PREDIGT 4. So im JK (B)

Dtn 18,15-20 + Mk 1,21-28

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder, liebe Jugendliche!
Letzte Woche, am 3. Sonntag im Jahreskreis, wurde in der katholischen Christenheit der „Sonntag des Wortes Gottes“ begangen – Papst Franziskus hatte diesen Gedenktag 2019 ins Leben gerufen. Weltweit wurde dieser Sonntag begangen – nur ein Land hat sich widersetzt: Deutschland.
„Typisch“, könnten wir sagen. Ja, die deutschen Bischöfe haben bewusst gehandelt: Sie sind aber nicht gegen das Wort Gottes, sondern wollen diesem mehr Bedeutung geben – gerade im Land der Reformation. Sie haben den „Sonntag des Wortes Gottes“ auf den heutigen Sonntag ver-schoben, damit er zusammen mit dem „ökumenischen Bibelsonntag“, den es in Deutschland seit 1982 gibt, gefeiert werden kann – ein wichtiges Zeichen der Ökumene: gemeinsam stellen wir das Wort Gottes in die Mitte – gemeinsam stellen wir uns dem Anspruch des Wortes Gottes.
Das „Wort Gottes“ prägt unsere Gottesdienste, prägt unsere Gemeinde, prägt die Glaubensgemeinschaft – und das nicht erst heute. Dtn 18,15-20 ist ein kurzer Abschnitt aus dem fünften und letzten Buch Mose, dem Buch Deuteronomium. In diesem Buch blickt Mose, der Vermittler des Wortes Gottes, noch einmal zurück. Er erinnert an den Weg, der hinter den Israeliten liegt, u.a. an den Auszug aus Ägypten, die Wüstenwanderung und andere Etappen. Gott ist diesen Weg mit seinem Volk gegangen – ein Weg mit Höhen und Tiefen – ein Weg mit Mut machenden und ermahnenden Worten Gottes, die Mose als Sprachrohr Gottes den Menschen vermittelte und verständlich machte: Gottes Wort im Menschenwort.
Dieser Rückblick des Mose auf das Gewesene ist notwendig: Er zeigt die Spuren Gottes, sein Führung und sein Weggeleit – und v.a. die Orientie-rung, die das Wort Gottes gab und eben auch gegeben hätte, wenn sich das Volk Gottes diesem Wort Gottes nicht bisweilen verschlossen hätte. An der Schwelle zum gelobten Land, kurz bevor Mose sterben wird, steht dieses Innehalten und Zurückblicken. Der Rückblick des Mose ist somit eine Art Testament und damit auf die Zukunft des Volkes ausgerichtet: Haltet Euch in Zukunft an das Wort Gottes und vertraut den Vermittlern des Wortes Gottes. Zudem kündet Mose einen Nachfolger, einen Propheten, als Künder und Vermittler des Wortes Gottes an (vgl. Dtn 18,15-18). Unter der Führung und Wegweisung des Wortes Gottes soll das Volk Gottes ins gelobte Land einziehen. In die Gottesrede des Mose eingeschlossen ist die Warnung vor „falschen Propheten“ (vgl. Dtn 18,19-20), die Eigeninteressen als vermeintli-ches Wort Gottes ausgeben und damit letztlich in die Irre führen.
Die Worte des Mose gelten heute uns: Sie sind die Einladung sich dem Wort Gottes zu stellen, es zu hören und v.a. zuzuhören und darüber nachzu-denken, was andere dazu prophetisch zu sagen haben: Propheten sind wir alle, auch Du und ich, denn in der Taufe wurden wir für diesen propheti-schen Dienst gesalbt! Wir können in der Bibel lesen und das Wort Gottes meditieren, um im Blick auf das eigenen Leben die Spuren Gottes zu entde-cken und um Wegweisung und Ermutigung für die Zukunft zu schöpfen. Das Wort Gottes „kann“ noch mehr – es wirkt und bewirkt etwas: Jesus Christus ist anders als die Schriftgelehrten, ist anders als wir, die wir uns mit dem Wort Gottes auseinandersetzen. Jesus Christus ist das Mensch gewordene Wort Gottes. Im Licht der alttestamentlichen Lesung ist er der Prophet: Als Sohn Gottes ist er nicht nur Vermittler des Wortes Gottes, sondern er ist selbst die Mitte des Wortes des lebendigen Gottes.
Jesus Christus wirkt als lebendiges Wort Gottes; ER bewirkt Lebendigkeit und befreit zum Leben. Auch wenn die Dämonenaustreibung im Markusevangelium (Mk 1,21-28) für uns heute befremdlich klingt und wir sie wissenschaftlich anders einordnen würden, zeigt sie doch die Wirk-mächtigkeit des Wortes Gottes: Gottes Wort berührt und fordert heraus, ja es befreit zum Leben. Die Macht des Wortes Gottes unterdrückt nicht, sondern das Wort Gottes macht die Macht der Unterdrücker zunichte, die Besitz über das menschliche Leben ergreifen und es bedrängen.
Ich blicke auf mein Leben, darauf, wovon ich „besessen“ bin: Es gibt vieles, was mein Leben, meine Lebenszeit und –kraft in Besitz nimmt. Manches davon ist zumindest fragwürdig, ob es wirklich zu mehr Leben und Lebensqualität führt. Darüber lohnt es sich nachzudenken. Und auch darüber, wie Dinge, Aufgaben und Personen von mir Besitz ergreifen: Bleibt mir noch Luft zum Atmen? Was macht mein Leben lebenswert?
Leben – dazu ermutigt mich das Wort des lebendigen Gottes. Leben – dazu will mich Jesus Christus befreien. Leben – Ja! AMEN.

Hier noch zwei vertiefende Lied-Links:
– Mein ganzes Herz: https://www.youtube.com/watch?v=4WEhj43A17o
– Gottes Wort ist wie Licht: gottes wort ist wie licht in der nacht kanon