09/25/26
pixabay.de

PREDIGT 25. SO IM JK (A)

(Foto pixabay.de)

Jes 55,6-9 + Mt 20,1-16a

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder und Jugendliche!
Gott rechnet anders. Er hat andere Maßstäbe.1 Er stellt die Logik menschlicher Erwartungen auf den Kopf: „Die Letzten [werden] Erste sein und die Ersten Letzte“ (Mt 20,16a). Die Arbeiter der letzten Stunde bekommen zuerst ihren Lohn, vor all denen, die länger und mehr gearbeitet haben – und sie bekommen gleichviel: einen Denar. Das ist ungerecht, denke ich und das denken sicher auch diejenigen, die auf die Auszahlung warten mussten und dann auch nur einen Denar in Händen halten: Wir haben doch länger gearbeitet als die Kurzarbeiter, da hätten wir doch mehr bekommen müssen! Wir haben auch in der Mittagshitze geschuftet, das hätte der Gutsherr doch mit einer Sonderzulage entlohnen müssen!
Jesus erzählt das „Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg“ (Mt 20,116a) in die Lebenswelt der damaligen Menschen und auch in unsere Zeit und unser Wirtschaftssystem hinein. Dort gilt: Leistung lohnt sich. Wer mehr schafft, hat mehr im Leben. Leistung hat ihren Preis: Mehr oder bessere Leistung kostet mehr bzw. wird höher entlohnt. Im Reich Gottes ist das anders: Bei Gott hat jede(r) einen Wert – menschliche Leistung wir eben nicht „eingepreist“. Jede(r) ist wertvoll, unabhängig von seiner Leistung.
1 Vgl. auch Auslegung zum Evangelium des 24. Sonntags im Jahreskreis (LJ A).
Gott als der „Gutsbesitzer“ (Mt 20,1) ist im Besitz des Guten. Er zeichnet sich durch seine Güte aus: Gott rechnet nicht mit den Menschen ab – auch nicht aufgrund ihrer wie auch immer ausfallenden individuellen Leistung. Er gibt jedem das, was zum Leben notwendig ist, was der zum Leben braucht: Ein Denar ist nach sozialgeschichtlichen Untersuchungen ein durchschnittlicher bis guter Tageslohn, ein Lohn, von dem man gut leben kann. Die Arbeiter der letzten Stunde könnten von ihrem „Minijob“, wenn nur anteilig eine Stunde entlohnt würde, nicht leben, geschweige denn auf Dauer überleben. Der eine Denar sichert als „Mindestlohn“ ihren Lebensunterhalt für einen Tag. Die Arbeiter der ersten Stunde sind dabei nicht benachteiligt. Sie erhalten das, was vereinbart war. Darin zeigt sich die Großzügigkeit und Güte Gottes: Jede(r) kann von diesem Lohn leben. Das ist gut und auch gerecht.
So rechnet Gott: Er zahlt Liebe aus – er macht keinen Unterschied. Er gibt seine Liebe allen, auch denen, die sonst niemand mag oder nicht anwirbt. Er gibt seine Liebe allen – jedem gleich viel – das ist der Unterschied!
Jesus hält mir mit diesem Gleichnis den Spiegel vor: „Ist dein Auge böse, weil ich gut bin?“ (Mt 20,15). Bist du neidisch, weil Gott gut zu anderen ist? Kannst du Mitmenschen, Arbeitskolleginnen, Fremden Gutes gönnen?
Der evangelische Neutestamentler Friedrich Avemarie († 2012) gab auf diese Fragen folgende jesuanische Antwort: „Wenn Menschen, denen es schlecht geht, Gutes erwiesen wird, haben diejenigen, denen es gut geht, keinen Anlass, so zu tun, als geschähe ihnen dadurch ein Unrecht.“
Das gibt mir zu denken – auch und gerade angesichts der sozialen, gesellschaftlichen und politischen Spannungen in Deutschland und weltweit! Deshalb noch einmal zum Nachdenken: „Wenn Menschen, denen es schlecht geht, Gutes erwiesen wird, haben diejenigen, denen es gut geht, keinen Anlass, so zu tun, als geschähe ihnen dadurch ein Unrecht.“
Wenn die Menschen damals und wir heute schon so weit (gewesen) wären, dann wäre das Reich Gottes schon unter uns angebrochen. Und dann könnte Jesus und dann müssten auch wir das heutige Evangelium „andersherum“ erzählen: nämlich nicht aus der Perspektiver der vermeidlich zu Kurzgekommenen, sondern aus der Perspektiver derer, die das Lebensnotwendige erhalten haben und denen so Leben geschenkt wurde.
Gott kann nicht rechnen, sagte die Heilige Therese von Lisieux – oder mit anderen Worten: Gott rechnet anders als wir Menschen – Gott sei Dank! Gott rechnet anders: Er rechnet nicht ab. Er rechnet nicht nach. Er rechnet nicht an. Er rechnet nicht auf. Sondern Gott rechnet mit unseren menschlichen Möglichkeiten als Jüngerinnen und Jünger im Heute. Gott rechnet damit, dass wir ihn als Maßstab unseres Handels nehmen und so unseren Glauben an ihn in die Tat umsetzen: Not wenden – Leben ermöglichen – friedliches Zusammenleben fördern, ohne Neid und Unzufriedenheit, ohne Vorbehalte und ohne Berechnung – dafür mit einem mehr an Liebe und Güte, geschenkte Güte und miteinander geteilte Liebe, die die eigenen Erwartungen zurückstellt, damit auch der/die andere gut leben kann. AMEN.

09/25/26
pixabay.de

PREDIGT 24. SO IM JK (A)

(Foto pixabay.de)

Sir 27,30-28,7 + Mt 18,21-35

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder liebe Jugendliche!
Vergebung ist heute Thema. Viele Fragen schießen mir durch den Kopf: Bin ich verpflichtet immer zu vergeben? Kann ich das überhaupt? Bin ich da nicht schnell der Dumme, ein Schwächling, wenn ich immer und immer wieder nachgebe und verzeihe? Wann ist bei mir das Maß voll? Wo würde ich Grenzen ziehen? Versöhnungsbereitschaft muss doch Grenzen haben.
Petrus zieht diese Grenze in meinen Augen sehr großzügig: Herr, wie oft muss ich meinem Bruder/meiner Schwester vergeben, wenn er/sie sich gegen mich versündigt? Siebenmal? Siebenmal, dem Mitmenschen vergeben, der mir geschadet und Böses zugefügt hat, der mich mit seinem Verhalten terrorisiert – siebenmal vergeben, dann reicht’s aber – siebenmal, dass ist schwer genug, da muss das Himmelreich doch kommen. Petrus wollte mit seiner Antwort glänzen, vor Jesus und den anderen Jüngern gut dastehen – er wollte Vorbild in Sachen Vergebung, wenn man menschliche Maßstäbe anlegt. Doch Jesus misst mit einem anderen Maß: nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal – so die alte Einheitsübersetzung. Die neue übersetzt genauer: siebenmal siebzigmal. Das meint: damit der Himmel schon hier auf Erden anbricht, musst du immer bereit sein, zu vergeben: unendlich oft.
Das ist einfacher gesagt als getan: wie leicht geht es mir über die Lippen, wenn ich etwas falsch gemacht habe: „Der oder die muss mir doch vergeben.“ Wenn ich aber selbst in der Rolle dessen bin, der vergeben soll, kommen Worte der Vergebung und Versöhnung nur schwer über meine Lippen – oft packe ich noch eins drauf, heize den Streit oder die Auseinandersetzung mit spitzen und verletzenden Bemerkungen an: Kleinkrieg mit Worten und Blicken, die töten könnten.
Im heutigen Evangelium finde ich mich in der Rolle des Dieners. Er erfährt vom König gerne Vergebung und Erlass seiner großen Schulden. Aber selbst tut er sich mit dem Vergeben und Schuldenerlass schwer. Der König – ich ahne, dass Gott damit gemeint ist – erlässt dem Diener zehntausend Talente – umgerechnet wären das heute etwa 20 Millionen Euro, eine Summe, die er wohl kaum zurückzahlen könnte. Wie gering sind dagegen die 100 Denare, die ein anderer Diener ihm schuldet, und die er seinem Mitmenschen nicht erlässt. Unsummen und Kleingeld. Auch ich messe häufig mit zweierlei Maß: Großzügigkeit für mich, für meine Schulden und für mein Verschulden – Engstirnigkeit gegenüber anderen und ihr Verschulden. Wie schnell sitze ich in der Schuldenfalle – einer Falle bei der es nicht ums Finanzielle geht, sondern um den Umgang mit Schuld und um das rechte Maß der Vergebung.
Wir Menschen werden schuldig, wir sind Sünder – sie, sie, sie, du und auch ich. Und Schuld kann viele Gesichter haben, von kleinsten Unterlassungen bis hin zu unvorstellbar grausamen Taten. Schuldig werden wir durch das, was ich mir zu Schulden kommen lasse und was wir einander schuldig bleiben: Aufmerksamkeit und Respekt, Wahrheit und nötiger Hilfe, Versöhnungsbereitschaft und Vergebung. Schuldig werde ich, wenn ich mit zweierlei Maß messe.
Damit mein Leben gelingt, muss ich mich auf ein Maß festlegen. Ich muss mich an diesem Maß messen lassen, auch wenn ich durch ein anderes Verhalten Vorteile hätte – alles andere wäre vermessen und maßlos. Gott ist das Maß meines Lebens. Er ist König, der das Maß festlegt: Barmherzigkeit, Erbarmen, Geduld. Diesem Maß soll ich mich verpflichtet fühlen im verantwortungsvollen Umgang mit anderen: Es geht nicht um drohende Zeigefinger oder geballte Fäuste. Es geht nicht ums Richten und Verurteilen. Sondern es geht darum, den Mitmenschen die Hände zu reichen, sie aufzurichten, ihnen zu verzeihen. Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern – beten wir im Vater unser. Wenn dies das Maß unseres Zusammenlebens ist, wenn beide Seiten das wollen und leben, dann leben wir maßvoll. Dann besteht auch die Chance eines Neuanfangs: miteinander statt gegeneinander. Dann können wir die Vergangenheit getrost ruhen lassen, können versuchen, sie versöhnlich abzuschließen, statt miteinander abzurechnen. Wir können auch wilde Zukunftsspekulationen sein lassen, die mehr Verwirrung stiften, Ängste schüren und vieles in eine falsche Richtung lenken. Wir können jetzt, gemeinsam und miteinander, die Gegenwart in Kirche und Welt gestalten: hier und jetzt. AMEN.

06/23/26

STERNSINGER UNTERWEGS

Die Sternsinger aus Schwarzenbach/S. waren kürzlich unterwegs, nicht um den Segen an die Türen zu schreiben, sondern um die Steinbrüche am Epprechtstein zu erkunden. Los ging es am Buchhausparkplatz in Kirchenlamitz. Entlang des Weges gab es Einiges über die Steinbrüche am Epprechtstein zu erfahren. Es ging vorbei an einem noch betriebenen Steinbruch, an stillgelegten Steinbrüchen und an Steinbrüchen, die die Natur bereits zurückerobert hat. Der Gipfel des fast 800 m hohen Epprechtsteins mit der Burgruine wurde erklommen und die Aussicht genossen. Nach einer Stärkung wuchs die Spannung auf die Führung im Steinbruch von Bernhard Oppenrieder. An seinen Erzählungen merkte man die Begeisterung für Stein und speziell für den Epprechtsteingranit. Höhepunkt der Steinbruchführung war das Spalten eines Granitblockes. Alle staunten und waren begeistert, dass sich mit ein paar Keilen so ein mächtiger Steinquader spalten lässt. Hungrig vom Wandern und der Führung war die Brotzeit schnell verzehrt. In der Sonne wurde gechillt. Vor dem Aufbruch hatte Pfarrer Dr. Dieter Jung noch eine Geschichte über Steine beziehungsweise über eine Steinsuppe im Gepäck. Die Kids waren eingeladen auf dem Rückweg einen Stein für sich zu finden und mitzunehmen. Am Granitlabyrinth bemalten die Sternsinger die Steine und verzehrten Muffins. Das Labyrinth lud zum Laufen und Klettern ein. Geschafft ging es wieder zurück nach Schwarzenbach. Der Ausflug hatte das Sternsinger-Team organisiert, um den Kids Danke für ihren Einsatz Anfang Januar zu sagen. (Hermann Knoblich)

 

02/18/26

REIM-PREDIGT 6. SO IM JK (A)

Sir 15,15-20 + Mt 5,17-37 (Langfassung)

Heut, an Fasching, gibt’s gereimte Vers!
Ich hab sie gewiss auch selbst geschrieben,
denn KI tu ich nicht lieben.
Auch wenn sie schnell ist und sehr schlau,
ich lieber meinem Verstand vertrau,
denn heute geht’s um heikle Sachen –
es ist nicht immer nur zum Lachen:
So ist die Welt, ihr lieben Leut’,
auch wenn wir Fasching feiern heut.
Ich grüß euch alle, Groß und Klein,
im Alltagskleid oder im Verkleidet-Sein,
willkommen ist jederman(n) und jede Frau
ich grüße Euch heute mit „Helau“!
Wer letzte Woche war schon hier,
der weiß: „Salz der Erde“ – das sind wir –
und Bergesstadt und „Licht der Welt“ (vgl. Mt 5,13-16),
es zeigt sich, wie’s um uns bestellt.
An meinem Leben sichtbar wird,
wie sich Christsein konkretisiert.
Heute (vgl. Mt 5,17-37) zeigt Jesus, wofür ER steht,
Radikalität ist es, worum es IHM geht.
Nicht radikal, nicht links, nicht rechts,
solche Radikalität bewirkt nur Schlecht’s –
Jesus geht es nicht um Spaltung,
sondern um Synodalität und die richtige Haltung:
Verhalten, das Zusammenhalt stärkt und Hoffnung bereitet
und das nicht Angst und Schrecken hier und weltweit verbreitet.
Wir haben die Wahl – nicht nur in 14 und in 21 Tagen –
tagtäglich tun wir Verantwortung tragen,
wie’s weitergeht in Pfarrei und in unserem Land:
Wir haben’s wirklich in der Hand!
Alternativen scheint es ja zu geben –
doch prüfe wie im wahren Leben,
ob’s wirklich eine gute Alternative ist,
wenn ich als Christin oder Christ,
die Alternative wähle, die will Kirche(n) schaffen ab…
Ich bin doch nicht blöd und schaufle mir mein eignes Grab!
Zurück zu Jesu Radikalität
darum sich heute alles dreht:
Gesetz und Propheten als Grund zum Handeln,
was Wahrheit ist, kann sich nicht wandeln.
Jesus sieht sich als Erfüller
auf den ersten Blick wahrlich nicht der Knüller –
da ändert sich nichts, alles bleibt beim Alten,
da wird mein Interesse schnell erkalten.
Doch Jesus geht den Geboten auf den Grund,
nicht pharisäisch-oberflächlich – das ist das Gebot der Stund’.
ER will den tief’ren Sinn in den Geboten seh’n,
der uns hilft, gutes Zusammenleben zu versteh’n.
„Du sollst nicht töten“ – stimmt genau!
Doch wenn ich da auf Putin schau
und Kriegsgemetzel in vielen Ländern,
da müsst sich wirklich viel verändern!
Frieden, der hält, was er verspricht,
ihn zu finden – einfach ist das nicht.
Da müssten erst mal die Waffen wirklich ruh’n
nicht nur bei Verhandlungen und so zu tun,
als hätte man doch nichts verbrochen,
wenn Heizung und Versorgung sind unterbrochen,
wenn Menschen frieren und hungern dann,
das ist perfide, Mann o Mann.
Jesus ist da radikal:
Zürne und schimpfe nicht einmal.
Sonst bereitest du die Hölle dir,
nicht erst später, sondern hier:
Hölle im Zusammenleben,
wenn du nicht tust nach Frieden streben;
schon jedes kleine, böse Wort
pflastert den Weg zur Höllenpfort’!
Versöhnung, darauf kommt es an,
damit endlich Frieden werden kann.
Das gilt auch bei Ehestreiterei’n,
damit man auf Dauer kann glücklich sein.
Liebe und Treue sind essentiell,
denn sonst zerbricht die Ehe schnell
und auch so manche Partnerschaft,
wenn man nach anderen Weibern oder Kerlen gafft.
Auf wahre Liebe kommt es an,
auf Liebe, die man nicht – wie bei Epstein – als Ware kaufen kann.
Das „h“ entscheidet, ob es wahre Liebe ist oder Liebe als War’
„h“ wie Himmel oder Hölle, da ist Jesus ganz klar:
Schon ein lüsterner Blick, Vorstufte zum Seitensprung –
wahre Liebe nimmt das krumm.
Echte Zuwendung, die ist gefragt,
und Verantwortung ist angesagt
füreinander an guten und an bösen Tagen,
miteinander das Leben und die Liebe wagen.
„From nine to five“ – das greift zu kurz,
die work-life-balance, die ist der Liebe schnurz:
Acht Stunden lieb ich dich und dann nicht mehr –
wie soll das gehen bitte sehr?
Wahre Liebe macht Arbeit, das ist klar:
Liebe schulden wir einander immer (vgl. Röm 13,8), das ist wahr!
Work-life – auch im Glauben ist das nicht zu machen:
Da gibt es keine halben Sachen!
Entweder bin ich Christ oder ich bin es nicht,
o Jesus, meine Zuversicht.
Christ bin ich rund um die Uhr
das ist nun mal meine Natur –
und auch die Gnade, Gott gegeben,
gilt nicht nur Lifestyle-Teilzeit, sondern ein ganzes Leben!
Manchem ist das vielleicht zu radikal,
doch Gottes Gnad’, die gilt total,
trotz meiner Schuld und noch bevor ich was leiste.
Erst dann komm ich ins Spiel und ich glaube, das weißt’e:
Verantwortlich leben mit Menschen, mit Gott,
diesen Weg zeigen uns die Gebot’.
Ein(e) jede(r), kann sie halten, wenn er/sie es nur will.
Der freie Wille der kommt dann ins Spiel (vgl. Sir 15,15-20):
Der Mensch kann frei entscheiden, er trägt die Konsequenz;
einen manchen verführt „absolute Freiheit“ zur Dekadenz:
Putin, Trump und and’re radikale Egoisten,
greifen nach Ländern, fragen nicht nach Menschen und Fristen,
nehmen sich Nobelpreise und was sie sonst noch haben wollen,
drohen mit Zöllen und Einlasskontrollen,
wollen selbst Gott sein – es macht ihnen Vergnügen
andere so kleinzukriegen.
Die Natur, die ist am ärmsten dran,
die Klimakrise erkennen sie nicht an,
das Gesetz bin ich – ein einzelner Mann –
wie man nur so überheblich sein kann.
Für üble Machenschaften missbrauchen sie Gott –
das widerspricht seinem Gebot.
Menschenrechte sind ihnen egal
und wer nicht spurt, erfährt brutal,
und blutig Unterdrückung pur –
Kalifat, ein „Gottesstaat“ wider göttlicher Natur:
Denn wo Liebe nicht zu spüren ist,
dort Gott auch nicht zu finden ist!
Das ist uns allen mitgegeben:
Orientiere dich an Gott und lebe dein Leben.
Nimm Gottes Gebot als Angebot an,
als Wegweiser, nach dem man sich gut richten kann.
Wir sollen nicht schwören, solch Lippenbekenntnis braucht es nicht, nein:
Euer Ja sei ein Ja, Euer Nein sei ein Nein!
Auf Verlässlichkeit im Leben, darauf kommt es an.
Gott hat uns nicht verlassen: Er ist der, auf den sich jede(r) verlassen kann.
Auch wir seien verlässlich, in unserem Reden und Handeln,
dann werden wir unsere Welt verwandeln.
Glaubt an Gott, seid zur Liebe bereit,
suchet das Gute allezeit.
Dann wächst Ehrlichkeit und Zusammenhalt,
und kittet der Gesellschaft Spalt.
Wir haben die Wahl, wir alle zusammen.
Gelobt sei Jesus Christus! AMEN!

10/7/25

PREDIGT 27. SO IM JK (C)

2 Tim 1,6-8.13-14 + Lk 17,5-10

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder und Jugendliche!
Können Sie sehen, was ich in der Hand habe (Senfkorn )? Es ist sogar so klein, das ich es zwischen den Fingern halten kann.  Meine Finger sind zu groß und der Gegenstand zu klein. Es ist ein kleines Senfkorn – auch ein Korn, das geerntet wurde wie vieles andere auch, wofür wir heute an Erntedank Gott loben. Wir sind dankbar, dass aus kleinen Samenkörnern – gehegt von Gärtnerinnen und Landwirten – große Pflanzen geworden sind und dass vielerorts eine gute und reiche Ernte gereift ist. Gott sei Dank – Erntedank!
Im zweiten Brief schreibt Paulus seinem engen Mitarbeiter Timotheus vom „anvertrauten kostbaren Gut“ (2 Tim 1,14), das uns Menschen in die Hand gegeben ist. Bezogen auf das heutige Erntedank-Fest können wir die „Erde und alles, was auf ihr wächst“ als dieses kostbare Gut anse-hen, für das der Mensch verantwortlich ist (vgl. Gen 1,28-29 bzw. Gen 2,15): behüten, beschützen und bebauen soll der Mensch die Erde – soll seinen Nutzen aus ihr ziehen, aber die Erde und ihre Ressourcen nicht ausnutzen, sondern sie so gebrauchen, dass Lebensräume erhalten werden und auch zukünftige Generationen auf der Erde gut leben können. Uns ist die Erde übergeben. Gott sei Dank – Erntedank!
Als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Schöpfers haben wir die Verantwortung für das zerbrechliche Ökosystem unserer Erde, für den Pflanzen- und Artenreichtum. Die aktuelle Klimakrise zeigt, dass wir schon Jahrzehnte lang die Erde immer mehr ausbeuten, um auf unsere Kosten zu kommen: immer mehr für einzelne Personen und Firmen, Staaten und Kontinente –die Bewältigung der Klimakrise wird uns einiges kosten. „Wir müssten bescheidener werden“ – dazu mahnte Papst Franziskus in seiner vor zehn Jahren veröffentlichten Enzyklika Laudato si; wir müssten „das Notwendige zu teilen, damit Not gewendet wird“ (vgl. LS 52 und v.a. LS 203-221). Ich kaufe einfach ein – und dann kommt bei vielen das große Wegschmeißen. Dabei ist vieles zu gut für die Tonne! Denk mal nach, was du ändern kannst, damit nicht mehr wie in Deutschland durchschnittlich fast 75 kg Lebensmittel pro Person jährlich in die Tonne wandern! Gott sei Dank – Erntedank!
Das „anvertraute kostbare Gut“ (2 Tim 1,14), von dem Paulus schreibt, ist der Glaube, der uns als „kostbare Gut“ wie ein Samenkorn in die Hand gegeben ist: klein, aber voller Entfaltungskraft. Der Glaube kann wachsen, wenn ich ihn wie ein Samenkorn aufgehen, wachsen und reifen lasse – jede und jeder kann viel tun, dass der Glaubenssame aufgeht und wächst: Beten, in der Bibel lesen und darüber sprechen, den Gottesdienst besuchen, anderen helfen, in den Familien den Glauben vorleben und als etwas Positives, Haltgebendes, Tragendes und Tröstendes erlebbar werden lassen. Aber es liegt nicht alles liegt in unserer Hand. Es gilt nicht zu verzagen, sondern auf
Gottes „Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit“ (2 Tim 1,7) zu bauen. Er ist der Nährstoff, den ich als zartes „Pflänzchen“ brauche, damit mein Glauben gut wachsen und erstarken kann.
„Alles kann, wer glaubt“ (Mk 9,23) bzw. „Glaube versetzt Berge“, so sagt Jesus: ein winzig kleiner Glaube soll sogar einen fest verwurzelten „Maulbeerbaum“ (Lk 17,6) versetzen können. Also mir ist das beim Kirschbaum in meinem Garten bisher nicht gelungen. Ob ich zu wenig glaube?
Ich glaube nicht – wenn ich auf das vergangene Jahr zurückblicke, konnte ich auch da Einiges ernten, Früchte des Glaubens nämlich: Liebe und Freude, Geduld – auch wenn mir das oft schwerfiel – dann auch Freundlichkeit und Güte, gelingende Beziehungen und Freundschaften, Treue und Wahrhaftigkeit und noch andere mehr. Schauen Sie doch mal in einer ruhigen Minute im „Garten ihres Lebens“ nach, was es bei Ihnen „auf dem Feld des Glaubens“ (neben so manchem Unkraut) vielleicht besser oder ganz anders gewachsen ist, als anfangs gedacht, was es an Gutem und Nützlichem zu ernten gab und seien Sie dankbar dafür. Gott sei Dank – Erntedank!
Ich glaube, Jesus will uns mit dem Senfkorn-kleinen Glauben sagen, dass es gar nicht so viel braucht, damit etwas Wunderbares entstehen kann; dass mit Glauben und Glaubenskraft in der Kraft des Heiligen Geistes Unmögliches möglich werden kann, so wie es der folgende Satz sagt, der Franz von Assisi zugeschrieben wird: „Tue zuerst das Notwendige, dann das Mögliche und plötzlich schaffst du das Unmögliche.“ AMEN.

10/7/25

PREDIGT 26. SO IM JK (C)

1 Tim 6,11-16 + Lk 16,19-31

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder, liebe Jugendliche!
Da kann ja jeder kommen! So sage ich oft, wenn mich eine Anfrage nervt oder wenn ich ein Anliegen nicht ernst nehmen will. Da kann ja jeder kommen! Oft urteile ich über Menschen aufgrund ihrer äußeren Erscheinung, ohne mir die Mühe zu machen, mit ihnen zu reden, und ohne sie zu fragen, was sie wirklich brauchen. Da kann ja jeder kommen! So sage ich oft, wenn ich Menschen in Not Hilfe oder Unterstüt-zung nicht zugestehen oder gewähren will. Da kann ja jeder kommen!
Da kann ja jeder kommen! Denkt sich vielleicht der reiche Prasser aus dem heutigen Evangelium. Wenn ich dem die Tür öffne, dann habe ich morgen nicht nur einen, sondern viele und bald alle Armen und Bedürftigen der Stadt. Da könnte ja jeder kommen! … Und das will ich nicht! Die Tür bleibt zu! Drinnen sorgloses Feiern – draußen sorgenvolles Leben und die bange Frage, wie Leben, ja das Überleben des heutigen Tages möglich ist. Draußen vor meiner Tür – außerhalb meiner vier Wände – außerhalb meines Denkhorizontes. Ausgegrenzt und ausgesperrt: aus den Augen aus dem Sinn – ich sehe es ja nicht und muss mich nicht damit belasten, geschweige denn darum kümmern. Ausgegrenzt und ausgesperrt: aus meinem Leben und oft auch vom Zusammenleben in der Gesellschaft.
Da kann ja jeder kommen! Oftmals entscheidet sich hinter verschlossen Türen, wer wie am Leben teilhat. Und wenn die Tür zu bleibt, dann fehlt der Blick auf die Realität, auf das wahre Leben vor der Tür – und es kommt auch niemand durch diese Tür, der von dieser Wirklichkeit „draußen“ berichtet. Verschlossene Türen sperren aus und fixieren Machtgefälle – auch im realen Leben tun sich da oft unüberwindliche Abgründe auf, über die viele nicht aus eigenen Kräften hinwegkommen.
Da kann ja jeder kommen! – aber Paulus ist nicht irgendwer. Er, der in manche Abgründe des Lebens und Glaubens geschaut hat, schreibt an Timo-theus: Lebe deinen Glauben und deine Frömmigkeit bewusst (vgl. 1 Tim 6,11f) – gut so! Aber zum Glauben gehört auch die konkrete Umsetzung und die Hinwendung zu den Menschen in Not: Glauben und Handeln gehören zusammen, denn sonst tun sich Abgründe auf! Nur Gebet, nur Gottesdienst, nur Frömmigkeit verschließt meinen Blick auf die Nöte der Mitmenschen – die ich dann ausschließe, die ich nicht sehe oder nicht sehen will. Paulus sagt zu Recht: „Gott gebührt Ehre und ewige Macht“ (1 Tim 6,16) – und mit Irenäus von Lyon können wir sagen „Die Ehre Gottes ist der lebendige Mensch.“ Durch den Menschen soll Gott und Gottes Herrlichkeit hindurchscheinen, auch seine Barmherzigkeit, Menschenfreundlichkeit und Liebe.
Da kann ja jeder kommen! So lautet das Jahresmotto der CARITAS und das Motto am heutigen Caritassonntag – und es ist Programm: Da kann ja jeder kommen. Caritas öffnet Türen. Das klingt einladend, offenherzig und gastfreundlich. Die CARITAS ist als katholischer Wohlfahrtsverband eine wich-tige Anlaufstelle für alle Menschen in Not; die CARITAS fragt nicht nach Herkunft, Geschlecht oder Religionszugehörigkeit; die CARITAS hilft dort, wo Menschen Hilfe brauchen – Menschen, die wie Lazarus einen Namen und ein konkretes Schicksal haben – egal warum sie in Not geraten sind: Da kann ja jeder kommen. Caritas öffnet Türen durch professionelle Hilfe der Fachdienste, Beratungsstellen und Einrichtungen der CARITAS.
Da kann ja jeder kommen. In der Welt haben die Reichen, Mächtigen und Großen einen Namen – bei Gott, der Liebe ist (vgl. 1 Joh 4,16), ist das anders: Da ist der reiche Prasser namenlos anonym und könnte jedermann und jede Frau sein – der Arme, der im liebenden Blick Gottes ist, er ist namentlich genannt. Da kann ja jeder kommen. Das ist die Zusage Gottes an uns Menschen: „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid“ (Mt 11,28). Bei Gott und zu kann jede(r) kommen – und das Ziel seines Kommens ist klar: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben, und es in Fülle haben“ (Joh 10,10). Dieses Leben in Fülle ist allen zugesagt. Gott macht da keinen Unterschied zwischen Arm und Reich, wenn ich mich für ihn öffne.
Da kann ja jeder kommen – ich auch. Es wäre zu einfach, mein Hinsehen und meine Hilfe abzuschieben und zu delegieren; mein Blick und mein Handeln ist gefragt: Da sein für die kleinen Sorgen und Nöte im Alltag meiner Mitmenschen – ja, da kann jede(r) kommen! Meine Tür steht offen, v. a. die Tür meines Herzens – das ist gelebte CARITAS, gelebte Liebe. AMEN.

10/7/25

PREDIGT 25. SO IM JK (C)

Am 8,4-7 + Lk 16,1-13 (Langfassung)

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder, liebe Jugendliche!
„Und der Herr lobte den ungerechten Verwalter, weil er klug gehandelt hatte“ (Lk 16,8). Von diesem Menschen, der sich durch Verschlagenheit, Unzuverlässigkeit und Faulheit auszeichnet, soll ich mir eine Scheibe abschneiden? Den stellt Jesus mir als kluges Vorbild vor? Soll ich etwa auch andere betrügen und Eigentum und Geld, das mit nicht gehört, ausgeben – das wäre ja Diebstahl! Soll ich auch so handeln: Hauptsache ich habe meinen Nutzen – bin mir keiner Schuld bewusst – der Schaden, den andere haben, ist mir egal?
Sicher nicht – das hat Jesus sicher nicht gemeint. Aber worin besteht dann die Klugheit des ungerechten Verwalters, die Jesus lobt und alle Fehler und jedes Fehlverhalten unter den Tisch fallen lässt?
„Klugheit ist die Selbstorientierung in der Welt“ – so eine Definition: Wenn ich klug bin, dann finde ich mich in der Welt zurecht, dann handle ich so, wie es die Situation erfordert, dann gelingt mein Leben. Wenn also der Verwalter von Jesus als klug bezeichnet wird, muss ihm also etwas gelingen: Der Verwalter erkennt seine missliche Lage. Sie ist aussichtslos. Er wird in Kürze als Verwalter abgesetzt werden. Er könnte die letzte Gelegenheit nutzen, um Geld in die eigene Tasche zu scheffeln – ist ja egal – entlassen werde ich sowieso. Er macht es nicht – das ist klug!
Trotzdem veruntreut der Verwalter Geld – zumindest, wenn ich der Einheitsübersetzung Glauben schenke: dort ist vom „ungerechten Verwalter, der klug gehandelt hat“ (Lk 16,8) die Rede. In dieser Übersetzung wird das Verhalten des Verwalters als Fehlverhalten, als ungerecht bewertet. Im griechischen Originaltext steht jedoch: „Verwalters der Ungerechtigkeit“ (τὸν οἰκονόμον τῆς ἀδικίας). Damit ist nicht der Verwalter ungerecht, sondern das System! In der Theorie, wie sie im Buch Levitikus benannt ist, ist das klar: „Du sollst […] weder dein Geld noch deine Nahrung gegen Zins und Wucher [anderen] geben“ (Lev 25,37). In der Praxis aber wurden auf verliehene Nahrungsmittel je nach Verderblichkeit in der damaligen Zeit 20 bis 50 Prozent Zinsen erhoben! Die Schuldner konnten diese Wucherzinsen in den seltensten Fällen zahlen – sie saßen in der Schuldenfalle. Verarmung und Versklavung bedrohte die Familien. Wenn der Verwalter also diese Wucherzinsen erlässt – mehr macht er nicht – dann schadet er seinem reichen Herrn nicht, denn der erhält ja das verliehene Gut zurück. Der kluge Verwalter hilft aber den Schuldnern, nicht in noch größere Abhängigkeiten, nicht in noch mehr Schulden und noch größere Armut zu geraten – das ist klug!
Durch dieses Verhalten des Verwalters wird der „Teufelskreis der Armut“ gestoppt. Der Verwalter kämpft mit seinen Möglichkeiten gegen die Ungerechtigkeit und schafft sich so Freunde bei den Abhängigen des ungerechten Wirtschaftssystems: bei denen, die zu arm und zu schwach sind, sich selbst aus der Schuldenfalle der Armut zu befreien. Der Verwalter „kauft“ also keine Menschen, um seine eigene Haut zu retten, wenn er den Posten als Verwalter verliert. Nein, er erweist sich vielmehr als Menschenfreund und hofft auf die Menschenfreundlichkeit der anderen – das ist klug!
Die Klugheit des Verwalters hat also primär nichts mit Verschlagenheit und Unterschlagung zu tun, die der Prophet Amos zu Recht anprangerte, sondern mit menschengerechtem Handeln. Gutes und gelingendes Zusammenleben aller Menschen ist möglich: unsere Erde theoretisch kann bis zu 13 Milliarden Menschen dauerhaft ernähren, wenn wir die Nahrungsmittel gerecht verteilen würden – derzeit sind wir über acht Milliarden Menschen und eine Welt ohne Hunger ist praktisch in weiter Ferne. Notwendig im wahrsten Sinn des Wortes wäre ein Stopp von Ausbeutung und Gewinnmaximierung: zurzeit des Propheten Amos machten Betrüger den „Abfall des Getreides […] zu Geld“ (Am 8,6); heutzutage verbrennt man mancherorts Getreide lieber, als damit hungernde Menschen zu ernähren, das ist lukrativer für die eigene Tasche. Das ist eine wirtschaftliche Abhängigkeit und ethische Misere, weil Subventionen und Preispolitik das Geld über den Menschen stellt und mit der Armut eines Großteils der Menschheit Geschäfte gemacht werden. Da sind die uralten Worte des Propheten Amos erschreckend aktuell.
Liebe Schwestern und Brüder, jeder verwaltet sein Leben und waltet über das Leben anderer Menschen. Die Punkrockband Die Ärzte brachten das prophetisch ins Lied: „Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist; es wär nur deine Schuld, wenn sie so bleibt.“ Klugheit ist gefragt: Ich bin angefragt und mein Verhalten ist in Frage gestellt. Wie kann ich klug handeln – für mich und für meine Mitmenschen? Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist; es wär nur deine Schuld, wenn sie so bleibt.

10/7/25

PREDIGT 23. SO IM JK (C)

Weish 9,13-19 + Lk 14,25-33

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder und Jugendliche!
Nach den Ferien und zu Beginn des neuen Schuljahres müssen Menschen sich umstellen – ich mich auch: Von Ferien auf die bald beginnende Schule und auf die Arbeit, auf neue Aufgaben und Menschen, die mir wieder oder zum ersten Mal begegnen. Ich brauche Zeit, um mich darauf einzustellen, auf Namen und die zugehörigen Gesichter, auf veränderte Arbeitsabläufe und Zuständigkeiten – es braucht Zeit, bis sich alles wieder eingespielt hat.
Auch in unserem Seelsorgebereich hat sich einiges verändert: Seit 1. September ist PV Fiedler Leitender Pfarrer in Kulmbach – sein Nachfolger im SSB Hofer Land ist der engagierte Kaplan Christopher Helbig; mit Herrn Fritzsch haben wir einen motivierten neuen Geschäftsführer für unsere Kitas; ab Oktober wird Herr Dr. Leroy die Stelle des „Referenten für Öffentlichkeitsarbeit“ im SSB übernehmen, eine Projektstelle, die zu 100 Prozent von Bamberg finanziert wird. Der Leitende Pfarrer Fleischmann ist aktuell im Krankenstand und fällt wohl noch länger aus. Für mich als sein Stellvertreter bedeutet das zusätzliche Aufgaben schultern. Ich bin dankbar für das Pastorale Team, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Verwaltung und den Pfarrbüros und die vielen Ehrenamtlichen, die diese Situation mittragen. Wie wird es weitergehen? – diese Frage steht im Raum.
Was war nochmal die Frage? – könnten wir Jesus fragen, denn im heutigen Evangelium (Lk 14,25-33) hörten wir nur seine Antwort. Vielleicht lautete die Frage der Menschen, die Jesus nachfolgten auch: Wie wird es weitergehen? Wie sieht unser weiterer Weg mit dir aus? Was erwartet uns?
Die Antwort Jesu ist ziemlich radikal. Er spricht über den Ernst der Lage: Euphorie und anfängliche Begeisterung reichen auf Dauer nicht, um Jesus nachzufolgen. Einfach nur mitlaufen genügt nicht, um Jünger(in) Jesu zu sein. Nachfolge ist nicht all inklusive, keine Rundumversorgung, sondern Verzicht und Entschiedenheit für Jesus und seine Botschaft. Jesus selbst fordert sie ein, mit allen Konsequenzen: nicht nur ein Dabeisein bei Festen und Feiern, an schönen Tagen, wenn alles „wie von selbst“ läuft, sondern auch ein Dabeibleiben, wenn es schwer wird, wenn Einschnitte drohen, wenn Vertrautes und/oder Liebgewonnenes schweren Herzens aufgegeben werden muss, wenn der Weg zum Kreuzweg wird. Leben in der Nachfolge Jesu fordert die Bereitschaft zum Kreuz – damals wie heute. Im heutigen Evangelium ermutigt Jesus die Jünger(innen), trotzdem Nachfolge zu wagen, aber auch die Tragweite der Entscheidung für das Kreuz zu bedenken.
Was bedeutet das für unseren Weg als Seelsorgebereich oder als einzelne Pfarrgemeinde? Wie sieht unser weiterer Weg aus?
Es gilt, den SSB Hofer Land als Ganzes in den Blick zu nehmen und nicht nur Einzelinteressen. Wir müssen sehen, ob die Kräfte reichen, was tragbar und erträglich ist, und auch entscheiden, wie die Kräfte sinnvoll zu bündeln und wo Aufgaben neu zu verteilen sind, oder teilweise auch auf- oder ab-
geben werden müssen. Niemand soll unter der Last zusammenbrechen. Dazu mahnt Jesus mit den Beispielen vom Bau- und Kriegsherrn im Evangelium. Das heißt übertragen auf unsere Situation: die Kräfte gut einzuteilen, damit niemand, weder die Haupt- und Ehrenamtliche noch die einzelnen Pfarrgemeinden, auf der Strecke bleiben oder aufs Kreuz gelegt werden.
Das Kreuz soll auch nicht wie ein Damoklesschwert über uns hängen und uns Angst machen. Das Kreuz ist vielmehr eine Einladung, es mit dem Kreuz und unter dem Kreuz auszuhalten, weil Jesus als der auferstandene Gekreuzigte diesen Weg mit uns geht und (er)tragen hilft. Schauen wir auf das Logo des Heiligen Jahres: Als „Pilger der Hoffnung“ sind wir „Kreuzträger“ und gehen in der Nachfolge Jesu Christi gemeinsam den Weg.
Angesichts des Kreuzes könnten wir uns beschweren, aber genau das meint Jüngerschaft in der Nachfolge Jesu nicht. Gelebte Kreuzesnachfolge bedeu-tet nicht, maulend stehenzubleiben und das Kreuz von sich zu werfen, sondern den Aufbruch mit dem Kreuz zu wagen! Packen wir die Herausforderungen gemeinsam an! Gehen wir als Glaubensgemeinschaft und Pfarrge-meinde im SSB Hofer Land den Weg in der Nachfolge Jesu – als Jünger(innen) von heute! Wenn wir alle mitanpacken, wenn jede(r) die Zeit und Möglichkeit, die Kraft und Begabungen einbringt, die er/sie hat – und auch andere dazu motiviert –, dann ist die Belastung gar nicht so schwer, dann ist „das Kreuz“ gut zu schultern, weil es auf viele Schultern verteilt ist und wir in und mit Jesus Christus eine starke Gemeinschaft sind. AMEN.