PREDIGT 7. Sonntag Osterzeit LJ A

Apg 1,12-14 + Joh 17,1-11a

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder, liebe Jugendliche!

Jetzt ist Er weg, weg – und wir sind wieder allein, allein. Jetzt ist Er weg, weg – so ein leicht abgewandelter Titel der Fantastischen Vier. Jetzt ist Er weg: mit seiner Himmelfahrt hat sich Jesus Christus den Blicken der Jüngerinnen und Jünger entzogen. Jetzt ist Er weg: über vierzig Tage ist der auferstandene Gekreuzigte ihnen immer wieder erschienen, ist in die Verschlossenheit und Traurigkeit ihres Lebens gekommen und hat ihnen den Frieden gewünscht, ist auf sie zugegangen und hat sich begreifen lassen, damit sie nicht nur mit den Augen sehen, sondern mit gläubigen Herzen begreifen: Jesus lebt, er ist auferstanden – dies zu glauben, geht nicht von heute auf morgen, es braucht Zeit und es braucht Begegnungen, die ins Nachdenken und zum Glauben führen. Jetzt ist Er weg und wir sind wieder allein, allein, denken die Jünger. Den Beistand hat Er zwar versprochen, aber da ist er noch nicht, so denken die Jünger. Sie kehren vom Ölberg, dem Ort der Himmelfahrt, zurück nach Jerusalem schließen sich ein – vieles kommt hoch in dieser Zwischenzeit.

Auch ich lebe zwischen dem weg und noch nicht daZwischenzeit. Gewohntes bricht weg – Neues ist noch nicht da. Corona verändert – Zwischenzeit. Der „Normalzustand“ ist noch nicht erreicht – auch wenn wir den gerne schon wieder hätten. Ich muss noch auf ein Zuviel an Begegnung verzichten, auf Umarmungen, auf zu große Nähe. Dieses social distancing fällt schwer – aber immerhin ist vereinzelt Begegnung möglich und nicht „verordnete Vereinsamung“. Auch in der Schule und in den Betrieben: Zwischenzeit – die Zeit zwischen dem lockdown und einem normalen Alltag. Auch der Sonntag ist eine Zwischenzeit – der Tag „zwischen“ den Werktagen, der Tag mit Gottesdienst und Zeit für die Familie.

In Zwischenzeiten geschieht Unscheinbares: das, wofür sonst keine Zeit ist, kommt hoch, beschäftigt mich, geht mit durch den Kopf. Oft geschieht auch Entscheidendes: Ich fühle: vieles ist im Aufbruch und Umbruch begriffen. Ich bin ratlos, weil so vieles offen und in der Schwebe ist. In diesen Zwischenzeiten denke ich viel nach: Wie kann ich mein Leben sinnvoll gestalten – für mich und Menschen, die mir wichtig sind – was liegt in meiner Hand? Wie wird es weitergehen? Was kommt auf mich zu? Zwischenzeiten sind spannende Zeiten, aber keine leichten.

Eine derartige Zwischenzeit haben auch Maria, die Jüngerinnen und Jünger erlebt: Diese Zwischenzeit ist – wie es die Lesung heute sagte – geprägt von „nur einem Sabbatweg“ (Apg 1,12). Räumlich gesehen, ein kurzer Weg vom Ölberg nach Jerusalem, aber ein weiter Weg für die Menschen in der Nachfolge Jesu: Es ist der Weg durch die Zeit zwischen der Himmelfahrt Jesu Christi und der Zeit des Heiligen Geistes – die Zeit nach dem irdischen Gott-Menschen Jesus Christus und der Zeit vor der begeisterten und Geist durchwehten Kirche. Das Wegsein Jesu ist für die Jünger eine Zumutung, gerade in dieser Zwischenzeit: Er mutet ihnen viel zu: aushalten und warten bis der Heilige Geist kommt. Da kann man und frau ja nur noch mutloser werden … Heiliger Geist.

Richten wir den Blick auf Maria, die die Wirkmacht des Heiligen Geistes bei der Menschwerdung Gottes erfahren durfte, obwohl auch sie anfangs so ihre Zweifel hatte: „Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?“ (Lk 1,34) Richten wir den Blick auf Maria, wie sie nach der Himmelfahrt Jesu mit dieser neuen Zumutung umgeht: Unauffällig ist sie dabei, die Mutter Jesu, mit den anderen Frauen im Kreis der Apostel. Sie stellt keine Fragen. Sie hat Gewissheit, trotz des Ungewissen dieser Zwischenzeit: Maria hat am eigenen Leib erfahren, wie Gottes Geist wirken kann. Sie war für die Jünger das Beispiel, dass göttliche Zusagen und Verkündigungen konkret lebbar sind, wenn man selbst sein JA dazu spricht. Begeisterung und das eigene Wollen sind notwendig, damit aus diesen Zumutungen Gottes Neues und Lebendiges entsteht. Diese Begeisterung, der Heilige Geist ist auch uns wie den resignierten Jüngern zugesagt: Anfangs fehlte die Zustimmung, das JA, der Jünger – vieles stand in Frage. In der Zwischenzeit ist viel passiert: ihre Einstellung hat sich geändert: „Sie alle verharrten einmütig im Gebet“ (Apg 1,14). Sie wollen sich trotz aller Ungewissheit den neuen Herausforderungen stellen. Wie Jesus vor seiner Heimkehr zum Vater betete (vgl. Joh 17,1-11a), beten auch sie. Die Jüngerinnen und Jünger warten mit Maria auf Gottes Geist, der alles belebt und lebendig macht. Sie beten um Gottes Geist für ihr Leben. Sie bitten für eine neue Lebendigkeit ihres Glaubens und ihrer Gemeinschaft mit Gott. Im Gebet und im Beten wird diese Gemeinschaft mit Gott und untereinander gestärkt – damals wie heute.   Amen.

Und drei ungewöhnliche Links/Videos:
Oh, the deep Love of Jesus: https://www.youtube.com/watch?v=KLTu1xv2-Us
Von Guten Mächten: https://www.youtube.com/watch?v=3C8v9icR6yA
J.S. Bachs AIR: https://www.youtube.com/watch?v=E100oGo8d34