{"id":3306,"date":"2024-02-12T20:20:23","date_gmt":"2024-02-12T20:20:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.st-franziskus-schwarzenbach-saale.de\/?p=3306"},"modified":"2024-02-12T20:20:25","modified_gmt":"2024-02-12T20:20:25","slug":"predigt-4-so-im-jk-b-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.st-franziskus-schwarzenbach-saale.de\/?p=3306","title":{"rendered":"PREDIGT 4. SO IM JK (B)"},"content":{"rendered":"\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>1 Kor 7,32-35 + Mk 1,21-28<\/strong><\/p>\n<p><br \/><em>Kann man Gott besser dienen, wenn man nicht verheiratet ist?<\/em> \u2013 fragen kritische Gemeindemitglieder Paulus. Dieser antwortet in 1 Kor 7,32-35 im Zusammenhang mit dem f\u00fcr ihn baldigen Ende der Welt (vgl. 1 Kor 7,29.31): Mit Blick auf den kommenden Christus ist es besser, unverheiratet und bereit zu sein \u2013 allezeit bereit, weil wir nicht wissen, wann der Herr kommt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><br \/>Liebe Schwestern und Br\u00fcder, liebe Kinder und Jugendliche!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Allzeit bereit: <em>Single &amp; available<\/em> \u2013 diese Sprechblase lag letztes Jahr bei einer Hochzeit als Utensil einer Fotobox aus: <em>Single &amp; available<\/em> \u2013 wohl eher in die Richtung zu verstehen: ungebunden und noch (f\u00fcr jeden Spa\u00df) zu haben. Ja, ich gebe zu, mit dieser Sprechblase ein Foto gemacht zu haben, weil ich <em>single<\/em> und <em>verf\u00fcgbar<\/em> bin \u2013 f\u00fcr Gott und \u201emeine\u201c drei Pfarrgemeinden. Trotzdem steht die Frage an Paulus im Raum: <em>Kann man Gott besser dienen, wenn man nicht verheiratet ist?<\/em> \u2013 eine heikle Frage, auch heute. <em>Lasst sie doch heiraten, die Priester!<\/em> \u2013 so die landl\u00e4ufige Meinung. <em>Wenn der Z\u00f6libat nicht w\u00e4re und Priester heiraten d\u00fcrften, dann w\u00e4ren in den Augen vieler gro\u00dfe Probleme in der Kirche und vor Ort gel\u00f6st.<\/em><br \/>Der Z\u00f6libat der Priester und Ordensleute wird heutzutage oft als Defizit ge-sehen. In der immer st\u00e4rker sexualisierten Welt gelten Priester, M\u00f6nche und Ordensfrauen, die den Z\u00f6libat ernst nehmen, als Exoten. Denn: <em>ein Priester ist entweder schwul, p\u00e4dophil oder hat eine heimliche Geliebte<\/em>, habe ich vor Jahren im Bamberger Dom bei einem Gespr\u00e4ch belauscht. Ich als Priester habe mir meinen Teil gedacht, warum sich Menschen, die den Z\u00f6libat gar nicht leben oder leben m\u00fcssen, derartige Gedanken machen \u2013 und keinen Gedanken daran verschwenden, dass der Z\u00f6libat und die Ehelosigkeit auch gelingen, gl\u00fccken und zufrieden und erf\u00fcllt machen k\u00f6nnten.<br \/>Der Abwertung\/Ablehnung des Z\u00f6libats heute steht die Hochachtung der Ehelosigkeit zur Zeit des Apostels Paulus gegen\u00fcber: <em>Der Unverheiratete sorgt sich um die Sache des Herrn; er will dem Herrn gefallen. Der Verheiratete sorgt sich um die Dinge der Welt; er will seiner Frau gefallen. So ist er geteilt<\/em> (1 Kor 7,32-33; analog f\u00fcr Frauen: 1 Kor 7,34). Die Tageslesung scheint zu best\u00e4tigen, was lange Zeit in der Kirchengeschichte zu sehen war, dass der Stand der Ehelosigkeit h\u00f6her eingesch\u00e4tzt wurde als das Leben in Ehe und Familie. Von daher ist es ein \u00e4rgerlicher Bibeltext, gerade f\u00fcr Sie als Eheleute, Familien und Alleinerziehende. Aber: Meines Erachtens kann man Ehe und Z\u00f6libat <em>nicht<\/em> gegeneinander ausspielen. Beides sind <em>gleichwertige<\/em> Lebensformen. Sowohl Ehe als auch Z\u00f6libat k\u00f6nnen gelingen; beide Lebensformen k\u00f6nnen auch scheitern und zu (Kindes-)Missbrauch f\u00fchren<sup>1<\/sup> \u2013 teils zerbrechen Menschen auch an der jeweiligen Lebensform.<br \/>Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich sch\u00e4tze Ehe und Familie. Sie sind wichtig f\u00fcr unsere Gesellschaft. Ich bin selbst in einer guten Familie aufgewachsen und wei\u00df um den Wert (m)einer Familie. Trotzdem m\u00f6chte ich eine Lanze f\u00fcr den Z\u00f6libat brechen, der durchaus seine Berechtigung hat. Gelebte Ehelosigkeit ist eine besondere Lebensform, die alles andere als defizit\u00e4r ist: Es ist ein Leben auf Gott hin; kein weltfremdes Leben, sondern ein Leben mitten in der Welt und mit den Menschen und deren vielf\u00e4ltigen Lebensentw\u00fcrfen und -br\u00fcchen, (Glaubens-)Fragen und (Seelen-)N\u00f6ten; ein Leben, das die Liebe Gottes zeichenhaft leben will \u2013 wie die Ehe auch. Die Ehepartner sollen prim\u00e4r <em>voll und ganz<\/em> f\u00fcreinander da sein und f\u00fcr die Familie. Der Priester soll <em>single &amp; available<\/em> f\u00fcr Gott und auf Jesus Christus ausgerichtet sein; ebenso soll er die Menschen, die ihm als Seelsorger anvertraut sind, im Blick haben, sie zu Christus f\u00fchren und in die Christusbeziehung einf\u00fchren. Als verheirateter Priester mit Frau und Kindern k\u00f6nnte ich niemals so viel Zeit ungeteilt f\u00fcr Gott, f\u00fcr die Pflege meiner Christusbeziehung und f\u00fcr \u201emeine\u201c Pfarreien aufwenden. Es geht bei Ehe und Priestersein ums <em>voll und ganz<\/em> und eben nicht um <em>ein bisschen<\/em>, nicht um <em>so lala<\/em>.<br \/>Der Z\u00f6libat ist eine Lebensform, zu der ich mich durchringen musste. Ich habe zun\u00e4chst <em>nur<\/em> Theologie studiert, war nicht von Anfang an im Priesterseminar. Ich wollte pr\u00fcfen, ob eine derartige Entscheidung f\u00fcr mich wirklich lebbar ist, ob mir mein Glaube dazu Kraft gibt \u2013 nicht nur ein Jahr, oder zwei, sondern \u2013 so Gott will \u2013 ein Leben lang. Bei einer Ehe w\u00e4re das nicht anders gewesen: <em>Drum pr\u00fcfe, wer sich ewig bindet.<\/em> Die Ehelosigkeit des Z\u00f6libats ist f\u00fcr mich meist erf\u00fcllend und f\u00fcllt mich auch ganz aus. W\u00e4re ich verheiratet, w\u00fcrde bei der F\u00fclle von Aufgaben in drei Pfarreien entweder die Familie darunter leiden oder die Pfarreien; in der evangelischen Kirche \u201efunktionieren\u201c verheiratete Pfarrer(innen) \u201enur\u201c, weil sie f\u00fcr weni-ger Gl\u00e4ubige zust\u00e4ndig sind und so Zeit f\u00fcr Familie bleibt \u2013 aber: Mangel an Priester(inne)n und Fachpersonal auch dort, obwohl doch sowohl Ehe als auch Z\u00f6libat \u201efreiwillig\u201c und sogar Lebenspartnerschaften m\u00f6glich sind.<br \/>Ob eine Lockerung des Z\u00f6libats (neben anderen m\u00f6glichen\/n\u00f6tigen Reformen) in der katholischen Kirche <em>die<\/em> Wende beim Priestermangel bringt, wage ich zu bezweifeln \u2013 vielleicht w\u00fcrde es <em>mehr<\/em> an Glaubw\u00fcrdigkeit und Gerechtigkeit bringen; aber dass die Lockerung des Z\u00f6libats die Glaubenskrise in Deutschland und Europa stoppen oder gar umdrehen kann, glaube ich nicht. <em>Kann man Gott besser dienen, wenn man nicht verheiratet ist?<\/em> Ich gebe darauf eine sehr pers\u00f6nliche Antwort: Besser nicht \u2013 aber <em>anders<\/em>! Als <em>Single<\/em> diene ich Gott nicht <em>besser<\/em>, sondern <em>anders<\/em> und stehe auch nicht besser vor ihm da. Auf das <em>available<\/em> kommt es an: Dass ich f\u00fcr Gott <em>verf\u00fcgbar<\/em> bin, dass ich Zeit f\u00fcr ihn habe und nicht von etwas anderem besessen bin. Wir Deutsche sind \u2013 so die Studie zu Online-Nutzung aus der letzten Woche<sup>2<\/sup> \u2013 durchschnittlich 71 Stunden (!) w\u00f6chentlich online. <em>Fragen Sie sich selbst und seien Sie ehrlich:<\/em> Wieviel Stunden in der Woche bzw. am Tag bin ich <em>online<\/em> f\u00fcr Gott und <em>bereit<\/em> meine Beziehung mit ihm zu pflegen? Da liegt das <em>eigentliche<\/em> Problem und nicht am Z\u00f6libat: <em>Single<\/em> oder Nicht<em>-Single<\/em> ist <strong>nicht<\/strong> die entscheidende Frage, sondern: Bin ich <em>available<\/em>, <em>verf\u00fcgbar<\/em> f\u00fcr Gott und die Menschen und <em>offen<\/em> f\u00fcr den Glauben. AMEN.<\/p>\n<p><sup>1<\/sup> Vgl. hierzu u.a. die \u201eForschung zur Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt und anderen Missbrauchsformen in der Evangelischen Kirche und Diakonie\u201c (https:\/\/forum-studie. de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Abschlussbericht_ForuM.pdf); aufgerufen: 27.01.2024.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">2 Vgl. https:\/\/www.zdf.de\/nachrichten\/digitales\/online-internet-studie-71-stunden-woche-100.html (aufgerufen am 27.01.2024).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1 Kor 7,32-35 + Mk 1,21-28 Kann man Gott besser dienen, wenn man nicht verheiratet ist? \u2013 fragen kritische Gemeindemitglieder Paulus. 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