{"id":3133,"date":"2022-03-30T20:12:39","date_gmt":"2022-03-30T20:12:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.st-franziskus-schwarzenbach-saale.de\/?p=3133"},"modified":"2022-03-30T20:12:40","modified_gmt":"2022-03-30T20:12:40","slug":"predigt-4-fastensonntag-im-jahreskreis-c","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.st-franziskus-schwarzenbach-saale.de\/?p=3133","title":{"rendered":"PREDIGT 4. FASTENSONNTAG IM JAHRESKREIS (C)"},"content":{"rendered":"\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>2 Kor 5,17-21 + Lk 15,1-3.11-32<\/strong><\/p>\n<p>Das Begleitheft der diesj\u00e4hrigen \u00f6kumenischen Alltagsexerzitien ist ganz in Blau gehalten \u2013 der Umschlag und auch das Titelbild: alles in Blaut\u00f6nen. Eine in ganz in Blau gekleidete Frau springt mit ausgestreckten Armen in die H\u00f6he, voll Freude, wie es scheint, mitten hinein in den blauen Himmel, der fast das ganze Bild einnimmt. Frei \u2013 das Motto der Alltagsexerzitien steht daneben \u2013 Freiheit und Weite, die mit der Farbe Blau verbunden ist. Blau ist wohl die beliebteste Farbe der Menschen; sie wirkt beruhigend, strahlt Ruhe und Vertrauen aus; Blau steht f\u00fcr Frieden und Harmonie, f\u00fcr Freundschaft, Zuverl\u00e4ssigkeit und Treue.<br \/>Blau die Farbe der Freiheit \u2013 der weite, strahlend blaue Himmel, den wir derzeit erleben, ist f\u00fcr viele eben diese Freiheit: Die Freiheit rauszugehen; die Freiheit, Neues anzufangen. Sicher hat sich der j\u00fcngere der beiden S\u00f6hne im heutigen Evangelium (Lk 15,1-3.11-32) danach gesehnt und gesp\u00fcrt, dass in seinem bisherigen Leben vieles zu eng ist. Er ist unzufrieden mit sich und seinem Leben; er f\u00fchlt sich gegen\u00fcber dem \u00e4lteren Bruder benachteiligt und ungerecht behandelt; in ihm kommen Neid, Wut und \u00c4rger hoch; sein innerer und \u00e4u\u00dferer Friede sind gest\u00f6rt. Jede und jeder kennt diese Gedanken und Gef\u00fchle \u2013 jede(r) kann sie mit Situationen des eigenen Lebens verbinden: in der Familie, in der Nahbarschaft im Bekanntenkreis. Der j\u00fcngere Sohn f\u00fchlt sich benachteiligt und irgendwie verloren in diesem Familiengef\u00fcge; er will raus, er will seine Freiheit \u2013 koste es, was es wolle: Er verlangt von seinem Vater den Erbteil, also die H\u00e4lfte des gesamten v\u00e4terlichen Besitzes und Verm\u00f6gens; dann sagt er sich von seinem Vater und Bruder los, trennt sich von ihnen, will mit ihnen nichts mehr zu tun haben \u2013 die Beziehung ist tot. Frei und z\u00fcgellos genie\u00dft er sein Leben und lebt ins Blaue hinein: st\u00e4ndig Party \u2013 Saufen bis zum Abwinken \u2013 t\u00e4glich blau \u2013 Frauen en masse. Blau\u00e4ugig verprasst er das ganze Geld; scheinbare Freunde sind da, solange Geld da ist und sie eingeladen werden. Der j\u00fcngere Sohn verspielt seine Freiheit: er nutzt sein Verm\u00f6gen nicht zum Guten; sein Leben wird zum Desaster; er f\u00e4llt tief und tiefer und landet schlie\u00dflich im Mist bei den Schweinen \u2013 dort haust er und leidet Hunger. Sein Leben war und ist ein einziger Saustall. Er f\u00fchlt sich sauelend \u2013 und er denkt nach: In seiner Verlorenheit sehnt er sich nach Hause zur\u00fcck, zur\u00fcck zu seinem Vater. Er bereut sein Verhalten und kehrt um: ein innerer und \u00e4u\u00dferer Weg der Umkehr in die Arme des Vaters \u2013 eine Geste mir der der nicht gerechnet hatte.<br \/>Auch der \u00e4ltere Sohn bedarf der Umkehr \u2013 innerlich und \u00e4u\u00dferlich. Er \u00e4rgert sich gr\u00fcn und blau, ja er kocht vor Wut, dass sein Bruder es gewagt hat, zur\u00fcckzukommen und dass der Vater ein Fest feiert: f\u00fcr ihn, der keinen Finger krumm gemacht und das ganze Geld verschleudert hat. Er erkannte und erkennt nicht, dass auch er als \u00c4lterer die Freiheit hatte, etwas aus seinem Leben zu machen \u2013 mehr als nur arbeiten: \u201eMein Kind, du bist immer bei mir, und alles, was mein ist, ist auch dein\u201c (Lk 15,31),<br \/>sagt der Vater zu ihm. Auch diese Freiheit muss gestaltet werden, sonst wird man unzufrieden, weil der andere immer mehr zu haben scheint. Ob der \u00e4ltere Sohn das ewige Vergleichen sein l\u00e4sst und umkehrt \u2013 dar\u00fcber schweigt die Bibel. Das regt mich zum Nachdenken an: \u201eDas Vergleichen ist das Ende des Gl\u00fccks und der Anfang der Unzufriedenheit\u201c, sagt S\u00f8ren Kierkegaard, ein d\u00e4nischer Philosoph und Theologe.<br \/>Genau mit diesem Vergleichen spielt die Werbung \u2013 und wir glauben das Gl\u00fcck erkaufen zu k\u00f6nnen. Wir werden letztlich immer ungl\u00fccklicher, weil das Gl\u00fcck nicht im Haben besteht, sondern im Sein: im Angenommensein, im Gl\u00fccklichsein und im Zufriedensein. Dazu l\u00e4dt der barmherzige Vater die beiden verloren S\u00f6hne ein \u2013 ohne ein Wort des Vorwurfes und der Ver\u00e4rgerung. Er verspricht ihnen nicht das Blaue vom Himmel, sondern er meint es ernst. Kehrt um, kommt zu mir \u2013 die offenen Arme sind die Geste daf\u00fcr. Ein Fest f\u00fcr das Leben will er mit beiden S\u00f6hnen feiern, ein Vers\u00f6hnungsfest \u2013 ein Fest, das auch f\u00fcr die gemeinsame Zukunft steht: f\u00fcr ein gutes und friedliches Zusammenleben.<br \/>Die Erstkommunionkinder gehen in diesen Wochen vor der Erstkommu-nion in sich und erforschen ihr Gewissen; sie gehen zur Beichte und feiern ein Vers\u00f6hnungsfest \u2013 wie der Vater es mit seinen beiden S\u00f6hnen geplant hat. Auf dem Beichtspiegel f\u00fcr die Gewissenserforschung ist der barmherzige Vater mit den offenen Armen abgedruckt \u2013 so will Gott auch uns s\u00fcndige Menschen annehmen, trotz unserer Schuld und noch vor aller Leistung. F\u00fcr uns Erwachsene sind die Bu\u00dfgottesdienste, die Beichtgelegenheit und die Vorbereitung darauf gute M\u00f6glichkeiten sein Leben zu \u00fcberdenken, umzukehren und bei Gott offene Armen und Vers\u00f6hnung und Vergebung zu finden. Nutzen Sie diese Chance, frei zu werden. Finden Sie inneren und \u00e4u\u00dferen Frieden \u2013 die Farbe Blau l\u00e4dt dazu ein. AMEN.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>2 Kor 5,17-21 + Lk 15,1-3.11-32 Das Begleitheft der diesj\u00e4hrigen \u00f6kumenischen Alltagsexerzitien ist ganz in Blau gehalten \u2013 der Umschlag und auch das Titelbild: alles in Blaut\u00f6nen. 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