{"id":3178,"date":"2022-10-09T16:57:01","date_gmt":"2022-10-09T16:57:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.st-franziskus-schwarzenbach-saale.de\/?p=3178"},"modified":"2025-04-21T17:17:16","modified_gmt":"2025-04-21T17:17:16","slug":"predigt-28-sonntag-im-jk-c","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.st-franziskus-schwarzenbach-saale.de\/?p=3178","title":{"rendered":"PREDIGT 28. SONNTAG Im JK (C)"},"content":{"rendered":"\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>2 K\u00f6n 5,14-17 + Lk 17,11-19 (Apfel)<\/strong><\/p>\n<p>Liebe Schwestern und Br\u00fcder, liebe Kinder und Jugendliche!<br \/>Ich habe Euch\/Ihnen heute was zur Kerwa\/zum Gottesdienst mitgebracht: einen Apfel. So ein Apfel l\u00e4sst mir das Wasser im Mund zusammenlaufen beim Gedanken an einen leckeren Apfelstrudel mit Vanilleso\u00dfe. Viele schon verf\u00fchrte ein knackig-saftiger Apfel: zum Reinbei\u00dfen lecker. Adam und Eva lie\u00dfen sich von einer k\u00f6stlichen Frucht verf\u00fchren \u2013 ein tr\u00fcgerischer Genuss, der f\u00fcr Adam und Eva letztendlich nicht ohne Folgen blieb. Wir sind vorsichtiger geworden. Wir schauen vorher nach, ob im Apfel \u201eder Wurm\u201c drin ist. Schon bei der Apfelernte werden heruntergefallene und angeschlagene \u00c4pfel gleich aussortiert. Von ihnen droht Ansteckungsgefahr, denn sie faulen schnell \u2013 f\u00fcr eine Lagerung mitten unter \u201egesunden\u201c \u00c4pfeln ist da kein Platz. Und doch sagt so ein makellos sch\u00f6n anzusehender Apfel noch nichts \u00fcber seine inneren Werte, \u00fcber seinen Geschmack, die Konsistenz des Fruchtk\u00f6rpers oder \u00fcber seinen Vitamingehalt. Wir sehen einem Apfel nicht an, was in ihm steckt. Ob er teigig, mehlig oder saftig ist, das merken wir erst beim Essen. Und h\u00e4ufig schneiden wir dabei noch das Wertvollste weg, die Vitamine, von denen die meisten direkt unter der Schale sitzen. Sie sitzen dort, wo wir sie am wenigsten vermuten: ganz au\u00dfen, in der Grenzregion des Apfels, abgegrenzt vom Kerngeh\u00e4use.<br \/>In der Grenzregion zwischen Galil\u00e4a und Samarien h\u00e4lt sich Jesus auf (vgl. Lk 17,11): Er ist als Grenzg\u00e4nger unterwegs, weitab vom galil\u00e4ischen Kernland. Im Grenzgebiet grenzen sich Menschen voneinander ab und werden ausgegrenzt: in den Augen der Juden, die im Zentrum, in Galil\u00e4a leben, sind Samariter keine Kinder Israels. In ihren Augen sind sie schlechte Menschen, die Gott falsch anbeten und falsche Meinungen vertreten. Grenzwertige Feindbilder werden stilisiert und \u00fcber Generationen vererbt: statt Einheit und Integration, ablehnende Abgrenzung und Isolation.<br \/>Jesus geht an diese Grenze und trifft zehn Auss\u00e4tzige. Sie sind durch Lepra und andere Hautkrankheiten entstellt und daher von der Gesellschaft und vom Gottesdienst ausgegrenzt. Ein Leben lang isoliert ohne mitmenschlichen Kontakt halten die Ausgegrenzten Abstand \u2013 mehr als 1,5 Meter. Aus sicherer Entfernung betteln sie Vorbeikommende an: Habt Erbarmen mit uns! (vgl. Lk 17,13) Vorbeikommende haben sicher schnell ein Geldst\u00fcck hingeworfen und das Weite gesucht: Nur schnell weg von ihnen, um eine Ansteckung um jeden Preis zu verhindern. Das wollte keiner: Auss\u00e4tzig sein, lebenslang ausgegrenzt, ohne Zugeh\u00f6rigkeit zur guten Gesellschaft.<br \/>Jesus, Meister, hab Erbarmen mit uns! (Lk 17,13) Als Jesus sie sieht, sucht er nicht das Weite, er ruft sie vielmehr zur Umkehr auf: Geht, zeigt euch den Priestern! (Lk 17,14) Im Vertrauen auf Jesus gehen die Bittsteller \u2013 und im Umkehren werden sie rein, werden sie von ihrer oberfl\u00e4chlichen Hautkrankheit geheilt. Die Priester als Gesundheitskontrolleure, als W\u00e4chter der kultischen Reinheit und \u00fcber den Tempelkult, k\u00f6nnen dies nur best\u00e4tigen.<br \/>Nur einer der Geheilten kehrt zu Jesus um, um Gott zu danken. Bitten und betteln konnten sie alle, aber danken? Danken ist keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit. Danken ist ein Zeichen menschlicher Reife. Wer \u201eDanke\u201c sagt, bekennt, dass es einen gibt, dem er etwas verdankt \u2013 letztlich ist es Gott, der in und durch Jesus wirkt. \u201eGott sei Dank\u201c sagt ausgerechnet ein (in den Augen der Juden) Andersgl\u00e4ubiger, ein Samariter; er ist der dankbare Samariter. Er ist nicht nur oberfl\u00e4chlich wieder gesellschaftsf\u00e4hig geworden, sondern auch innerlich geheilt, vers\u00f6hnt mit Gott, den er daf\u00fcr lobt und dankt.<br \/>Gut aussehen und gut dastehen. Darauf kommt es vielen an in einer Gesellschaft, die aufs \u00c4u\u00dfere und Oberfl\u00e4chliche bedacht ist. N\u00f6rgeln und kritisieren, andere ausgrenzen und schlechtreden, geh\u00f6rt heutzutage (auch in der Kirche) f\u00fcr viele Menschen zum scheinbar guten Ton, nur um selbst gut dazustehen. Bitten und betteln kann jede(r) von uns, aber danken?<br \/>Wir feiern heute erneut Erntedank \u2013 als Dank f\u00fcr menschliche Reife. Angesichts der Vielfalt an Menschen, kann jede(r) dankbar sein f\u00fcr alle Mitmenschen, statt vorschnell auszusortieren und auszugrenzen \u2013 eine Gemeinde die offen ist, f\u00fcr alle, die da sind, das ist Kirche im Sinne Jesu. Er war da f\u00fcr alle Menschen. Jesus l\u00e4dt mich ein zur Umkehr: zur Abkehr von aller Oberfl\u00e4chlichkeit und zur Hinwendung zu den Mitmenschen und zu Gott. So k\u00f6nnen wir menschlich reifen und \u201eDanke\u201c sagen. Und vielleicht entdecken wir bei der Suche nach Dankenswertem wertvolle Menschen und Begegnungen gerade dort, wo wir es nie vermutet h\u00e4tten \u2013 wie beim Apfel, bei dem die wertvollen Vitamine direkt unter der Schale sitzen. AMEN.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>2 K\u00f6n 5,14-17 + Lk 17,11-19 (Apfel) Liebe Schwestern und Br\u00fcder, liebe Kinder und Jugendliche!Ich habe Euch\/Ihnen heute was zur Kerwa\/zum Gottesdienst mitgebracht: einen Apfel. So ein Apfel l\u00e4sst mir das Wasser im Mund zusammenlaufen beim Gedanken an einen leckeren Apfelstrudel mit Vanilleso\u00dfe. Viele schon verf\u00fchrte ein knackig-saftiger Apfel: zum Reinbei\u00dfen lecker. 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