{"id":3186,"date":"2022-11-06T21:14:18","date_gmt":"2022-11-06T21:14:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.st-franziskus-schwarzenbach-saale.de\/?p=3186"},"modified":"2025-04-21T17:17:16","modified_gmt":"2025-04-21T17:17:16","slug":"predigt-32-sonntag-im-jk-c","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.st-franziskus-schwarzenbach-saale.de\/?p=3186","title":{"rendered":"PREDIGT 32. SONNTAG Im JK (C)"},"content":{"rendered":"\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>2 Makk 7,1-2.7a.9-14 + Lk 20,27-38 (LF)<\/strong><\/p>\n<p>Liebe Schwestern und Br\u00fcder, liebe Kinder und Jugendliche!<br \/>Was f\u00fcr eine Frau! Sieben M\u00e4nner hat sie \u00fcberlebt. Sieben M\u00e4nner sind an ihrer Seite gestorben. Kinderlos starb auch sie \u2013 ein Ehedrama, das mich traurig stimmt. Doch die Frau spielt nur den \u201eLockvogel\u201c in einem heimt\u00fcckisch konstruierten Fall, um Jesus in eine Falle zu locken.<br \/>Die Sadduz\u00e4er hatten diese Falle aufgestellt, um Jesus und seine Botschaft von der Auferstehung zu Fall zu bringen; sie waren damals die f\u00fchrende Priestergruppe in Jerusalem und hatten die Deutungshoheit \u00fcber die heilige Schrift, die Tora, die f\u00fcnf B\u00fccher Mose. Da dort von einer Auferstehung der Toten nichts zu lesen ist, lehnen sie diese ab. Den ersten biblischen Beleg f\u00fcr den Auferstehungsglauben aus dem Buch der Makkab\u00e4er aus den Sp\u00e4tschriften des Alten Testamentes \u2013 wir haben ihn vorhin in der Lesung geh\u00f6rt \u2013 akzeptieren sie nicht. Dar\u00fcber streiten sie mit Jesus wie mit einem Gelehrten. Das Schicksal der Frau spielt dabei f\u00fcr sie keine Rolle.<br \/>Jesus hat die Falle erkannt und verweist auf Mose, den Garant der Tora. Er schl\u00e4gt die Sadduz\u00e4er mit ihren eigenen Waffen, mit Schriftbeweisen f\u00fcr die Auferstehung aus dem Alten Testament: Der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs \u2013 die l\u00e4ngst gestorben sind \u2013 ist kein Gott von Toten, sondern von Lebenden (vgl. Lk 20,37f). Also muss es die Auferstehung der Toten geben \u2013 auch wenn sie jede menschliche Vorstellung davon \u00fcbersteigt.<br \/>Ein Rechtsstreit; alles graue Theorie, aber: Was w\u00fcrde Jesus zu der Frau mit den sieben M\u00e4nnern sagen? Ist sie eine \u201eFemme fatale\u201c?<br \/>Gem\u00e4\u00df der Tora sollte der Bruder eines kinderlos verstorbenen Mannes die Witwe seines Bruders heiraten (vgl. v.a. Dtn 25,5-6). So sollte die Frau vor dem sozialen Absturz bewahrt werden. Diese Praxis macht deutlich, dass Ehe damals vor allem eine soziale Einrichtung, eine Art \u201eLebensversicherung\u201c und keine Liebesheirat war. Erst seit der Neuzeit kommen Liebe und Ehe zusammen. Menschen zurzeit Jesu haben anders empfunden und part-nerschaftliche Liebe spielte damals nicht die Rolle, die sie heute spielt.<br \/>Mit heutigen Augen sehen wir die Frau als Opfer ihrer Zeit, weil sie nicht selbstbestimmt leben konnte, sondern immer einen Mann an ihrer Seite brauchte, um abgesichert zu sein. Viele Menschen erleben heute die Kehrseite als unfreiwillige Singles, die gerne eine Partnerin oder einen Partner f\u00fcrs Leben h\u00e4tten und nicht nur unverbindlichen Sex via Dating-Hotline. Wer keinen Partner oder keine Partnerin findet, oder wer eine Trennung durchleidet und allein zur\u00fcckbleibt, ist oft Opfer der Liebe und Lieblosigkeit. Daher lohnt es zu fragen, was das Evangelium f\u00fcr uns heute bedeutet.<br \/>Jesus sagt deutlich: Nur in dieser Welt heiraten die Menschen. Die aber, die Gott f\u00fcr w\u00fcrdig h\u00e4lt, an jener Welt und an der Auferstehung von den Toten teilzuhaben, werden dann nicht mehr heiraten (vgl. Lk 20,34f). An Jesu Worten wird eines deutlich: Im Himmel braucht es keine sozialen Sicherungssysteme \u2013 irdische Absicherungen werden \u00fcberfl\u00fcssig.<br \/>Das neuzeitliche Verst\u00e4ndnis einer partnerschaftlichen Ehe aus Liebe kannte Jesus noch nicht. Daher gibt er im Evangelium auch keine direkte Antwort auf die Frage, was im Himmel aus der Liebe zu einem Partner wird. Jesus gebraucht ein Bild, um das im-Himmel-Sein zu beschreiben: \u201eden Engeln gleich\u201c werden sie \u201eKinder Gottes\u201c (Lk 20,36) sein.<br \/>Hier kommt das Neue der Auferstehung in den Blick: Kind Gottes zu sein, z\u00e4rtlich umh\u00fcllt und erf\u00fcllt von Gottes Liebe. Wir sind es, die Gott liebt. Wir sind seine geliebten Kinder. Wir sind es, die Gottes Leben und Liebe in uns tragen, schon jetzt in diesem Leben. Manchmal scheint Gottes Liebe in unserem Leben durch \u2013 der Trausegen bei der Hochzeit fasst das in die Worte: Wo Mann und Frau in Liebe zueinander stehen und f\u00fcreinander sorgen, einander ertragen und verzeihen, wird Gottes Liebe zu uns sichtbar. Wie kann da die Liebe, die ganz zum irdischen Leben geh\u00f6rt, im Himmel bedeutungslos und nichtig sein?<br \/>Sie wird anders sein \u2013 gr\u00f6\u00dfer \u2013 und f\u00fcr alle reichen: Die Liebe Gottes wird uns alle erf\u00fcllen. So wird die Liebe, die Menschen hier auf Erden bruchst\u00fcckhaft miteinander verbindet, dort zu gro\u00dfen verbindenden Kraft werden \u2013 in Liebe verbunden mit Gott durch Jesus Christus und in Liebe verbunden als Schwestern und Br\u00fcder untereinander. Diese Liebe ist nicht mehr an die Ehe gebunden \u2013 keine und keiner ist ausgeschlossen. Jeder ist liebenswert und liebensw\u00fcrdig. Die Liebe Gottes gilt allen, auch und gerade denen, die auf Erden nicht das Liebesgl\u00fcck erfahren durften, dass sie sich erhofften. \u201eEr ist doch kein Gott von Toten, sondern von Lebenden; denn f\u00fcr ihn leben sie alle\u201c (Lk 20,38). AMEN.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>2 Makk 7,1-2.7a.9-14 + Lk 20,27-38 (LF) Liebe Schwestern und Br\u00fcder, liebe Kinder und Jugendliche!Was f\u00fcr eine Frau! Sieben M\u00e4nner hat sie \u00fcberlebt. Sieben M\u00e4nner sind an ihrer Seite gestorben. Kinderlos starb auch sie \u2013 ein Ehedrama, das mich traurig stimmt. 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