{"id":3331,"date":"2024-09-16T17:27:47","date_gmt":"2024-09-16T17:27:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.st-franziskus-schwarzenbach-saale.de\/?p=3331"},"modified":"2025-04-21T17:17:15","modified_gmt":"2025-04-21T17:17:15","slug":"predigt-23-so-im-jk-b","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.st-franziskus-schwarzenbach-saale.de\/?p=3331","title":{"rendered":"PREDIGT 23. SO IM JK (B)"},"content":{"rendered":"\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Jes 35,4-7a + Mk 7,31-37<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><br \/>Liebe Schwestern und Br\u00fcder, liebe Kinder und Jugendliche!<br \/>Die drei ber\u00fchmten Affen: Nichts h\u00f6ren oder (unangenehme Dinge und die unbequeme Wahrheit) nicht h\u00f6ren wollen \u2013 nichts sehen oder (ungerechte Strukturen und schreckliche Situationen) nicht sehen wollen \u2013 nichts sagen oder (\u00fcber den Missbrauch von Finanzen und Menschen) nicht sprechen wollen. Die Affen sind Sinnbild der Verschlossenheit und Vertuschung, des Nichtwahrhabenwollen des Schlechten,<sup>1<\/sup> des Nicht\u00e4u\u00dferns und Nichthandelns. \u201eEffata! \u00d6ffne dich!\u201c (Mk 7,34) m\u00f6chte ich jeden von ihnen wie Jesus dem Mann im Evangelium zurufen! \u201e\u00d6ffne dich f\u00fcr das Leben mit allen Sinnen!\u201c Die Affen k\u00f6nnten anders handeln, wenn sie wollten: sie k\u00f6nnten bewusst hinh\u00f6ren und nicht nur ihre vorgefertigte Meinung gelten lassen \u2013 sie k\u00f6nnten bewusst hinsehen und Missst\u00e4nde in den Blick nehmen \u2013 und sie k\u00f6nnten mit deutlicher Stimme Gesehenes und Geh\u00f6rtes zur Sprache bringen und andere darauf hinweisen \u2013 sie k\u00f6nnen, wenn sie nur wollten\u2026<br \/>\u2026 der Mann im Evangelium kann das nicht. Er kann nicht aus eigenem Wollen heraus seine \u201eGeh\u00f6rlosigkeit\u201c und sein \u201eStammeln\u201c (vgl. Mk 7,32) \u00fcberwinden. In der alten Einheits\u00fcbersetzung war noch von einem \u201eTaubstummen\u201c (E\u00dc 1980) die Rede; ihm wurde jedes Sprechen abgesprochen. Die neue Einheits\u00fcbersetzung gibt den Text und die Situation Gott sei Dank besser wieder: Der Geh\u00f6rlose war nicht stumm; er wollte reden und mitreden; er wollte sich \u00e4u\u00dfern und so am Leben teilhaben \u2013 er wollte, konnte aber nicht so, wie er wollte: Seine Worte und \u00c4u\u00dferungen waren nicht f\u00fcr alle verst\u00e4ndlich: ein Stammeln und Stottern war die Folge.<br \/>Dieser Mann wurde zu Jesus gebracht mit der Bitte, er m\u00f6ge ihm die H\u00e4n-de auflegen. Was der Mann und die anderen von Jesus wollen und erhoffen? Einen Segen \u2013 und damit die Annahme als \u201eKind Gottes\u201c. Diese Annahme ist bedingungslos und damit auch unabh\u00e4ngig von Beeintr\u00e4chti-gung, Behinderung oder Handicap. Jeder Mensch ist wertvoll, so wie er ist.<br \/>Wer ist dieser Mann im Evangelium? Wahrscheinlich war er kein Jude. Er lebte im Gebiet der Dekapolis, dem Gebiet von zehn hellenistisch gepr\u00e4gten St\u00e4dten. Zudem wird das heutige Evangelium unmittelbar nach der Episode von \u201eJesus mit der syroph\u00f6nizischen Frau\u201c erz\u00e4hlt. Diese Frau erkennt als Fremde und Heidin die Vollmacht Jesu zu heilen \u2013 und Jesus erkennt in diesem Gespr\u00e4ch, dass er nicht nur zu den Juden, sondern auch zu den Heiden gesandt ist (vgl. Mk 7,24-30). Wenn also Jesus, einen, der einer anderen Religion angeh\u00f6rt, segnet, zeigt das, dass die Liebe und das Heil, das Gott schenken will, allen Menschen gilt und keine menschengemachten Grenzen kennt. Dieser Aspekt erkl\u00e4rt auch, warum Papst Franziskus nach Asien reist und dort auch Menschen verschiedener Kulturen und Religionen trifft.<br \/>Was macht Jesus? ER ist offen f\u00fcr die Not des Mannes \u2013 ER l\u00e4sst sich ber\u00fchren vom Schicksal des Mannes und ber\u00fchrt ihn, ja ER legt seine Finger in die Wunden und unheilen K\u00f6rperstellen: ER legt die Finger in dessen Ohren und ber\u00fchrt dessen Zunge mit Speichel. Diese Ber\u00fchrungen gehen \u2013 so befremdlich und vielleicht auch ekelig sie uns heute erscheinen m\u00f6gen \u2013 unter die Haut. Zurzeit Jesu waren es bekannte, magische Heilungsrituale \u2013 aber sie bewirken nichts. Erst durch das Wort \u201eEffata! \u00d6ffne dich!\u201c (Mk 7,34) geschieht das Wunder, dass der Mann h\u00f6ren und klar und deutlich sprechen kann. F\u00fcr die biblisch gebildeten Menschen damals war dies ein sprechendes Zeichen: die Worte des Propheten Jesaja (vgl. Jes 35,4-7a) von einer besseren Zukunft sind keine Vertr\u00f6stung auf den Sankt-Nimmerleins-Tag, das Ende der Zeit oder auf das Jenseits \u2013 Nein, die \u201eZeitenwende\u201c be-ginnt jetzt! Die Heilszeit bricht mit Jesus und seinem Wirken an! Gott ist da! Er ist offen f\u00fcr die Not der Menschen. Er wird aus aller Not befreien. Er schenkt Kraft und Mut, dass die Menschen guten Willens sich mit allen Sinnen an einer besseren Gestaltung der Welt beteiligen werden.<br \/>Und wir? Wir sind keine \u201eAffen\u201c, sondern durch die Taufe Kinder Gottes. \u201eEffata! \u00d6ffne dich!\u201c (Mk 7,34) Diese Aufforderung Jesu wurde uns in der Taufe zugesprochen: \u201eEffata! \u00d6ffne dich\u201c (Mk 7,34), damit du das Wort Gottes h\u00f6rst (und danach handelst) und damit den Glauben bekennst zum Lobe Gottes und zum Heil der Menschen. Mit allen Sinnen, mit offenen Augen und hellh\u00f6rigen Ohren soll ich die Welt wahrnehmen und sie mit Gottes Hilfe durch mein Wort und Tun zum Guten hin gestalten. AMEN.<\/p>\n<p><sup>1<\/sup> In Japan ist diese \u201ewestliche\u201c Deutung \u201edas Schlechte nicht wahrhaben wollen\u201c nicht vorhanden \u2013 dort werden die drei Affen als \u201e\u00fcber das Schlechte hinwegsehen\u201c und den Blick, das H\u00f6ren und Reden (und eigentlich auch das Tun)\u201c auf das Gute hin ausrichten gedeutet.<\/p>\n\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jes 35,4-7a + Mk 7,31-37 Liebe Schwestern und Br\u00fcder, liebe Kinder und Jugendliche!Die drei ber\u00fchmten Affen: Nichts h\u00f6ren oder (unangenehme Dinge und die unbequeme Wahrheit) nicht h\u00f6ren wollen \u2013 nichts sehen oder (ungerechte Strukturen und schreckliche Situationen) nicht sehen wollen \u2013 nichts sagen oder (\u00fcber den Missbrauch von Finanzen und Menschen) nicht sprechen wollen. 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