PREDIGT 3. Sonntag Osterzeit LJ A

Joh 21,1-14

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder und Jugendliche!

Mitten im Alltag: Trotz Covid19 geht das Leben weiter – es muss weitergehen, sonst ist alles tot. Über die sozialen Medien, über Telefon- und Handynetze, über PCs und Tablets, über Apps, skype und Videokonferenzen erhalten wir Kontakte zu unseren Mittmenschen am Leben.

Mitten im Alltag ist Leben und Zusammenhalt zwar möglich, aber auch beschränkt: Trotz aller gebotenen Vorsicht, Abstandregeln und Hygienemaßnahmen sehnen sich viele nach einer Lockerung der Ausgangbeschränkungen und der Kontaktverbote; schrittweise soll der Übergang in den Alltag geschehen, der doch so anders ist bzw. sein wird als vorher:

  • Arbeit ist in der Pflege und den Krankenhäusern, in den Praxen und Läden, durch Kurzarbeit im Betrieb oder durch Homeoffice ganz anders.
  • Schulunterricht findet vorerst nur für die Abschlussklassen und mit kleineren Klassenstärken statt; andere müssen weiterhin daheim lernen – vollkommen anders und für viele Familien eine Überforderung.
  • Online-Vorlesungen an den Universitäten gab es zwar schon – aber es ist irgendwie anders dieses Studium so ganz ohne persönlichen Kontakt zu Dozenten und Mitstudierenden.
  • Seniorinnen und Senioren bleiben daheim; Familienangehörige und Nachbarn gehen jetzt für sie einkaufen – irgendwie anders als sonst.
  • Bald gibt es wieder öffentliche Gottesdienste in unseren Kirchen. Die konkreten Hygieneanforderungen und Regelungen stehen noch aus, wie auch der erstmögliche Termin, der ist noch nicht offiziell bestätigt; eines steht aber fest: es wird irgendwie anders werden als vorher.

Mitten im Alltag: Trotz des Todes Jesu geht das Leben für die Jünger weiter – es muss weitergehen; sonst bleiben sie beim Tod stehen und im Tod stecken, vernachlässigen das Leben und stecken sich und andere mit diesem lebensfeindlichen Virus an. Die Jünger halten die sozialen Kontakte aufrecht. Sie sehnen sich nach Gemeinschaft und nach der Normalität des Alltags – nach dem normalen Leben in all seinen Bezügen. Sie haben sich daher zum Fischen verabredet – es ist kein neues Hobby gegen die Langeweile. Die Jünger machen das, was sie beruflich gemacht haben, ehe sie ihre Netze und Familien verlassen und mit Jesus gegangen sind: sie gehen Fischen und werfen die Netze aus. Im Evangelium sind sieben Jünger genannt – „7“ ist die Zahl der Vollkommenheit; die sieben Jünger stehen damit stellvertretend für die ganze – für die vernetzte – Schar derer, die Jesus gefolgt sind, und für all die, die an Jesus glauben.

Die Jünger gehen fischen und werfen die Netze aus – wie früher – und doch ist es irgendwie anders: in dieser Nacht fangen sie nichts; kein einziger Fisch im Netz – die Netze bleiben leer, auch wenn sie diese wieder und wieder auswerfen und einholen. Es ist und bleibt eine erfolglos durchfischte Nacht. Die Jünger und diese Leere in den Netzen und in ihnen selbst sind von der Nacht umgeben und von der gefühlten Nacht in ihrem Leben – sie können den Tod Jesu nicht einfach abschütteln.

Mitten im Alltag dieser gefühlten Nacht und der erlebten Erfolglosigkeit bricht etwas Neues an – ein neuer Tag, doch irgendwie ganz anders: „Als es schon Morgen wurde“ (Joh 21,4) ereignet sich ein Gespräch mit einem Fremden, der am Ufer des Sees steht. Die Jünger – wahrscheinlich sind sie nach dieser Nacht müde, haben Hunger und wollen vielleicht nur noch schlafen – lassen sich auf dieses Gespräch mit dem Fremden ein. Er sagt ihnen, wo sie jetzt am anbrechenden Tag das Netz auswerfen sollen.

Warum die erfahrenen Fischer das Netz nochmals auswerfen?

Ich weiß es nicht: Sie haben ja schließlich die ganze Nacht nicht einen einzigen Fisch gefangen – und jetzt bei Tagesanbruch ist eine denkbar ungünstige Zeit zum Fischen ist, da ihre Netze sichtbar sind.

Ich weiß nur, dass die Jünger das Netz ausgeworfen haben – trotzdem –und dass es beim Einholen voll war; 153 Fische waren im Netz.

Mir scheint dieses trotzdem wichtig – denn sonst ist alles aus. Es trotzdem wagen, wenn auch anders als gewohnt – wenn auch die Lust dazu fehlt. Trotzdem – wenn man auch nicht immer etwas fängt oder Erfolg hat.

In diesen Tagen kann mir dieses trotzdem-Netz zum wichtigen Symbol werden: zum Symbol aus der damaligen Alltagswelt der Jünger Jesu und zum Symbol für meine Lebenswelt, für die Welt, in der ich heute lebe.

Es kommt in diesen Tagen auf das trotzdem, auf die Vernetzung untereinander an, darauf, dass niemand hilflos und allein ist oder „durchs Netz fällt“. Pflegen wir unsere Vernetzung durch die Netzwerke, die uns zur Verfügung stehen. Jesus Christus ruft uns als Jüngerinnen und Jünger im Heue auf, die Netze auszuwerfen: „Es ist der Herr“ (Joh 21,7), der in dieser Zeit bei uns ist! Als Christen sind wir untereinander und mit Jesus Christus vernetzt: So erreicht die Frohe Botschaft der Hoffnung, des Lebens und des Auferstandenen sehr viele – dazu muss nicht ich als Priester mit allen vernetzt sein, sondern wir alle untereinander, denn wir alle sind „Netzwerker“, die mit je unterschiedlichen Begabungen und Charismen an ganz verschiedenen Orten die Netze auswerfen und so für andere da sind.

Dieses soziale Netz, die Solidarität und die Verbundenheit im christlichen Glauben machen nicht an den Pfarreigrenzen halt: Wir sind weltweit von Covid19 betroffen und nur eine weltweite Vernetzung und gemeinsame Strategien werden zum Erfolg führen – sonst fischen wir im Trüben!

„Rete“, das lateinische Wort für „Netz“ bedeutet aber noch mehr: Unter dem sozialethischen Prinzip der Retinität versteht man die Vernetzung aller Wirklichkeitsbereich sowie der ökonomischen, ökologischen und sozialen Handlungsfelder. Es gilt also auch die Klimakrise und das zerbrechliche und zum Teil schon zerbrochene ökologische Gleichgewicht in alle Überlegungen und das Handeln jedes Einzelnen miteinzubeziehen. Es braucht weltweit vernetzte Lösungsansätze, damit Leben und gute Lebensbeziehungen auf der ganzen Erde und für alle möglich sind und bleiben.   Amen.