{"id":2957,"date":"2021-07-12T19:59:22","date_gmt":"2021-07-12T19:59:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.st-franziskus-schwarzenbach-saale.de\/?p=2957"},"modified":"2021-07-12T19:59:23","modified_gmt":"2021-07-12T19:59:23","slug":"predigt-15-so-i-jk-b","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.st-franziskus-schwarzenbach-saale.de\/?p=2957","title":{"rendered":"PREDIGT 15. So. i. JK (B)"},"content":{"rendered":"\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Am 7,12-15 + Mk 6,7-13<\/strong><\/p>\n<p>Liebe Schwestern und Br\u00fcder, liebe Kinder und Jugendliche!<br \/>Ich packe meinen Koffer und nehme mit \u2026: eine lange Hose, meinen Lieblingspulli, Sonnencreme und ein gutes Buch. Ich packe meinen Kof-fer und nehme mit \u2026: eine lange Hose, meinen Lieblingspulli, Sonnencreme, ein gutes Buch und \u2026 \u2013 ich kenne dieses Spiel zum Ged\u00e4chtnistraining aus Zeiten, in denen es noch kein Sudoku gab. Ich packe meinen Koffer und nehme mit \u2013 bei jeder Runde wird ein neuer Gegenstand gedanklich in einen Reisekoffer gelegt. Bei jeder Wiederholung gilt es, keinen Gegenstand f\u00fcr diese Fantasiereise zu vergessen.<br \/>Ich packe meinen Koffer und nehme mit \u2013 bald beginnen die Ferien. Viele haben aufgrund niedriger Inzidenzwerte Reisepl\u00e4ne geschmiedet. \u00dcberlegungen, was in den Urlaub mitgenommen werden soll, laufen: Checklisten werden erstellt, damit nichts vergessen wird; Besorgungen werden gemacht.<br \/>Ich packe meinen Koffer und nehme mit \u2026: in diesem Jahr ist \u201emein Koffer\u201c wieder mein Rucksack: im August mache ich Urlaub in den Bergen, da brauche ich nicht viel mitzunehmen \u2013 au\u00dfer mein Stundenbuch, die kleine Taschenbibel und ein zwei B\u00fccher, wenn das Wetter doch nicht so sch\u00f6n ist wie erhofft. Mein Rucksack hat nur begrenzt Platz. Ich muss sorgf\u00e4ltig \u00fcberlegen, was ich wirklich brauche: zwei Wanderhosen, zwei Hemden, zwei T-Shirts, eine Regenjacke und ein w\u00e4rmendes Flies; einen Sonnenhut, zwei paar Wandersocken, Unterw\u00e4sche, eingelaufene Wanderschuhe, Wanderst\u00f6cke\u2026 \u2013 \u2026 und dann das heutige Evangelium von der Aussendung der J\u00fcnger. Es macht mich nachdenklich: \u201eJesus gebot ihnen, au\u00dfer einem Wanderstab nichts auf den Weg mitzunehmen, kein Brot, keine Vorratstasche, kein Geld im G\u00fcrtel, kein zweites Hemd und an den F\u00fc\u00dfen nur Sandalen\u201c (Mk 6,8-9).<br \/>In den parallelen \u00dcberlieferungen bei den Evangelisten Matth\u00e4us und Lukas ist die Gep\u00e4ckliste sogar noch spartanischer: barfu\u00df sollen sich die J\u00fcnger auf den Weg machen. Auch der Wanderstab als hilfreiche St\u00fctze und zur Verteidigung gegen wilde Tiere soll daheim bleiben.<br \/>Ich frage mich: wie kann man so ausger\u00fcstet von Ort zu Ort unterwegs sein, um das Wort Gottes zu verk\u00fcnden, Kranke zu salben und zu heilen? Ist Jesus da nicht naiv und realit\u00e4tsfremd? Braucht es nicht gerade deshalb eine gute und qualitativ hochwertige Ausr\u00fcstung, damit sich die J\u00fcnger unbesorgt ihren eigentlichen Aufgaben widmen k\u00f6nnen?<br \/>Aber gerade darum geht es Jesus: Die J\u00fcnger sind von ihm mit dem N\u00f6tigsten ausger\u00fcstet; sie haben von Jesus das Wesentliche gelernt \u2013 und dieses Wesentliche ist eben nicht das Materielle. So ausgestattet sollen sie sich paarweise auf den Weg machen, um sich zu st\u00fctzen und zu unterst\u00fctzen \u2013 der Sorge Gottes und dem Wohlwollen der Menschen ausgesetzt. Die Offenheit und Empf\u00e4nglichkeit der Menschen sind Voraussetzung, damit die J\u00fcnger ankommen und damit die Menschen von Gott heilend ber\u00fchrt werden k\u00f6nnen: Gastfreundschaft f\u00fcr Gott, offene T\u00fcren und Herzen f\u00fcr ihn.<br \/>Nur im Raum gelebter Gastfreundschaft und bedingungsloser Offenheit kann das durch die J\u00fcnger vermittelte Heilswirken Gottes geschehen \u2013 k\u00f6rperlich und seelisch. Diese heilsame Gastfreundschaft l\u00e4sst sich nicht erzwingen: Dort wo die J\u00fcnger nicht willkommen sind, sollen sie weggehen und den Staub von ihren F\u00fc\u00dfen sch\u00fctteln (vgl. Mk 6,11) \u2013 \u201emacht doch euern Dreck doch alleine\u201c, so k\u00f6nnte man diese Geste ins Heute \u00fcbersetzen. Die J\u00fcnger sind Gast auf Zeit. Sie nisten sich nicht dauerhaft ein. Es sind Menschen, die im Aufbruch leben. So bleiben sie offen f\u00fcr neue Begegnungen, flexibel in ihrem Tun und dynamisch auf dem Weg.<br \/>Ich packe meinen Rucksack und nehme mit \u2026: meine Wanderausr\u00fcstung, das N\u00f6tigste f\u00fcrs Bergwandern und Lekt\u00fcre f\u00fcr mein geistig-geistliches Unterwegssein. Ich packe meinen Rucksack und nehme mit \u2026: dieses Evangelium f\u00fcr mein Leben. Von der Gep\u00e4ckliste der J\u00fcnger kann ich lernen, dass weniger oft mehr ist. Weniger ist mehr: Wenn ich mich in meinem Leben nur mit den wirklich wichtigen Dingen belaste, dann behalte ich mir eine gewisse Unbeschwertheit im Leben, dann bleibe ich offen f\u00fcr neue Begegnungen und f\u00fcr Unerwartetes im Leben. Ich kann \u2013 wenn n\u00f6tig \u2013 neue Wege einschlagen und Aufbr\u00fcche wagen, ohne allzu schweren Ballast. Ich kann lernen und ein\u00fcben, dass Gastfreundschaft wichtig und heilsam ist \u2013 Gastfreundschaft, die offen ist f\u00fcr meine Mitmenschen und Gast-freundschaft, die offen ist f\u00fcr Gott, wie wir es vor dem Kommunionempfang aussprechen: Herr, ich bin nicht w\u00fcrdig, dass du eingehst unter mein Dach, aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund. AMEN.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 7,12-15 + Mk 6,7-13 Liebe Schwestern und Br\u00fcder, liebe Kinder und Jugendliche!Ich packe meinen Koffer und nehme mit \u2026: eine lange Hose, meinen Lieblingspulli, Sonnencreme und ein gutes Buch. 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