PREDIGT Christkönigssonntag (A)

Ez 34,11-12.15-17 + Mt 25,31-46

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder, liebe Jugendliche!

Regieren und entscheiden – auch wenn wir in Deutschland und in Bayern keinen König mehr haben, so gibt es doch Menschen, die dieses Land und uns regieren und Entscheidungen treffen, ja treffen müssen. Gerade in Zeiten des teilweisen lockdowns sind Entscheidungen umstritten – es gibt Befürworter und Gegner: Viele sind dankbar für den eingeschlagenen Kurs „Abstand – Hygiene – Alltagsmasken und größtmögliche Beschrän-kung der sozialen Kontakte“, andere lehnen sich dagegen auf, sehen sich in ihrer Freiheit beschnitten, „wollen selbst darüber entscheiden, ob/wie sie sterben“, andere Regelungen sind fragwürdig „in der Klasse treffen Schülerinnen und Schüler aus 25 Hauhalten zusammen – privat ist dann nur der Kontakt zu einer Familie/zu einem Kind erlaubt.“
Regieren, richten, entscheiden, darum geht es am heutigen Christkönigs-fest. Neben dem Bild von Christus als „König“ stellen die Schrifttexte das Bild von Gott als „Hirten“ und von Christus als „Richter“ – immer geht es bei diesem Königsein in den verschiedenen Aspekten um Macht und um Ausübung von Macht. Im Deutschen kann man damit sprachlich spielen und so Sachverhalten, Abhängigkeiten oder auch Zuständigkeiten ausdrücken: rex populi – König des Volkes, Hirte der Schafe, Richter der Menschen – drückt ein Beziehungsgeschehen aus, aber auf einer neutra-len Ebene. Dagegen zeigt König über das Volk, Hirt über die Schafe, Richter über die Menschen die überlegen Position eines Herrschers an – eine Position die oft zu Abhängigkeit, zu Unterdrückung oder zu Miss-brauch dieser Macht und zu Vertuschung führt(e) – auch in unserer Kir-che bei Hirten und Verantwortungsträgern. Rex populi kann auch als Kö-nig für das Volk und damit sinngemäß als Hirte [in der Sorge] für die Schafe und Richter zugunsten der Menschen übersetzt werden. Je nach-dem welche Übersetzung man wählt, tritt ein anderer Regierungsstil in den Vordergrund, zeigt sich ein anderes Verständnis des Königseins.
Wie geht Jesus Christus mit seiner Macht als König um – er sagt ja von sich selbst: „Mein Königtum ist nicht von dieser Welt. […] Ich bin ein Kö-nig. Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege“ (Joh 18,36*.37*). Das ist die Wahrheit: Mitten in Not und menschlichem Versagen geht Jesus Christus als König den Verlo-renen nach – dafür ist er sich nicht zu schade. Er hat die andern im Blick – fürsorglich: „Ich [selbst] werde meine Schafe auf die Weide führen, ich werde sie ruhen lassen – Spruch Gottes, des Herrn. Die verlorengegange-nen Tiere will ich suchen, die vertriebenen zurückbringen, die verletzten verbinden, die schwachen kräftigen, die fetten und starken behüten. Ich will ihr Hirt sein und für sie sorgen, wie es recht ist“ (Ez 34,15-16; EÜ 1980). Das Königtum Jesu Christi ist damit kein Machtmissbrauch, sondern der Ein-satz seiner Macht – Pro-Existenz – Leben und Dasein für die Menschen. An diesem Königsein Jesus Christi sollen wir Maß nehmen: Leben im Da-
sein für andere – Pro-Existenz – und nicht ein Leben gegen andere. Genau dafür steht das 1925 eingeführte Christkönigsfest: Nach dem ersten Welt-krieg sollte es dem aufbrechenden Individualismus und Nationalismus ent-gegenwirken. Besonders die katholische Jugend feierte Christkönig – das christliche Leben im Dasein für die Menschen – als Gegenentwurf zur Ide-ologie des Faschismus und aufkeimenden Nationalsozialismus: Schwestern und Brüder Jesu Christi statt arischer Herrenrasse und Führerkult. Christ-könig ist auch heute mehr denn je ein Bekenntnisfest für gelebte Nächsten-liebe – für die „Macht der Liebe“ und nicht für die „Liebe zur Macht“!
Für viele ist das Christkönigsfest eine bedrohliche Machtfrage: Christus, der am Ende der Zeit über mich und mein Leben richtet. Das macht ihnen Angst und Druck: Ob ich dem Anspruch Jesu Christi genüge? Ob ich ge-nug getan und Jesus in meinen Schwestern und Brüdern gesehen habe? Nachfolge Jesu Christi bedeutet auch zu urteilen, zu beurteilen, zu richten – nicht über andere; sondern darüber, was in meiner Macht steht und wo meine Grenzen sind. Christus als Richter am Ende der Zeit macht nichts anderes: Er urteilt nicht willkürlich, sondern gerecht und wird mir gerecht. Aus dieser Beurteilung und (Selbst-)Einschätzung heraus kann ich schon zu Lebzeiten handeln und andere richten – nämlich aufrichten in meinem Dasein und meiner Fürsorge für sie in ihren Sorgen und Nöten – gelebte Nähe und Nächstenliebe mit dem nötigen Abstand. Das Regierungspro-gramm des Christkönigs wird so zu meinem: Leben in der Pro-Existenz für Menschen, die mich und meine Hilfe notwendig brauchen. AMEN.

Wochenimpuls

Mitmenschliche Nähe mit Abstand – „Martinsspiel“ 2020
Pantomimische Szenen rund um St. Martin und die Hl. Elisabeth

Vergangenen Mittwoch wären wir auf die Straße gegangen mit Laternen und Lichtern, hätten wir die dunkle Nacht erhellt und des hl. Martin gedacht.
Einzelne Familien habe ich mit ihren Laternen gesehen – sie waren Lichtbringer und Hoffnungsträger – sie haben bewusst oder unbewusst ein Glaubenszeugnis gegeben.
Oft aber haben wir gar keinen Blick für das, was um uns geschieht.

Pantomime: Der Bettler sitzt in seinen Lumpen auf einem Sitzpolster vor dem Altar – er streckt die Hand und bittet um eine Spende
Nacheinander kommen 3 Menschen, die achtlos vorübergehen:
– einer schaut nur in sein Handy
– einer macht einen Bogen um den Bettler
– abwertende Geste „Scher dich zum Teufel“
Der Bettler ist ganz traurig und senkt mutlos den Blick
Martin kommt „herangeritten“ – er sieht den Bettler – er hält sein Pferd an – sorgt sich um den Bettler – teilt den Mantel mit dem Schwert – reitet weiter

Deutungsfragen zum Nachdenken (Pfr. Jung)
Worauf richtet sich unser Blick – haben wir Augen für die Sorgen und Nöte der Menschen?
Um wen machen wir einen Bogen – und warum?
Lassen wir uns vom Leid der Menschen berühren, oder zählt nur das eigene Ich?
Wo nehmen wir uns ein Herz und teilen, damit beide gut leben können – auch wenn wir (aufgrund des Teilens) vielleicht den Spott anderer Menschen auf uns ziehen?
Die Heilige Elisabet hat wie Martin geteilt – Brot und Rosen – Zeichen der Nächstenliebe.

Pantomime: drei hungernde Menschen sitzen auf Sitzpolstern vor dem Altar
Elisabeth schleicht sich heran – sie schaut sich um, dass ihr niemand folgt
der König beobachtet sie heimlich
Elisabeth verteilt aus ihrem Korb Brot an die Hungernden + geht wieder zurück
kurze Pause – hier muss Elisabeth Rosen in den Korb legen und mit dem Tuch verdecken
Elisabeth schleicht sich erneut aus dem Palast
Der König erwischt Elisabet, er hält sie auf und deutet auf den Korb, der mit einen Tuch abgedeckt ist
Elisabeth versteckt den Korb hinter ihrem Rücken
der König entreißt Elisabet den Korb und findet darin „nur“ Rosen

Deutungsfragen zum Nachdenken (Pfr. Jung)
Elisabeth hat ihre Burg verlassen – sie war sich nicht zu fein dazu, den Armen zu helfen.
Wo verlasse ich meine gewohnte Umgebung, um anderen am Rand der Gesellschaft zu helfen?
Wo kontrolliere (und bestimme) ich das Leben und Verhalten meiner Mitmenschen?
Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Wofür könnte(n) die Rose(n) der hl. Elisabeth ein Symbol sein?
St. Martin und die hl. Elisabeth haben, das ihnen möglich getan. Sie haben ihre Talente und Begabungen genutzt – nicht nur für sich, sondern auch um die Nöte ihrer Mitmenschen zu lindern.
Der geteilte Mantel erinnert daran, dass Nächstenliebe Teilen bedeutet: Teilen mit Gewinn, da beide – Martin und der Bettler – es warm haben und (über-)leben können.
Das geteilte Brot erinnert daran, dass kein Mensch auf der Erde hungern müsste, wenn wir die Güter und Ressourcen der Erde gerecht(er) verteilen würden.
Die Rosen sind Zeichen der Liebe – Liebe, die wir einander schenken (… Zeit füreinander, Aufmerksamkeit, Höflichkeit, Ansehen, …) und ohne die Leben lieblos ist
Die Kerze und die Laternen zeigen, dass das Licht nicht weniger wird, wenn man es teilt – sondern die Welt ein wenig heller. Werden wir Lichtbringer und seien wir Hoffnungsträger wie die hl. Elisabeth und St. Martin.

PREDIGT 33. So. i. JK (A)

1 Thess 5,1-6 + Mt 25,14-30

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder, liebe Jugendliche!
Talente mutig einsetzen oder sie ängstlich begraben – das ist die Frage im heutigen Evangelium und auch im Leben.
Wie gehe ich mit den Gaben, die Gott mir geschenkt hat, um? Was mache ich aus meinen Begabungen und Fähigkeiten? Setze ich sie ein?
„Werde Hoffnungsträger!“, so lautet das Motto des heutigen Diaspo-rasonntages. Das meint doch zunächst: Schau genau hin – du trägst doch die Hoffnung schon in dir! Du hast das Talent etwas aus deinem Leben zu machen – Gott hat es dir geschenkt. Mach das Beste daraus! Wie im heu-tigen Evangelium, wo ein reicher Mann sein Vertrauen in seine Diener setzt. Als Herr vertraut er ihnen sein Vermögen an – er teilt es auf. Jeder bekommt einen Teil – jeder Diener so viel, wie ihnen der Herr zutraut. Er geht davon aus, dass er sein Vermögen in die richtigen Hände gegeben hat. Er setzt seine Hoffnung in die Diener, dass sie mit dem anvertrauten Geld einen Gewinn erwirtschaften; dass sie das ihnen anvertraute Gut nicht veruntreuen, oder den Gewinn in die eigene Tasche stecken.
Wie es den Dienern dabei ging, sagt das Evangelium nicht. Wir können nur vermuten, was die Diener denken: Wenn der Herr mir vertraut und mir ei-
1 Die folgende Predigt basiert auf der Predigtanregung von Bischof Dr. Franz Jung, Würzburg zum Diaspora-Sonntag 2020. Ich habe einige Anregungen übernommen und vieles selbst hinzugefügt.
nen Teil seines Vermögens anvertraut, dann traut er mir zu, dass ich es schaffen kann, einen Gewinn zu erzielen. Da wächst das Selbstvertrauen.
Das jeder unterschiedlich viel an Talent(en) vom Herrn bekommt, ist nicht ungerecht, auch wenn wir das im ersten Moment so empfinden. Dieser Verteilung geht die Einschätzung voraus, was der Einzelne leis-ten kann – es ist schon eine Art Bewertung, ein ranking, aber auch ein Schutz vor Überforderung. Wie im richtigen Leben sind die Ausgangs-bedingungen nicht überall gleich – aber es gilt aus den gegebenen Um-ständen das Beste zu machen und ggf. auch für einen Ausgleich zu sor-gen. Der Herr im Evangelium gibt auch dem Schwächsten eine Chance – er respektiert ihn, lässt ihn nicht außen vor, sondern schenkt Beteili-gung und setzt seine Hoffnung auch in den Diener mit dem einen Talent.
Hier zeigt sich die Herausforderung, selbst Hoffnungsträger zu sein: Kann sich die Hoffnung bewähren, die der Herr in jeden einzelnen steckt?
Zwei Diener machen sich ans Werk: Sie wagen den Einsatz ihrer Talente; sie bringen sich und das ihnen anvertraute Vermögen ein. Sie investieren und erzielen einen Zuwachs, einen Gewinn. Es wird klar: Die Hoffnung bewährt sich nicht im Bewahren, sondern wächst im Vermehren. Wenn wir dieses Verhalten auf den Glauben und unsere Kirche übertragen, dann bedeutet das: wenn jede und jeder sich und die anvertrauten Talente ein-bringt, dann sind wir Hoffnungsträger; dann sind wir keine Bedenkenträ-ger und haben keine Angst von unserem Glauben und von unserer Hoff-
nung, die uns erfüllt, Zeugnis abzulegen (vgl. 1 Petr 3,15). Hoffnungsträger wachsen auch in Auseinandersetzungen, im Ringen um gute Wege für die Zukunft von Kirche. Dabei geht es darum, das Glaubensgut nicht einfach zu verwalten, sondern lebendige Kirche vor Ort zu gestalten.
Wir können wie der dritte Diener zwar das Talent eingraben und alles zu bewahren suchen, aber damit ist nichts gewonnen. Sein Verhalten ist ängstlich und hoffnungslos: Er hat, hat kein Selbstvertrauen – sonst hätte er etwas aus dem einen Talent gemacht – und er hat auch kein Vertrauen in andere – sonst hätte er das Geld anderen anvertraut oder wenigstens zur Bank gebracht (damals wohl zu einem höheren Zinssatz als heute…).
Und auch das ist wichtig: Die beiden Hoffnungsträger berichten über ihre Erfolge, darüber, was mit Gottes Hilfe erfolgt ist: „Jeder Hoffnungsträger wächst [so] über sich hinaus und bleibt dem immer größeren Gott auf der Spur bei all dem, was er anpackt und unternimmt“, schreibt der Bischof von Würzburg zum heutigen Diaspora-Sonntag. „Das würde im Übrigen auch für einen Diener gelten, der alles eingesetzt und alles verloren hätte. Denn ganz im Sinne seines Herrn wäre er aufs Ganze gegangen und hätte alles gewagt im Vertrauen auf den, der ihm sein Vermögen überlassen hatte.“ Im Vertrauen auf Gott das Leben und den Glauben wagen, darauf kommt es an: ER, Jesus Christus, ist der Grund unserer Hoffnung – wer auf IHN vertraut, zerbricht auch an den Widrigkeiten des Lebens nicht, denn „es geht im Letzten nie darum etwas zu erreichen, sondern […] da-rum, IHN zu erreichen, der uns den Weg zum ewigen Leben erschlossen hat und der selbst unsere Hoffnung ist“ (Bischof Jung, Würzburg). AMEN.

PREDIGT 32. So. i. JK (A)

Weish 6,12-16 + 1 Thess 4,13-18 + Mt 25,1-13

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Kinder und Jugendliche!
Die Tür ist zu – vor der Nase zugeschlagen. In meiner Jugendzeit ist mir das oft passiert, wenn mein Bruder nach einem Streit wütend aufs Zimmer gerannt ist – da flog die Türe zu und ich stand draußen. Und obwohl ich schon wieder zur Versöhnung bereit war, war die Tür zu. Ich hatte den richtigen Zeitpunkt zur Versöhnung verpasst – zu spät, die Tür war zu und blieb auch zu – zumindest ein zeitlang. Auch ich habe meinen Bruder manchmal ausgesperrt – habe ihn einfach vor der Tür stehen lassen…
Im heutigen Evangelium stehen fünf junge Frauen vor verschlossenen Türen. Sie hatten nicht genügend Öl dabei. Und weil der Bräutigam sich verspätete, den sie heimleuchten sollten, gingen ihre Lampen aus. Ihre fünf Kolleginnen, wollten ihnen von ihrem Ölvorrat nichts abgeben, sonst reicht es weder für uns noch für euch. Mitten in der Nacht mussten sie Öl für ihre Lampen kaufen. Jetzt stehen die fünf Jungfrauen vor verschlossenen Türen. Sie klopfen lautstark an der Tür und bitten um Einlass. Sie wollen bei der Hochzeit dabei sein, die sich drinnen abspielt. Sie wollen dabei sein beim großen Fest, bei Freude und Tanz, beim gu-ten Essen und Trinken – doch die Tür bleibt zu. Und so soll es mit dem Reich Gottes sein? Die verschlossene Tür soll das Symbol dafür sein?
Wenn ich so darüber nachdenke, dann würde ich das Evangelium am liebsten umschreiben: Dann würden die Frauen ihr Öl miteinander tei-len. Oder es würden sich zumindest die Türen für die fünf verspäteten Frauen öffnen. Der Bräutigam würde sie begrüßen und zur Hochzeitstafel geleiten. So stelle ich mir das vor und das würde doch viel besser zur frohen Botschaft Jesu passen, zum Evangelium vom Reich Gottes. Jesus sagt ja auch an anderer Stelle: Bittet, dann wird euch gegeben; sucht, dann werdet ihr finden; klopft an, dann wird euch geöffnet. (Mt 7,7). Doch es hilft nichts: die Tür ist und bleibt zu und das Öl bleibt ungeteilt – schweren Herzens muss ich mich damit abfinden, dass die fünf klugen Jungfrauen drinnen auf der Hochzeit tanzen, die fünf Törichten aber draußen vor der Tür stehen mitten in der Nacht.
Klugheit und Dummheit – das hat nichts mit menschlicher Intelligenz zu tun. Es geht um richtiges uns falsches Handeln, darum kein halben Sachen zu machen. Es geht um die Wachsamkeit für den richtigen Augenblick, auch wenn sich dieser Augenblick hinzieht und auf sich warten lässt.
Gerade in der Verzögerung im Wartenmüssen zeigt sich wahre Bereitschaft und Wachsamkeit. Es zeigt sich, ob Bereitschaft nur oberflächlich ist, alles nur schöner Schein, der nur kurz währt – oder aber ob Bereitschaft aus vol-lem Herzen kommt, aus einer inneren Bereitschaft, die auch für Unerwarte-tes gerüstet ist – mit Geduld und Ausdauer; mit der nötigen Flexibilität und auch mit einem abgrenzenden Nein gegen unberechtigte Ansprüche.

Dass es wirklich um innere Bereitschaft und innere Wachsamkeit geht, zeigt die Tatsache, dass alle zehn Frauen einschlafen. Äußerlich sind al-le gleich. Rein körperlich sind sie am Ende ihrer Kräfte: erschöpft, aus-gebrannt, des Wartens müde.
Die fünf Klugen unterscheiden sich von den Törichten durch ihre innere Bereitschaft und innere Wachsamkeit. Trotz aller äußeren Müdigkeit sind sie bereit, dem Bräutigam mit ganzen Herzen entgegenzugehen. Der Bräutigam, der auf sie zukommt und dem sie entgegengehen wol-len, ist Jesus Christus. Er sucht sie – und sie finden ihn mitten in der Nacht, weil ihre Lampen hell brennen und weil ihre Herzen für diese Begegnung bereit sind. Innerlich brennen ihre Herzen auf diese Begegnung – sie sind ganz davon erfüllt. Und diese innere Bereitschaft kann nicht geteilt werden – die kann ein Mensch nur haben oder eben nicht.
Wir müssen uns entscheiden: sie, sie und sie und du und ich auch. Heute stehen wir an der Stelle der zehn jungen Frauen – egal ob wir Mann oder Frau, Kind oder Greis sind. Wir alle müssen uns entscheiden, wie wir leben und handeln wollen. Es geht um meine Bereitschaft mich Christus zu öffnen, um mich von ihm erfüllen lassen – voll und ganz. Dafür lohnt es sich zu warten und gerüstet zu sein. Jesus Christus wird mich erfüllen und mir Kraft geben, wenn mein Licht zu erlöschen droht und ich glau-bensmüde werde. Mit seiner Kraft kann ich warten und aushalten bis der richtige Augenblick kommt, die Hoch-Zeit meines Lebens. Gott will gemeinsam mit mir in eine himmlische Zukunft gehen; wir alle sind von ihm zu dieser Hochzeit eingeladen. Er kommt uns entgegen und seine Tür steht uns offen: versäumen wir nicht diesen Augenblick. AMEN

Wochenimpuls

Liebe Freunde und Bekannte,
liebe Mitchristen,

nicht immer ist uns nach Hoch-Zeiten zumute – schon gar nicht in diesen Tagen, noch dazu bei Schicksalsschlägen, die uns an Herz und Nieren gehen.
Im heutigen Sonntagsevangelium hören wir von einer Hochzeit – und von Menschen, die den Bräutigam dorthin begleiten und heimleuchten sollen.
… eigentlich eine ehrenwerte Aufgabe…
… doch dann, kommt alles anders.

„Seid also wachsam! Denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde.“ (Mt 25,13) – so endet das heutige Sonntagsevangelium.
Ihnen und Euch allen trotz allem und in allem „offene Türen“, offene Ohren und Herzen – Mitgefühl und Nähe,
Zuspruch, Trost und verbale Umarmungen.
+ Gottes Segen und eine gute Woche!
Bleiben Sie wachsam, seien Sie behütet und bleiben Sie gesund!  

Anbei zur Vertiefung des Sonntagsevangeliums:
– die zugehörige Bach-Kantate: https://www.youtube.com/watch?v=QIHFfuzKYPI
– Bachs Choral Prelude für Orgel zu „Wachet auf ruft uns die Stimme“ (GL 554): https://www.youtube.com/watch?v=VSkz3j9b23Y


Mit freundlichen Grüßen
Dieter G. Jung

Weish 6,12-16 + 1 Thess 4,13-18 + Mt 25,1-13
Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Kinder und Jugendliche!
Die Tür ist zu – vor der Nase zugeschlagen. In meiner Jugendzeit ist mir das oft passiert, wenn mein Bruder nach einem Streit wütend aufs Zim-mer gerannt ist – da flog die Türe zu und ich stand draußen. Und obwohl ich schon wieder zur Versöhnung bereit war, war die Tür zu. Ich hatte den richtigen Zeitpunkt zur Versöhnung verpasst – zu spät, die Tür war zu und blieb auch zu – zumindest ein zeitlang. Auch ich habe meinen Bruder manchmal ausgesperrt – habe ihn einfach vor der Tür stehen lassen…
Im heutigen Evangelium stehen fünf junge Frauen vor verschlossenen Türen. Sie hatten nicht genügend Öl dabei. Und weil der Bräutigam sich verspätete, den sie heimleuchten sollten, gingen ihre Lampen aus. Ihre fünf Kolleginnen, wollten ihnen von ihrem Ölvorrat nichts abgeben, sonst reicht es weder für uns noch für euch. Mitten in der Nacht mussten sie Öl für ihre Lampen kaufen. Jetzt stehen die fünf Jungfrauen vor ver-schlossenen Türen. Sie klopfen lautstark an der Tür und bitten um Ein-lass. Sie wollen bei der Hochzeit dabei sein, die sich drinnen abspielt. Sie wollen dabei sein beim großen Fest, bei Freude und Tanz, beim gu-ten Essen und Trinken – doch die Tür bleibt zu. Und so soll es mit dem Reich Gottes sein? Die verschlossene Tür soll das Symbol dafür sein?
Wenn ich so darüber nachdenke, dann würde ich das Evangelium am liebsten umschreiben: Dann würden die Frauen ihr Öl miteinander tei-len. Oder es würden sich zumindest die Türen für die fünf verspäteten Frauen öffnen. Der Bräutigam würde sie begrüßen und zur Hochzeitsta-fel geleiten. So stelle ich mir das vor und das würde doch viel besser zur frohen Botschaft Jesu passen, zum Evangelium vom Reich Gottes. Jesus sagt ja auch an anderer Stelle: Bittet, dann wird euch gegeben; sucht, dann werdet ihr finden; klopft an, dann wird euch geöffnet. (Mt 7,7). Doch es hilft nichts: die Tür ist und bleibt zu und das Öl bleibt ungeteilt – schweren Herzens muss ich mich damit abfinden, dass die fünf klugen Jungfrauen drinnen auf der Hochzeit tanzen, die fünf Törichten aber draußen vor der Tür stehen mitten in der Nacht.
Klugheit und Dummheit –das hat nichts mit menschlicher Intelligenz zu tun. Es geht um richtiges uns falsches Handeln, darum kein halben Sachen zu machen. Es geht um die Wachsamkeit für den richtigen Augenblick, auch wenn sich dieser Augenblick hinzieht und auf sich warten lässt.
Gerade in der Verzögerung im Wartenmüssen zeigt sich wahre Bereitschaft und Wachsamkeit. Es zeigt sich, ob Bereitschaft nur oberflächlich ist, alles nur schöner Schein, der nur kurz währt – oder aber ob Bereitschaft aus vol-lem Herzen kommt, aus einer inneren Bereitschaft, die auch für Unerwarte-tes gerüstet ist – mit Geduld und Ausdauer; mit der nötigen Flexibilität und auch mit einem abgrenzenden Nein gegen unberechtigte Ansprüche.

PREDIGT Hochfest ALLERHEILIGEN (A)

Joh 3,1-3 + Mt 5,1-12a

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder, liebe Jugendliche!
„Ich mag den November nicht“, so die Aussage nicht nur unseres Minis-terpräsidenten Markus Söder; viele Menschen denken so – und das nicht nur wegen des teilweisen lockdowns und Corona. Auch die Frankenpost zeichnete gestern als Aufmacher auf der Titelseite diese düstere Novem-berstimmung: „Memento mori“ – „Bedenke, dass du sterben musst“, stand in schwarzen Buchstaben vor einem grauen Bild mit verwitterten Fried-hofskreuzen. Darunter der Text: „Corona erinnert uns, wie zerbrechlich das Leben sein kann. So viele Menschen sind bereits an dieser Seuche ge-storben. Ist es nicht unser aller Pflicht, nicht zuletzt im Gedenken an die Toten, achtsam zu sein? Der Verlust eines Menschenlebens wiegt doch ungleich schwerer als ein zeitlich begrenzter Verzicht auf das gewohnte Leben.“ Stimmt. Was mich aber an dieser Aussage gestört hat, waren die Worte, die vor dieser Aussage standen: „Allerheiligen, der Monat No-vember:“ Der Allerheiligentag als Totengedenktag; der Tod kommt auf uns zu – totsicher. Der Tod ist das Ende: Schluss, Aus. Amen. Mehr kommt da nicht – und mehr stand da auch nicht in der Frankenpost.
Wer so schreibt, hat das Fest Allerheiligen nicht verstanden. Allerheiligen ist kein „Totenfest“, sondern ein Fest des Lebens; eine Hoffnung und Ge-wissheit, die über das irdische Leben hinausgeht – wenn man dran glaubt.
Und das ist der Lichtblick gerade in der Düsternis und Bedrohung dieser Tage: „Memento vivere“ – „Bedenke, dass du leben wirst“, dass das Le-ben mit dem Tod nicht zu Ende ist, sondern anders und neu beginnt. Das Fest Allerheiligen ist damit ein österliches Fest – ein Fest mit allen de-nen, die uns im Glauben vorangegangen und bei Gott sind – ein Fest mit vielen Gästen und voller Lebensfreude, nach dem sich viele „im irdi-schen Sinn“ sehnen: endlich wieder feiern können, unbeschwert, ohne Einschränkungen – genau das meint Allerheiligen: ein großes Fest, dass Gott allen bereitet, die an ihn glauben und ihn lieben.
Ich will das aber hier und jetzt – so sagen viele. Ich will nicht auf Gottes ausgleichende Gerechtigkeit warten; ich will nicht aufs Jenseits vertröstet werden – ich will jetzt feiern und nicht erst in der Ewigkeit.
Ja, da können wir etwas tun: wir müssen nicht auf Gottes ausgleichende Gerechtigkeit warten; wir können selbst Gerechtigkeit einüben und andere glückselig machen; wir selbst können ein „Stück vom Himmel auf die Er-de“ bringen, heiligmäßig leben und als „Kinder Gottes“ (1 Joh 3,1) Gottes Handlanger sein – das ist „ars vivendi“, die „Kunst [christlich und gut] zu leben“: Wir können Armut überwinden – wir können Trauernde trösten – wir können wertschätzend und achtsam miteinander umgehen – wir können verzeihen und barmherzig sein – wir können Streit vermeiden und Frieden stiften – und wir können und müssen gegen religiösen Fanatismus die Stimme erheben und ihn bekämpfen. Wenn wir so leben, dann beginnt der Himmel schon auf der Erde; dann haben wir was zu feiern, nicht nur das heutige Hochfest Allerheiligen: Wir feiern und leben im Alltag das Leben in der Nachfolge Jesu Christi, der durch seinen Tod und seine Auferstehung uns den Weg in den Himmel gebahnt hat. Er, Jesus Christus, vollendet un-ser Leben und schenkt Leben, im Hier und Jetzt und darüber hinaus. Licht-blick für uns und Grund zur Freude am Beginn des Novembers. AMEN

Anbei noch zwei Lied-Links zur Vertiefung
– ein Lichtblick („It is well with my Soul“): https://www.youtube.com/watch?v=FexGqNDBK3g
– Näher mein Gott zu dir (Instrumental): https://www.youtube.com/watch?v=gosY-UrpHcA


PREDIGT 30. So. i. JK (A)

Ex 22,20-26 + 1 Thess 1,5c-10 + Mt 22,34-40

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder, liebe Jugendliche!

Derzeit ist unser Leben Corona-bedingt von Verboten bestimmt und auch von Handlungsweisen, die geboten sind: große Menschenansammlungen meiden, Abstand halten, Hygienemaßnahmen beachten, Mund-Naseschutz tragen… 613 Ge- und Verbote kennt das Judentum. Alle 613 sind wichtig. Eines davon als das Wichtigste auszuwählen, hieße sich gegen 612 andere entscheiden. Eine gemeine Falle, die die Sadduzäer und Pharisäer Jesus stellen: „Welches Gebot im [jüdischen] Gesetz ist das wichtigste?“ (Mt 22,36). Jesus wird schon antworten, denkt ein Gesetzeslehrer – und dann haben wir ihn, dann sprechen 612 Gebote gegen ihn; 612 Gebote, die er nicht für so wichtig hält. Jesus aber geht es nicht primär um Gesetze und Paragraphen; er ist kein Paragraphenreiter. Jesus stellt ganz andere Gebote auf: ihm geht es um Beziehung, die Beziehung der Menschen zu Gott.

Diese Liebesbeziehung ist von Gott her in der Schöpfung grundgelegt: Gott liebt jeden Menschen – sogar so sehr, dass sein Sohn Mensch wird; so sehr, dass er ihn am Kreuz für uns hingibt; so sehr, dass er ihn nicht im Tod lässt, sondern uns durch die Auferstehung Hoffnung auf Erlösung und Leben schenkt. Dieses Beziehungsgeschehen, das sich in Jesus Christus ereignet und unsere Antwort herausfordert, kann nicht in Gesetze und Paragraphen gesteckt werden. Die Liebe Gottes zu uns Menschen schreit nach einer Antwort, nach Beziehung – das ist oberstes Gebot: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit deinem ganzen Denken. Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten“ (Mt 22,37-40).

Mit diesem Beziehungsgebot setzt Jesus die 613 Gebote des jüdischen Gesetzes nicht außer Kraft, sondern er verweist auf das Fundament, auf dem sie ruhen: die Liebe zu Gott, zu den Mitmenschen und zu sich selbst. Die Gesetzeslehrer greifen genau da an, um Jesus zu schwächen, ihn lächerlich zu machen, mit ihm zu streiten, bis er mundtot gemacht ist. Heutzutage geschieht es überall dort, wo Menschen ausgebeutet und lieblos für eigene Zwecke ausgenutzt werden; wo die Würde der Menschen mit Füßen getreten wird, wo jeder sich selbst der Nächste ist, nur sich und seinen Vorteil sieht und das alles für selbstverständlich und gerecht hinnimmt.

Das Gebot Jesu ist anders: die Liebe zu Gott, zu den Menschen und zu sich selbst sind einander gleichwertige – gleichwichtige Beziehungen. Da geht es schon auch um mich, aber eben auch um mehr. Das Kreuzzeichen zeigt uns das anschaulich: Die Vertikale, wenn ich Stirn und Brust berühre, steht nicht nur für Herz und Verstand, sondern auch für die Verbindung von Himmel und Erde, für meine Beziehung zu Gott, mit dem ich mich beim Beten verbinde. Die Horizontal, wenn ich meine Schultern berühre, steht für meine Offenheit für meine Mitmenschen, für die Nächsten neben mir, für meine Beziehung zu Menschen nah und fern, ja weltweit, mit denen ich mich beim Beten verbinde.

Diese Beziehungen hängen an mir und sie hängen von mir ab – es hängt von mir ab, ob das Kreuz in diesen, meinen gelebten Beziehungen zu Gott, zu den Mitmenschen und zu mir selbst ein Zeichen der Liebe wird und ist – das ist das Gebot der Stunde, das ist meine Mission als Christin, als Christ: die Liebe Gottes zu leben und meinen Nächsten zu lieben wie mich selbst und so ein Zeugnis gelebten Glaubens zu geben.

In der Vergangenheit wurde im Zeichen des Kreuzes auch mit Gewalt missioniert – dieser aufgezwungene christliche Glaube widerspricht der Botschaft Jesu von der Liebe – diese Zwangsmissionierung war/ist ein Gräuel. Den christlichen Glauben anbieten, ihn vorleben mitten im Alltag – das ist gerade auch bei uns in Deutschland und in Europa notwendig, denn wir sind längst Missionsland geworden und ein Kontinent auf dem der christliche Glaube verdunstet und rapide abnimmt. „Selig, die Frieden stiften und Solidarität leben“ – da können wir als reiche Kirche gerade in Krisenländern und Kriegsgebieten viel bewirken – und wir können uns von deren Glaubensreichtum, vom Glauben an den helfenden, rettenden und liebenden Gott neu begeistern lassen – gemeinsam können wir einander helfen und füreinander in den weltweiten Anliegen für Mission und Dialog mit anderen Religionen, für Gerechtigkeit und Frieden beten. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.   Amen.

NEUE GOTTESDIENSTBEAUFTAGTE IM BISTUM BAMBERG

„Unsere Welt muss nicht zerbrechen, auch wenn sie zerbrechlich ist“

Erzbischof Dr. Ludwig Schick besucht die Pfarrei St. Franziskus in Schwarzenbach/Saale

Im Rahmen einer Wort-Gottes-Feier wurden durch H.H. Erzbischof Dr. Ludwig Schick zwölf Frauen und sieben Männer in St. Franziskus, Schwarzenbach/Saale als Gottesdienstbeauftragte gesendet. Die Kandidatinnen und Kandidaten stammen aus den katholischen Seelsorgebereichen Hofer Land,  Frankenwald, Kronach und Bayreuth, die alle zum Erzbistum Bamberg gehören.

Während der  13 monatlichen Treffen, die von November 2018 bis Januar 2020 jeweils abends stattfanden, erfuhren die Kursteilnehmer den Hintergrund, die Theologie und den Aufbau der sonn- und werktäglichen Wort-Gottes-Feiern. Ein ganzer Studientag stand zudem im Zeichen der Bibel, während am  Abschlusstag eine gesamte sonntägliche Wort-Gottes-Feier erarbeitet wurde. Zum Tätigkeitsfeld der Gottesdienstbeauftragten gehört es, sonn- und werktägliche Wort-Gottes-Feiern selbständig vorzubereiten und zu leiten  oder auch Andachten, Betstunden, Bußgottesdienste, Segensfeiern zu übernehmen. Es gibt viel Arbeit in einer Pfarrgemeinde und wegen des anhaltenden Priestermangels „wenig Arbeiter im Weinberg“.  Jeder Christ ist aufgefordert,  seine persönlichen Begabungen und Charismen entsprechend seiner Kräften einzubringen; die 12 beauftragten Frauen tragen mit ihrem liturgischen Dienst nicht zuletzt dazu bei, dass das Gesicht der Kirche weiblicher wird.

In seiner Ansprache betonte Erzbischof Schick, die Kandidatinnen und Kandidaten sollten das Wort Gottes feiern. Seine Betonung lag auf dem Wort feiern. Die Feier sollte Freude an der Botschaft Jesu bereiten, kein Event darstellen oder eine Konkurrenz zur Eucharistiefeier bedeuten. Die Menschen sollten im Wort Gottes Sinn, Kraft, Trost, Orientierung für ihr Leben finden und erfüllt werden mit Gottes Geist und Kraft. In dieser Zeit der Pandemie sei der Gottesdienst für die Menschen noch wichtiger geworden, denn er bringe den Menschen Licht und Wahrheit.

Der Erzbischof richtete seinen Dank an alle zu Beauftragenden und ihre Familien, an die Kursleiterin Pastoralreferentin Frau Silke Weiser-Oberkofler, an alle Pfarrer und pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die diese Ausbildung ermöglicht haben.

Im Tagesevangelium (Lk 12,1-7) werde die die Heuchelei der Pharisäer kritisiert. Vielmehr sollte die Wahrheit ans Licht kommen. Die Wahrheit aber sei zerbrechlich,  genauso wie auch unser Leben und die  ganze Welt zerbrechlich seien. Aber wir werden nicht zerbrechen, konstatierte der Erzbischof weiter. Als Christen müssten wir Friedensaktivisten sein, jeglichem Rassismus und Nationalismus eine Abfuhr erteilen in der Familie, am Arbeitsplatz oder in der Schule. Wir sollten uns für mehr Gerechtigkeit und Frieden einsetzen und auch die Schöpfung bewahren, appellierte der Erzbischof.  Auch die Corona-Regeln gelte es zu beachten.

„Unsere Welt muss nicht zerbrechen, auch wenn sie zerbrechlich ist. Am Ende Weges werden wir der vollen Sonne entgegensehen im ewigen Licht des Himmels. Das ist unsere Hoffnung. Das Wort Gottes führt ins Licht und lässt uns die Wahrheit empfangen“, erklärte  Schick und verwies damit auf die Aussicht des Menschen auf das ewige Heil  bei Gott.

Erzbischof Schick bat die Gottesdienstbeauftragten um eine sorgfältige Vorbereitung der Feiern, in denen der Geist Gottes spürbar sei. Er lud dazu ein, Gottesdienste stiller, besinnlicher, kontemplativer zu gestalten – Aktionismus oder Gags seien fehl am Platz.

Pfarradministrator Dieter Jung  informierte, dass sich mitten im Alltag  regelmäßig Menschen zum Gebet treffen würden; auch in St. Franziskus gebe es eine treue Gebetsgemeinschaft. Zusammen mit den ehrenamtlich bestellten Wortgottesbeauftragten sorgen sie dafür, dass die Kirchen „durchbetete Räume“ – ein Postulat des Erzbischofs – sind und auch in der Zukunft bleiben werden. „Beschäftigung mit dem Wort Gottes braucht Zeit“, so Pfarrer Jung.  Mit diesen Worten  überreichte er dem Erzbischof ein gebundenes Exemplar seiner Doktorarbeit und dankte Erzbischof Schick, der Jung die Promotion während der Zeit als sein persönlicher Referent in Bamberg ermöglicht hatte.

Dank erging auch an die Pfarrgemeinderatsvorsitzende Heidi Hornig und Günter Konopka, die beide den Dienst als Wortgottesbeauftragte bereits über 20 Jahre ausüben. Heidi Hornig erklärte, ihr mache dieses Ehrenamt immer noch Freude. Ihr sei es wichtig,  dass die Kirche im wahrsten Sinn des Wortes „im Dorf bleibe“. Diese schaffe Heimat und gebe den Menschen das Gefühl “do bin i dahoam.“ Wertschätzung für unsere Region  bewies Frau Hornig auch, indem sie dem Erzbischof ein Körbchen mit Schwarzenbacher Spezialitäten überreichte.

Für Gänsehautmomente sorgte der Solo-Gesang von Frau Marina Schubert, den Orgelpart hatte Herr Martin Wolfers-Mildner inne. Wegen der strengen Hygieneauflagen durften nur zwei Strophen pro Lied gesungen werden. Gesichtsmasken und Abstand waren selbstverständlich.

Mit dem feierlichen  bischöflichen Segen und der Auszugsprozession, begleitet von  Orgelmusik, endete die würdevolle Feier.

Ein gemeinschaftliches Treffen im Gemeindesaal  musste leider entfallen, aber die frisch ernannten Gottesdienstbeauftragten erhielten eine Tüte mit der Beauftragungsurkunde und voller Geschenke und konnten somit die Feier zu Hause nachholen.

IMPRESSIONEN

PREDIGT 29. So. i. JK (A)

1 Thess 1,15b + Mt 22,15-21

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder, liebe Jugendliche!

Steuern – mehr als die Hälfte eines Jahres arbeiten wir für Abgaben an den Staat: Lohnsteuer, Branntweinsteuer, Tabaksteuer, Mineralölsteuer, Mehrwertsteuer. Überall verdient der Staat kräftig mit, wenn ich einkau-fe. Doch ohne Steuern ist kein Staat zu machen: meine Steuern werden gebraucht für Staatsaufgaben und Staatsausgaben. Nicht immer leuchtet mir die sinnvolle Verwendung und die unsinnige Verschwendung von Steuergeldern ein – gerade in schwierigen Zeiten wie diesen.
Was meinst du? Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuer zu zahlen, oder nicht? (Mt 22,17). Eine hinterhältige Fangfrage, die die Pharisäer Jesus stellen: Alle Münzen in der Provinz Juda, dort wo Jesus lebte, zeigen das Bild des Kaisers, des Kaisers des Römischen Reiches. Die pharisäische Steu-erfrage ist also eine Falle: Jesus, wie steht du als Jude, der „immer die Wahrheit sagt und wirklich den Weg Gottes lehrt“ zum römischen Kai-ser? Wie stehst du, der das Reich Gottes verkündet, zum Kaiserreich?
Eine Frage, die in abgewandelter Form heute noch aktuell je ist. Es geht um das Verhältnis von Kirche und Geld. Benedikt XVI. hat diese Frage bereits 2011 in seiner Freiburger Rede thematisiert. Ich zitiere: „Die von ihrer materiellen und politischen Last befreite Kirche kann sich besser und auf wahrhaft christliche Weise der ganzen Welt zuwenden, wirklich weltoffen sein […;] nicht um die Menschen für eine Institution mit eige-nen Machtansprüchen zu gewinnen, sondern um sie zu sich selbst zu füh-ren, indem sie zu dem führt, von dem jeder Mensch mit Augustinus sagen kann: Er ist mir innerlicher als ich mir selbst. Er, der unendlich über mir ist, ist doch so in mir, dass er meine wahre Innerlichkeit ist.“ Dieser in-nerste Wesenskern ist Gott: In der Taufe wurde mir Gott eingeprägt – sein Bild trage ich im Herzen (vgl. Gotteslob 683/6). Es geht darum, als Einzelner und als Kirche loszulassen, was einen in Besitz nimmt, um frei zu sein und frei zu werden für Gott, der mich als Christ geprägt hat: Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört (Mt 22,21).
Es wurde und wird viel diskutiert, wie Entweltlichung in der Kirche zu verstehen ist. Geht es um eine Abwendung von der Welt und ihren Prob-lemen – wohl kaum. Es geht um die Verwendung des Geldes in der Kir-che. Benedikt gab 2011 die Richtung vor, wenn er sagt: „Eine vom Weltli-chen entlastete Kirche vermag gerade auch im sozial-karitativen Bereich den Menschen, den Leidenden wie ihren Helfern, die besondere Lebens-kraft des christlichen Glaubens zu vermitteln. […] Nur die tiefe Beziehung zu Gott ermöglicht eine vollwertige Zuwendung zum Mitmenschen, so wie ohne Zuwendung zum Nächsten die Gottesbeziehung verkümmert.“ Auch Papst Franziskus sagt dies zur Frage von Kirche und Geld mit einfachen Worten: „Ich wünsche mir eine arme Kirche für die Armen“ (EG 198).
Benedikt und Franziskus geht es bei der Entweltlichung um die Men-schen in ihrer Beziehung zu Gott und in ihrer Beziehung untereinander – beides gehört untrennbar zusammen. Geld und Strukturen dürfen den Blick auf die Mitmenschen und auf Gott nicht verstellen. Nur so ist es möglich, dem Menschen das geben, was angemessen und hilfreich ist und Gott geben, was ihm zusteht. Aber was ist das, was Gott gehört?
Es ist die Bereitschaft, diese mir eingeprägte Gottesbeziehung zu entdecken und mich für Gott zu öffnen, mein Leben an seinem Wort auszurichten und danach zu leben. Als Christen sind wir Kirche – engagiert und solidarisch: sei es im haupt-/ehrenamtlichen Engagement, sei es durch meine Bereit-schaft, von meinem „Reichtum“ abzugeben. Dann hat Kirchensteuer ihre Berechtigung, als Geld für Seelsorge und für bedürftige Menschen:
– für Priester und pastoralen Mitarbeiter; für Kirchen und Pfarrheime
– für Religionslehrer im Kirchendienst und Personal in Kindergärten
– für Jugendseelsorge; für Seelsorge in Krankenhäusern uns Hospizen
– für Erwachsenenbildung, Bibliotheken, Schulen, Bildungshäuser
– für Weltkirche und Mission – denken wir an Partnerdiözese Thiès
– für soziale Dienste: Sozialstationen, Altenheime, Beratungsstellen
Ich bin gefragt: Ist es deiner Meinung erlaubt, Kirchensteuer zu zahlen?
Ja, wenn sie den Mitmenschen dient, dass es ihnen gut geht an Körper, Leib und Seele – und wenn wir so Gott nicht aus dem Blick verlieren, weil wir glaubhaft leben und Ihn im lebendigen Glauben bezeugen. AMEN.

Hier noch zwei vertiefende Liedlinks:
– Herr, du bist mein Leben: https://www.youtube.com/watch?v=88TecOwMqyk
– O mein Gott: https://www.youtube.com/watch?v=oQyXn0P4Erk&list=PLwftZk6Pt4oOTpHPsedZIRrXV_TPiaunn&index=56

PREDIGT 28. So. i. JK (A)

Jes 25,6-10a + Mt 22,1-14

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder, liebe Jugendliche!
Eingeladen sein! Wer möchte das nicht! Zu einem Fest erwartet zu werden, ist schön. Aber man kann die Einladung ausschlagen und sich selbst des Festes berauben – in Zeiten von Corona ist alles ganz anders: es gibt Menschen, die unbedingt feiern wollen, – und es gibt Menschen, die auf Abstand bleiben – oder die ihr Fest verschieben (müssen).
Auch im heutigen Evangelium: Eine besondere, eine königliche Einla-dung „Kommt zur Hochzeit“ (Mt 22,4). Eine Hochzeit zu der eingeladen ist, was Rang und Namen hat – ein großes Fest mit festlichem Essen; so könnte das Evangelium und die Predigt enden; traumhaft schön, eine Märchenhochzeit – aber so endet das Evangelium nicht; kein happy end.
Trotz wiederholter Einladung nicht nur Ignoranz, sondern sogar gewalttäti-ges Wehren gegen diese Einladung zum Hochzeitsmahl: die Gäste kommen nicht, sie hatten Wichtigeres zu tun; ja sie sagen nicht einmal ab und brin-gen sogar die Hochzeitslader um… – keine Hoch-Zeit, sondern Tiefpunkt in der Vorbereitung eines Festes – da vergeht einem die Vorfreude besonders als Gastgeber.
Ein zweiter Versuch: „Ladet alle, die ihr trefft, zur [königlichen] Hoch-zeit ein“ (Mt 22,9). Auch wildfremde Menschen sollen kommen, Men-schen ohne Titel, ohne großen Namen, ohne Einfluss, Menschen vom Rand der Gesellschaft, von der Straße. Diese Menschen freuen sich; alle sind eingeladen, „Böse und Gute“ (Mt 22,10) – jede und jeder, ohne Vor-bedingungen; der Hochzeitssaal ist gefüllt mit Gästen; was für eine gute Froh-Botschaft – aber so endet das Evangelium nicht, sondern nur die Kurzfassung – das Hochzeitsfest und die Botschaft gehen weiter:
Nicht nur der volle Saal ist dem einladenden und großzügigen König wichtig: das Fest soll auch schön sein – die Gäste sollen mit einem Fest-gewand kommen und ihrer Freude an der Hochzeit Ausdruck verleihen. Und dann der Rauswurf, weil einer nicht entsprechend gekleidet ist: Ich stelle mir einen Bettler von der Straßenecke vor, oder einen Obdachlo-sen, der unter einer Brücke oder in einem Park sein Quartier aufgeschla-gen hat – wie sein Festgewand wohl aussehen würde, ob er nicht das tra-gen würde und müsste, was er immer anhat – eben weil es nichts anderes zum Anziehen hat, schon gar kein Festgewand? Ist sie da nicht wieder die Zwei-Klassen-Gesellschaft? Sind Arme und Benachteiligte da nicht von vornherein ausgeschlossen trotz der Einladung an alle? Ist die be-dingungslose Einladung nicht doch an Bedingungen geknüpft?
Schauen wir auf uns: Wir alle sind eingeladen zum Fest des Glaubens, zur Feier der königlichen Hochzeit – ja durch die Taufe haben wir schon die Eintrittskarte gelöst; wir sind dabei! Aber es ist ein Irrtum, als „Geladener“,
als Christ, nichts mehr tun zu müssen, nach dem Motto mir gehört bzw. ich besitze das Gottesreich ja schon. Wozu mich da noch anstrengen? Wozu mich besonders für die Begegnung mit Gott vorbereiten?
Ich kann mich entscheiden – in aller Freiheit. Ich kann der Hochzeit, dem Fest des gelebten Glaubens fernbleiben, wie die „Erstgeladenen“ im Evan-gelium: ich kann mich dem Glauben verweigern; ich kann die Einladung Gottes links liegen lassen, sie ablehnen oder sogar die, die sie annehmen, bekämpfen. Aber die Folgen dieser Ablehnung fallen auf mich zurück – das wollen wir heutzutage nicht (gern) hören, aber es ist so.
Die „Ersatzgäste“ bestehen aus „Bösen und Guten“ (Mt 22,10) aus Menschen wie du und ich – das ist mehr als erwartbar war, das ist Gnade. Aber ich bin gefordert auch eine Antwort auf dieses gnadenhafte Handeln zu geben: Er-weise dich der Erwählung als Gast als würdig und tu das dir Mögliche – das Mögliche: der Bettler ist – mit einem Lächeln/Freudestrahlen bekleidet – vielleicht im würdigsten Festgewand zur Hochzeit gekommen…
Ich wünsche mir und uns, dass wir beim heutigen Evangelium, das sicher auch eine Mahnung ist, die Freude angesichts der Einladung nicht aus dem Blick verlieren – Frohbotschaft statt Drohbotschaft: Wir alle sind von Gott eingeladen. Erweisen wir uns der Einladung würdig und machen wir das Beste daraus. Legen wir die sorgenvollen „Alltagskleider“ ab; vielleicht genügt schon ein Lächeln als Gewand für diese Hoch-Zeit, das zeigt, dass wir uns auf diese Begegnung mit Gott freuen. AMEN.