PREDIGT 6. So im JK (B)

Lev 13,1-2.45-46 + Mk 1,40-45

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder und Jugendliche!
Coronazeit – die Werte sind droben,
das Hofer Land ist in Bayern ganz oben
bei der Sieben-Tage-Inzidenz
von dieser heimtückischen Pestilenz.
Da ist mir wirklich nicht zum Lachen,
da kann ich keine Späßchen machen!
Hier ist ’ne Kirche – das teil’ jetzt ich mit –
und das ist ’ne Predigt und keine Bütt!
Deshalb red’ ich gar nicht viel rum,
sondern schau’ auf das Evangelium.
Das Thema Ausgrenzung, das ist prekär,
drum müssen klare Worte her!
Ich bitt um Verständnis in diesen Zeiten,
Reime müssen heut draußen bleiben!

Zutritt nur einzeln oder mit einer bestimmten maximalen kleinen Anzahl – so ist zurzeit der Zutritt zu Bäckereien geregelt: Die anderen müssen draußen bleiben und warten. Viele andere Länden sind ganz zu.
Wir müssen draußen bleiben – ich bin ausgeschlossen und muss andere ausschließen: Kontaktverbot bzw. starke Einschränkung von Kontakten – bereits monatelang. Wir alle – auch Nachbarregionen – müssen Abstands- und Hygieneregeln einhalten, damit das Ansteckungsrisiko minimiert wird!
Wir müssen draußen bleiben – wie ist der Mann im Evangelium (Mk 1,40-45) froh, dass er diesen Status überwunden hat – und wir wären es doch auch, wenn die Inzidenzwerte im Keller wäre, wenn der lockdown aufgehoben werden würde und Corona vielleicht sogar besiegt wäre. Der Mann im Evangelium ist heilfroh, dass er von seinem Aussatz geheilt ist. Jesus hat ihm zwar verboten darüber zu reden, aber der Geheilte kann nicht anders: Er „verkündete bei jeder Gelegenheit, was geschehen war; er verbreitete die Geschichte, sodass sich Jesus in keiner Stadt mehr zeigen konnte“ (Mk 1,45). Genau das wollte Jesus vermeiden, den Rummel um seine Person. Er wollte bei den Menschen sein, ihnen helfen und nicht wie ein wundertätiger Zauberer von einer sensationsgierigen Menge verfolgt werden. Jesus geht es um die Menschen. Er will keine Ausgrenzung. Bei ihm muss keiner draußen bleiben. Deshalb heilt Jesus den Aussätzigen.
Aussätzige haben sich zurzeit Jesu von anderen Menschen fernzuhalten, eine strikte Quarantäne, um andere nicht anzustecken. Zudem müssen sie sich für alle als unrein kenntlich machen: ungekämmt, verlotterte Klei-dung und Männer mit verhülltem Bart – mit solchen Subjekten will nie-mand etwas zu tun haben. Auch müssen sie schon von fern laut „unrein, unrein“ rufen, damit niemand mit ihnen in Berührung kommt: ein Warn-ruf – „unrein – bleibt bloß weg!“ Gesellschaftlich sind Aussätzige ausge-grenzt und auch zum Tempelkult und Gottesdienst nicht zugelassen. Die Angst vor einer Ansteckung setzt der Nächstenliebe enge Grenzen. Der Aussätzige im Evangelium will von Jesus geheilt und wieder Teil der Gesellschaft werden. Er überschreitet Grenzen: Er hält sich nicht an den gebotenen Sicherheitsabstand. Auch Jesus überwindet Grenzen, indem er den Aussätzigen berührt. Jesus schenkt ihm in dieser Berührung die Zärt-lichkeit und Liebe Gottes, die keinen Menschen ausschließt. Mit dieser heilsamen Berührung holt Jesus den ausgegrenzten Aussätzigen aus seiner Isolation in die die gesellschaftliche Mitte zurück (vgl. Mk 1,41-42).
Aber was geschieht mit dem, der solche sozialen Grenzen überwindet? Je-sus kann sich in keiner Stadt mehr blicken lassen, weil der Geheilte bei je-der Gelegenheit von der Heilung erzählt. Auch das eine alltägliche Erfah-rung: Wer sich mit Außenseitern abgibt, wird selbst leicht zum Außenseiter – weil man ausgegrenzt wird, oder weil mal selbst die Grenze ziehen muss zum Schutz vor Menschenmassen. Wer wie Jesus für die Aussätzigen, Zöllner und Sünder Partei ergreift, steht bald selbst außerhalb der feinen Gesellschaft. Doch das ist der Platz Jesu: Er steht bei den Menschen und er steht den Menschen bei, die ihn und seine Nähe brauchen. Dafür geht er bis an den Rand, an den Rand der Gesellschaft, an den Rand der menschlichen Existenz, dort wo Armut und Hunger herrschen, Krankheit und Aussatz.
Ihr müsst draußen bleiben – auch wir grenzen Menschen aus – und das nicht nur zum Schutz in Coronazeiten. Wir lassen Menschen nicht teilha-ben an unserer Gesellschaft und unseren Freundeskreisen. Wir grenzen sie aus, weil sie anders sind – weil sie vielleicht nur gebrochen Deutsch spre-chen – weil sie andere Ansichten haben und nicht so denken wie wir. Bei Jesus ist das anders: Zu ihm kommen die ausgegrenzten Menschen von überallher. Sie erhoffen sich von ihm eine Annahme ihrer Individualität und Wertschätzung trotz oder gerade ihres Andersseins. Diese Menschen stehen im Zentrum der Aufmerksamkeit und Seelsorge Jesu. Er holt sie aus dem Ausgegrenztsein und ihrer Isolation heraus und schenkt ihnen so Teilhabe am Leben, Ansehen und Würde – Menschenwürde.

Geben wir Christus unser Gesicht,
verweigern wir Sozialkontakte nicht!
Halten wir durch und zusammen in diesen Zeiten,
wir sollten nicht über Abstände streiten!
Einmeterfünfzig sind nicht viel –
einander sehen und hören, ist das Ziel:
Niemand ist dann mehr allein,
und ausgegrenzt ist auch kein … Mensch.
Wenn wir solidarisch zueinander steh’n,
einander nicht aus dem Wege geh’n,
trotz Corona lachen und uns freu’n,
dann soll das nicht nur an Fasching sein:
Lebens- und Glaubensfreud’ in Gottes Namen –
gelobt sei Jesus Christus! AMEN.

Hier noch zwei vertiefende Liedlinks, in denen es auch um die Freude geht:
– Jesus bleibet meine Freude: https://www.youtube.com/watch?v=drdd5xxZ_eE
– Nun danket all und bringet Ehr: https://www.youtube.com/watch?v=ANRVGsFDq8g