behalten diesen Wissen nicht egoistisch für sich – sie teilen es mit Petrus und führen ihn zu Jesus.
Das Positive, das mich trägt im (Glaubens-)Leben, das mit Halt gibt, mich stützt und mir Lebendigkeit schenkt, das mich in dieser schweren Corona-Zeit (durch)trägt, das mir hilft zu leben und zu glauben und mir Hoffnung und Lebensmut schenkt, darauf soll ich meine Mitmenschen hinwiesen und es ihnen zeigen – das ist meine Berufung als Christin und als Christ: Dem Leben auf der Spur – das Leben finden – das Leben leben und es mit anderen teilen, dazu bin ich, dazu sind wir berufen. AMEN.

Hier noch zwei vertiefende Liedlinks:
– Suchen und fragen: https://www.lieder-vom-glauben.de/wo-wir-dich-loben-wachsen-neue-lieder-nr-82/
– Herr, du bist mein Leben: https://www.youtube.com/watch?v=X5eUNQWqAQk

PREDIGT Fest Taufe des Herrn (B)

Jes 42,5a.1-4.6-7 + Mk 1,7-11

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder, liebe Jugendliche!
In den vergangenen Tagen habe ich mehrmals einen Kirchenraum besucht, der mich nicht nur angesprochen, sondern mich „umarmt“ hat. Der Raum hatte stark gedimmtes Licht – das Licht kam woanders her: Um das auf Stroh gebettete Kind waren Kerzen aufgestellt; sie verbreiteten ein warmes, angenehmes, ja einladendes Licht. Diese Kerzen griffen dabei die Geste der ausgebreiteten Arme des Kindes in der Krippe auf – der Arme des Kindes, die sich mir entgegenstreckten, die Beziehung und Annahme suchten. Wie große leuchtende Arme griffen die Kerzen in den Raum; sie umfingen, ja sie „umarmten“ jeden Besucher und Beter mit Licht. Die ausgebreiteten Licht-Arme sagten ohne Worte: Willkommen! Schön, dass du da bist! Komm zu mir und bleib hier und lass dich umarmen mit Licht, mit Wärme mit Liebe! Eine wohltuende Botschaft, die das Kind in der Krippe, die der Mensch gewordene Gott mir zuspricht.
Ich habe dich gern! Zu mir kannst Du kommen auch mit Sorgen und Fra-gen, auch mit all dem was dich traurig und dein Leben dunkel und dir Angst macht! Lass dich umarmen mit Licht, mit Wärme mit Liebe! Ich stehe hinter dir und stehe für dich ein. Eine Botschaft, die uns allen gut tut – und die wahr ist, weil wir wissen, dass Gott in Jesus Christus auf unserer Seite steht, nicht nur als Kind in der Krippe, sondern auch als Erwachsener.
Wir Menschen brauchen dieses Angenommensein, diese mitmenschliche Wärme, diese Geborgenheit, dieses zweckfreie Wohlwollen – gerade im grauen Winter, wo die Sonne oft tagelang nicht hinter dem trüben Wolken-schleier hervortritt, gerade jetzt im verschärften lockdown, der vielen an die Substanz geht und mental viel abverlangt, sind Kerzen und wärmendes Licht, ein „offener Himmel“ mit seinen umarmenden Sonnenstrahlen, of-fenherzige Menschen und wohltuende Worte – gelesen oder noch besser zugesagt – und eine Atmosphäre, die trotz Abstand Nähe spüren lässt, wichtig und notwendig. Sie geben Kraft und Zuversicht in der aktuellen Si-tuation und machen Mut auch für Wege und Zeiten, die vor einem liegen.
Jesus begegnet uns heute am Ende der Weihnachtszeit als Erwachsener – er ist nicht mehr das kleine Kind in der Krippe; er ist groß geworden und steht vor einer neuen Aufgabe: in aller Öffentlichkeit soll er Gott bezeugen. Nie-mand wird ihm glauben, warum auch – er gilt als Sohn des Zimmermanns, er war kein Schrift- und Gesetzeslehrer; er war ein einfacher junger Mann. Johannes, der bekannte Rufer in der Wüste, weißt auf Jesus hin: „der ist stärker als ich; ich bin es nicht wert, mich zu bücken und ihm die Riemen der Sandalen zu lösen. Ich habe euch mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen“ (Mk 1,7). Johannes weist von sich weg und auf Jesus hin – und baut so eine Erwartungshaltung und einen Druck auf: Er wird euch eine andere Kraft geben, die Kraft aus der Höhe, Heiligen Geist. Nach menschlichem Ermessen ist das eine Überforderung und eine Über-lastung für jeden, auf dem sie lastet. Jesus läuft nicht weg, sondern zu Johannes hin, der auf ihn hingewiesen hat. Er lässt sich von ihm taufen – mit Wasser; mehr hat Johannes nicht zu geben – und Gott gibt das seine hinzu: Er öffnet den Himmel für das seine – Heiligen Geist – den Jesus an die Menschen weitergeben wird. Und Gott macht klar, wer dieser Jesus ist: „Du bist mein geliebter Sohn, (Mk 1,11) und damit Sohn Gottes. Du bist der, auf den Johannes hingewiesen hat. „An dir habe ich Wohlgefallen gefunden“ (Mk 1,11) – ich habe dich gern, du bist ja mein Sohn. Ich bin bei dir. Ich stehe hinter dir und dir bei – bei allem, was vor dir liegt.
Ein offener Himmel, ein Lichtblick, die Umhüllung mit Heiligem Geist, die Umarmung durch Gottes wohlwollenden Zuspruch und Annahme als Sohn – das gibt Kraft und Mut, für den Weg, den Jesus bis an Kreuz und durch das Kreuz zu neuem Leben führen wird. Dieser offene Himmel, der Lichtblick, die Umhüllung mit Heiligem Geist, die Umarmung durch Got-tes wohlwollenden Zuspruch und Annahme als geliebte Tochter und als geliebter Sohn ist uns allen bei unserer Taufe geschenkt – Kraft und Mut für unser Leben als Christinnen und Christen im Zeichen des Kreuzes.
Wenn wir aus dieser Kraft leben und unser Leben aus der Taufgnade ge-stalten, ist es gut für uns und wertvoll für andere Menschen. Wir vertrauen auf und leben aus dem Heiligen Geist, der nicht zerstört, sondern aufrich-tet, der umarmt und schützt, der Lebensmut und neue Lebensperspektiven schenkt (vgl. Jes 42,3.6-7). Der uns in der Taufe geschenkte Heilige Geist ist Gottes Zusage, dass er uns liebt und immer er an unserer Seite ist. AMEN

 

Zum Ende der Weihnachtszeit schließt sich nämlich ein theologischer Bogen vom
adventlichen „O Heiland, reiß den Himmel auf“: https://www.youtube.com/watch?v=8AWhXZgjWg8
hin zum offenen Himmel bei der Taufe Jesu: „Lobt Gott, ihr Christen“: https://www.youtube.com/watch?v=x6kZFblDDVU
sowie zum Himmel, der uns bei unserer Taufe und für immer offen steht: https://www.youtube.com/watch?v=6o4CU2UkNFM

DREIKÖNIGSFEST IN ST. FRANZISKUS

Am 6. Januar, dem Hochfest der Erscheinung des Herrn, fand in der Pfarrkirche St. Franziskus ein feierlicher Gottesdienst statt. Pfarrer Dieter Jung zog wegen der Corona-Regeln nur mit einer Königin und einem König ein. Bei der Begrüßung sagte er,  dass nur zwei Sternsinger am Altar wären, aber alle Gottesdienstbesucher heute Königinnen und Könige seien.

In seiner Predigt bemerkte Pfarrer Jung, dass ihm beim Aufstellen der Hl. drei Könige aufgefallen sei, dass die Krippe eigentlich zu wenig Platz habe für alle Figuren. Dies komme daher, weil sich bei der Krippengestaltung verschiedene theologische Richtungen überlagern. Bei Lukas dominiert z. B. der soziale Aspekt. Wenn im Stall neben der Krippe Hirten und Engel aufgestellt werden, sollte dies als Zeichen der Hoffnung für die Armen gelten. Der Evangelist Matthäus hingegen betont im Hinblick auf das Jesuskind die Allmacht, die im Kleinen und Verborgenen liegt. Drei Weise aus dem Osten folgen einem Stern. Sie wagen den Aufbruch. Gleichzeitig ermutigen sie uns zum Aufbruch, um den Retter und den Mensch gewordenen Gott zu suchen. Jede/r sollte sich fragen: Wer ist Gott für mich?

Pfarrer Jung informierte, dass die Könige in der Krippe im Laufe der Jahrhunderte auch Änderungen erfuhren. So wurden im 12. Jh. die verschiedenen Lebensalter dargestellt. „Heute müsste man auch Frauen in die Krippe stellen,“ forderte Jung. Die traditionellen Königsfiguren tragen verschiedene Hautfarben. Damit sollten die unterschiedlichen Kontinente angedeutet werden, aus denen die Weisen kamen, um das Jesuskind anzubeten. Das viel diskutierte  „blackfacing“ stellt all dies in Frage. Manche Gemeinden entfernten daher Caspar, den schwarzen König, aus der Krippe. Pfarrer Jung bezeichnete dieses Vorgehen als fatal. Wenn sich nur weiße Könige in der Krippe befinden würden, dann könnte man das als rassistisch bezeichnen. Es würde dem Sinn des Evangeliums nicht entsprechen. Caspar wird nicht als „dummer Mohr“, als Sklave oder Lastenträger abgebildet, sondern seine Figur ist würdevoll und schön und königlich gestaltet. Die verschiedenen Hautfarben der Könige in der Krippe sind Zeichen der Wertschätzung aller Menschen und Offenheit für alle Kulturen. Christus ist für alle Menschen in die Welt gekommen. Er will alle Menschen retten.

Die Weihnachtslieder fielen trotz Gesangsverbot nicht aus, sondern sie fielen nur anders aus. Das Lied „Gloria, gloria, in excelsis Deo“ sang Pfarrer Jung mit Barbara Scheafer im Duett, selbstverständlich mit dem gebotenen Abstand. Auch weitere Weihnachtslieder wurden als Sologesang oder im Duett gekonnt dargeboten. Zusammen mit dem Orgelspiel von Martin Wolfers-Mildner sorgten die Gesänge für eine weihnachtlich-stimmungsvolle Atmosphäre.

Zum Schluss der Hl. Messe segnete Pfarrer Jung den Weihrauch und die Segensaufkleber für die Türen. Caspar, Melchior und Balthasar konnten in Schwarzenbach nicht wie gewohnt von Haustür zu Haustür ziehen. Stattdessen wurden vom Sternsinger-Team ca. 3000 Briefe mit Segensbändchen und -aufklebern an die Schwarzenbacher verteilt. Spenden können überwiesen oder im Pfarrbüro abgegeben werden. Sie kommen bedürftigen Kindern in aller Welt mit Schwerpunkt Ukraine zugute. Pfarrer Jung bedankte sich bei Barbara und Hermann Knoblich, die zusammen mit dem Sternsinger-Team einen überragenden Einsatz gezeigt haben.

 

PREDIGT Erscheinung des Herrn (B)

Jes 60,1-6 + Mt 2,1-12

Liebe Schwestern und Brüder, (liebe Königinnen und Könige)!

Da stimmt was nicht an unsere Krippe: das Kind in der Krippe, Maria und Josef, der Engel, die Hirten mit den Schafen und die Könige mit den Pack-tieren – viel zu viele Personen auf engstem Raum – nicht nur in Corona-Zeiten; es bräuchte Beschränkungen, jeweils eine Gruppe bzw. ein Haus-halt, der mit dem gebotenen Abstand zur Familie zu Besuch kommt.
Das Zuviel an Personen kommt durch die Vermischung der unterschied-lichen Erzählungen rund um die Geburt Jesu in den Evangelien: die Ge-burtserzählung von Lukas mit dem Stall von Bethlehem, den Engeln bei den Hirten, die dann in der Nacht zur Krippe geeilt sind: Rettung und Hoffnung für die Armen auf ein besseres Leben ist ein Schwerpunktthema bei Lukas; Matthäus dagegen schreibt ganz anders – nicht von einem Stall ist die Rede und von Hirten und Engeln schon gar nicht, sondern von einem Haus, zu dem ein Stern die Sternkundigen leitet: Weise Menschen „aus dem Osten“ kommen zum neugeborenen Kind; es geht um königliche Macht und um Weisheit. Beides ist nicht im Königspalast in Jerusalem zu finden – hier herrscht Herodes, der mit aller Gewalt und List seine Macht erhalten will und sie damit letztlich missbraucht. In der Ohnmacht des Neugeborenen zeigt sich dagegen für die „Weisen aus dem Morgenland“ Gottes Allmacht, sein Königtum und seine Weisheit.
Wir stellen in die Krippe die verschiedenen Figuren der biblischen Er-zählungen, die eine jeweils andere theologische Bedeutung haben, die sagen, WER dieser Jesus Christus für sie ist. Mein Patenkind hat einmal einen Spielzeugaffen in die Krippe gestellt – eine Figur aus ihrer kindli-chen Lebenswelt stand somit in der Krippe. Ich gehöre zu Jesus – und er gehört zu mir – ich teile mein Spielzeug mit dem Kind in der Krippe.
Der/die Engel und der Stern sind Figuren und Zeichen des Himmels, sind Boten und Werkzeuge Gottes. Sie ermutigen Menschen zum Aufbruch, zur Suche nach dem Retter, dem neuen König, dem Mensch gewordenen Gott.
Die Krippenfiguren haben sich im Lauf der Zeit verändert:
+ Aus den Sterndeutern wurden durch theologische Deutung im 2./3. Jh. n. Chr. Könige. Wegen der genannten, wertvollen Gaben, Gold Weihrauch und Myrrhe (vgl. Mt 2,11) hat man die Dreizahl der Könige angenommen – wie viele es genau waren, weiß niemand.
+ Diese Könige wurden ganz unterschiedlich dargestellt: ab dem 12. Jh. auch als die drei Lebensalter: einer als Jüngling, einer als Mann und einer als Greis. Jeder, egal welchen Alters, ist eingeladen zu Jesus zu kommen – auch Frauen, die damals noch nicht so im Blick waren. Daher sind bei modernen Krippen auch Königinnen dabei – wie auch bei den Sternsingern, die heuer nicht von Haus zu Haus ziehen können.
+ Die Könige wurden teilweise mit unterschiedlichen Hautfarben dar-gestellt. Entgegen der biblischen Erzählung repräsentierten sie nicht ein bestimmtes Land (vgl. Mt 2,12), sondern verschiedene Erdteile – die Völker der Erde kommen zum Mensch gewordenen Gott.
+ Auch die Sternsinger sollen sich verändern: Keiner soll mehr „der Schwarze“ sein; die sogenannte blackfacing-Debatte kocht immer wieder rund um den Dreikönigstag hoch. Zum Hintergrund: Im 18./19. Jh. haben sich Weise die Haut schwarz gefärbt, um andere Nationalitäten nachzuahmen, sie nicht nur dumm aussehen, sondern auch dumm daherreden zu lassen, sie abzustempeln als Menschen zweiter Klasse – das war und ist Rassismus pur. Der „zwarte Piet“, der Gehilfe des Nikolaus in den Niederlanden, wird daher teils sehr kritisch gesehen.
+ Der „schwarze König“ als Krippenfigur oder Sternsinger hat rein gar nichts mit Lustigmachen oder Rassismus zu tun; der „Schwarze“ ist nicht Sklave oder dummer Lastenträger, sondern hat die gleiche Würde wie alle anderen Könige – Zeichen der Wertschätzung, der Inklusion und Offenheit für alle Menschen, alle Nationalitäten und Kulturen.
+ Das „im Schrank lassen“ oder „Wegnehmen“ des „schwarzen Königs“ – wie einige auch kirchliche Gruppen es fordern – wäre fatal: Rassismus und Nationalismus – dann kämen nur „europäisch“ oder „arisch“ aussehende Könige zu Jesus; alle anderen Nationalitäten wären ausgeschlossen und (willentlich!) ausgegrenzt – wenn wir so handeln würden, wären wir wirklich rassistisch, diskriminierend und dumm.
+ Die Krippenfiguren verschiedener Hautfarbe stehen für die Vielfalt der Nationalitäten: alle sind eingeladen, zu Jesus Christus zu kommen – ohne Zwang; aber auch ohne irgendjemanden auszuschließen! Dafür ist Jesus Christus zur Welt gekommen: für alle Menschen!
+ Das heutige Hochfest, das im Volksmund „Dreikönig“ heißt, trägt den Namen „Erscheinung des Herrn“. Hoffentlich geht uns ein Licht auf, worauf es wirklich ankommt, wenn wir dieses Fest feiern: Jesus Chris-tus ist geboren; er ist das Licht, das nicht exklusiv einem Volk, sondern allen Völkern und allen Menschen leuchtet (vgl. Tagesgebet). AMEN

Hier noch vertiefende Liedlinks:
– Ein Kind geborn zu Bethlehem (GL 767): https://www.youtube.com/watch?v=5kNdgh_1tAo
– Stern über Bethlehem (GL 261): https://www.youtube.com/watch?v=bqmeI6q0Z3U
– Gottes Stern leuchte uns (GL 259)

Ihnen allen und Ihrem Haus(stand) Gottes Segen – werden Sie zum Segen!
20 * C + M +B + 21