{"id":3142,"date":"2022-04-18T08:17:42","date_gmt":"2022-04-18T08:17:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.st-franziskus-schwarzenbach-saale.de\/?p=3142"},"modified":"2025-04-21T17:17:16","modified_gmt":"2025-04-21T17:17:16","slug":"predigt-gruendonnerstag-im-jahreskreis-c","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.st-franziskus-schwarzenbach-saale.de\/?p=3142","title":{"rendered":"PREDIGT GR\u00dcNDONNERSTAG"},"content":{"rendered":"\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Ex 12,1-8.11-14 + Joh 13,1-15<\/strong><\/p>\n<p>Liebe Schwestern und Br\u00fcder, liebe Kinder, liebe Jugendliche!<br \/>Gr\u00fcndonnerstag ist verbunden mit der Farbe GR\u00dcN \u2013 zumindest dem Namen nach. Viele Menschen essen heute auch gr\u00fcne Speisen, B\u00e4rlauch-Suppe oder die ber\u00fchmte Frankfurter Gr\u00fcne Sauce. Aber der Name Gr\u00fcndonnerstag kommt nicht von der Farbe GR\u00dcN, sondern vom althochdeutschen Greinen, dem Wort f\u00fcr Weinen. Die Traurigkeit bricht durch, auch in diesem Gottesdienst: die Orgel hat nach dem Gloria auf-geh\u00f6rt zu spielen und auch die Glocken sind verstummt \u2013 die anf\u00e4ngliche Feststimmung ist am Kippen und gibt dem Abendmahl, dem Abschieds-mahl Jesu einen melancholischen und traurigen Touch. Vielerorts wird nach der Abendmahl-Messe auch eine \u00d6lbergandacht oder eine \u00d6lbergwache gehalten und des Gebets Jesu am \u00d6lberg gedacht \u2013 bange Stunden, die alles andere als in hoffnungsvolles GR\u00dcN getaucht sind.<br \/>Und doch ist dieser Abend des Gr\u00fcndonnerstags auch mit Gedanken der Hoffnung verkn\u00fcpft \u2013 die biblischen Schrifttexte sprechen davon: Von der Hoffnung auf Rettung aus bitteren und bedr\u00fcckenden Zeiten \u2013 die Israeliten haben diese zugesagte Hoffnung erfahren nach langen Jahren in der Sklaverei in \u00c4gypten und der Hinhaltetaktik des Pharaos. Und das ist ihre Hoffnung: Gott wird uns retten, denn er hat ihnen zugesagt: \u201eDas vernichtende Unheil wird euch nicht treffen\u201c (Ex 12,13). Die Israeliten vertrauen Gott und setzen ihre ganze Hoffnung auf ihn. Sie r\u00fcsten und bereiten sich f\u00fcr den schnellen Aufbruch aus der Unterdr\u00fcckung vor. Sie r\u00fcsten und bereiten sich f\u00fcr die eilige Flucht vor dem m\u00e4chtigen und grausamen Pharao \u2013 ich f\u00fchle mich an die Fl\u00fcchtenden aus den Kriegsgebieten und die Diktatoren unserer Tage erinnert. Die Israeliten feiern vor dem Exodus Pessach, ein Fest, weil sie auf das rettende Eingreifen Gottes hoffen. Gl\u00e4ubige Juden feiern dieses Hoffnungsfest bis heute: das Fest der Befreiung in Erinnerung daran, dass Gott Freiheit geschenkt hat und hoffentlich auch immer wieder schenken m\u00f6ge.<br \/>Auch wenn wir den Gr\u00fcndonnerstag nicht in GR\u00dcN, sondern in der liturgischen Farbe WEISS feiern, ist es doch ein hoffnungsvolles Christusfest. Der Gr\u00fcndonnerstag ist getragen von der Hoffnung, dass alles gut ausgehen wird \u2013 wenn auch anders als erwartet: Es ist nicht alles sofort gut, sondern es wird erst gut durch das Kreuz \u2013 der gute Weg endet nicht am Kreuz, sondern f\u00fchrt durch das Kreuz hindurch zum Leben. Jesus sieht \u201eseine Stunde gekommen\u201c (Joh 13,1), die Stunde, in der sich alles entscheidet: Verrat und Nachfolge \u2013 die Stunde der Hoffnung, dass das Leben \u00fcber den Tod siegen wird und die Wahrheit \u00fcber den Verrat.<br \/>In dieser Stunde setzt Jesus Zeichen: Er w\u00e4scht seinen J\u00fcngern die F\u00fc\u00dfe, nicht den Kopf. Er verurteilt seinen Verr\u00e4ter Judas Iskariot nicht, sondern w\u00e4scht auch ihm die F\u00fc\u00dfe \u2013 wer h\u00e4tte sich das gedacht. Der Herr w\u00e4scht allen J\u00fcngern die F\u00fc\u00dfe, macht sich klein, um zu dienen \u2013 nicht nur den Bed\u00fcrftigen, sondern auch den S\u00fcndern. Er, der Herr, verrichtet den Sklavendienst \u2013 eine Umkehr der sonst g\u00e4ngigen Unterdr\u00fcckungsverh\u00e4ltnisse. Jesus setzt dieses Zeichen des Dienens. Die J\u00fcnger und auch wir Menschen heute sollen uns daran ein Beispiel nehmen und einander und den Menschen dienen \u2013 nicht \u00fcber sie herrschen oder sie mit Gewalt zu etwas zwingen. Dem Frieden und dem guten Zusammenleben dienen \u2013 aus Liebe \u2013, darauf kommt es an. Dieses hoffnungsvolle Zeichen setzt Jesus; er hofft, dass die J\u00fcnger es ihm nachmachen, ihm so nachfolgen und auf der Spur bleiben, auch wenn er nicht mehr da ist. F\u00fcr diesen hoffnungsvollen Weg steht auch die Farbe GR\u00dcN: Sie ist eine emotional positive Farbe, die uns bef\u00e4higt, uns selbst und andere bedingungslos zu lieben.<br \/>Jesus setzt ein weiteres Hoffnungszeichen: Er nimmt die Speisen des j\u00fcdi-schen Pessach-Mahles und gibt ihnen eine neue Bedeutung \u2013 wieder geht es um Rettung. Der Name Jesus ist Programm: Gott rettet. Er gibt sich hinein in die Gaben von Brot und Wein. Die J\u00fcnger sollen so Jesus aufnehmen und aus ihm leben. In der Feier des letzten Abendmahles und in jeder Feier der Eucharistie ist Jesus Christus ganz da: Jesus Christus ist das Lebensbrot: Brot, das st\u00e4rkt und Rettung verhei\u00dft. Brot, das nach einer guten Zu-kunft schmeckt \u2013 nach Frieden und Freiheit. Brot, das Leben ist und uns mit unserem Retter Jesus Christus und untereinander verbindet. Das macht Mut und schenkt Hoffnung gerade in diesen schweren Zeiten. AMEN.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ex 12,1-8.11-14 + Joh 13,1-15 Liebe Schwestern und Br\u00fcder, liebe Kinder, liebe Jugendliche!Gr\u00fcndonnerstag ist verbunden mit der Farbe GR\u00dcN \u2013 zumindest dem Namen nach. Viele Menschen essen heute auch gr\u00fcne Speisen, B\u00e4rlauch-Suppe oder die ber\u00fchmte Frankfurter Gr\u00fcne Sauce. 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