{"id":2901,"date":"2021-04-02T11:28:53","date_gmt":"2021-04-02T11:28:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.st-franziskus-schwarzenbach-saale.de\/?p=2901"},"modified":"2021-04-02T11:28:54","modified_gmt":"2021-04-02T11:28:54","slug":"predigt-gruendonnerstag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.st-franziskus-schwarzenbach-saale.de\/?p=2901","title":{"rendered":"PREDIGT Gr\u00fcndonnerstag"},"content":{"rendered":"\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Ex 12,1-8.11-14 + Joh 13,1-15<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Liebe Schwestern und Br\u00fcder, liebe Kinder und Jugendliche!<br \/>Fastfood.<br \/>Sie denken kennen sicher verschiedene Hamburgervariationen mit der gro\u00dfen, mittleren oder kleinen Portion Pommes. Dazu ein Erfrischungsgetr\u00e4nk im Pappbecher \u2013 derzeit alles nur zum Mitnehmen. Auch ein D\u00f6ner, eine Bratwurst unterwegs oder ein Kaffee to go oder die in Coronazeiten gelieferte Pizza \u2013 das alles z\u00e4hlt zum Fastfood. Eines ist wich-tig: Schnell muss es gehen beim Fastfood: schnell und ohne Aufwand soll das \u201eschnelle Essen\u201c fertig sein, schnell das Essen runterschlucken \u2013 es bleibt kaum Zeit f\u00fcr Begegnung und Gespr\u00e4che. Schnellimbiss nur keine Zeit verlieren. Der Schnellimbiss \u2013 ein Ph\u00e4nomen unserer Zeit?<br \/>Den Schnellimbiss gibt es auch in der Bibel: Die Lesung aus dem Buch Exodus berichtete davon, wie das Pessachlamm gegessen werden soll:<br \/>\u201e\u00dcber dem Feuer gebraten und zusammen mit unges\u00e4uertem Brot und Bitterkr\u00e4utern soll man es essen. [\u2026] So aber sollt ihr es essen: eure H\u00fcften geg\u00fcrtet, Schuhe an euren F\u00fc\u00dfen und euren Stab in eurer Hand. Esst es hastig! Es ist ein Pessach f\u00fcr den HERRN\u201c (Ex 12,8.11).<br \/>Warum all die Eile?<br \/>Das Lamm ist eine wichtige Speise beim j\u00fcdischen Pessachfest, das mit dem so genannten Sederabend beginnt. Alle Speisen haben Symbolcharakter: Die Bitterkr\u00e4uter z.B. erinnern an die bittere und tr\u00e4nenreiche Zeit, als die Israeliten Sklaven in \u00c4gypten waren. Der Pharao wollte sie nicht ziehen lassen. In aller Ausweglosigkeit hofften sie auf den retten-den Gott, der Freiheit und Rettung schenkt, auf JAHWE. Dieser Gottesname ist Programm: ICH BIN DER, ICH BIN DA. Gott war mit seinem Volk und versprach Rettung am Abend des gro\u00dfen Festes. Unges\u00e4uertes Brot wurde gebacken. Es blieb keine Zeit f\u00fcr langgehenden Sauerteig. Alles musste schnell gehen. Alles war in Aufbruchsstimmung. \u201eDu, Gott, stellst meine F\u00fc\u00dfe auf weiten Raum\u201c \u2013 im Psalmvers, mit dem das diesj\u00e4hrige MISEREOR-Hungertuch \u00fcberschrieben ist, klingt dieser rettende Aufbruch, der Exodus, an; der auf dem Hungertuch abgebildet Fu\u00df kann als Symbol f\u00fcr den eiligen Aufbruch \u201ezu Fu\u00df\u201c gesehen werden. Daher musste auch das Lamm hastig gegessen werden: geg\u00fcrtet, mit dem Wanderstab in der Hand und Schuhen an den F\u00fc\u00dfen, zum Aufbruch bereit. Die Juden feiern jedes Jahr diesen Aufbruch des Gottesvolks und das rettende Eingreifen Gottes als Befreiung aus aller Unterdr\u00fcckung.<br \/>Jesus war Jude und er feiert mit seinen J\u00fcngern das Pessachfest in Erinnerung an den Auszug aus \u00c4gypten und an die Befreiung aus der Sklaverei. Der Wein, den es zu trinken gibt, erinnert an die gegl\u00fcckte Rettung.<br \/>Doch Jesus feiert dieses Erinnerungsmahl nicht auf die Schnelle. Bei Jesus ist es kein Fastfood. Jesus l\u00e4sst sich Zeit, Zeit f\u00fcr Neues: Brot-Zeit. Am Abend vor seinem Leiden nimmt Jesus Brot und er bricht das Brot. Das Brot bleibt nicht ganz, sondern wird ganz zerbrochen, geteilt, gegeben f\u00fcr andere. Das gebrochene Brot ist Jesus selbst \u2013 er selbst ist in ihm ganz gegenw\u00e4rtig. Das Brot des Lebens wird gebrochen, geteilt. Jesus wird f\u00fcr uns gebrochen und geteilt wie Brot. Er geht den Weg, der ihm bevorsteht und zerbricht am Kreuz, um uns und die Welt zu retten.<br \/>Auch der Becher mit Wein verweist bei Jesus schon auf die Kreuzigung, auf das Blut, das Jesus dort vergie\u00dfen wird, zur Vergebung der S\u00fcnden. Das Blut ist somit \u2013 wie schon in der Lesung \u2013 ein Rettungszeichen.<br \/>Dieses gemeinsame Mahl Jesu mit seinen J\u00fcngern, das letzte Abendmahl, schafft Gemeinschaft: es ist kein Schnellimbiss und auch kein Dinner for one. Dieser Neue Bund schafft Verbindung \u2013 Communio \u2013 Verbindung mit Jesu auch \u00fcber seinen Tod hinaus. Dieses letzte Abendmahl schafft Verbindlichkeit: Tut dies zu meinem Ged\u00e4chtnis!<br \/>Das ist heute: Die J\u00fcnger und die Menschen sollen sich an dieses Mahl erinnern. Deshalb feiern wir es heute, deshalb gehen wir heute zum Kommunion, damit wir heute mit IHM und untereinander verbunden sind. Verbundensein mit Jesus, das geht nicht auf die Schnelle. Es ist eine tiefe intensive Beziehung, eine Union von Gott und Mensch: Kom-munion. Ich brauche daf\u00fcr Zeit und Ruhe: Zeit, um Jesus im gebrochenen Brot \u2013 und \u2013 wenn Corona nicht w\u00e4re \u2013 auch im geteiltem Wein zu empfangen und innere Ruhe, um Jesus im Gebet zu begegnen. Ich brauche Zeit und Ruhe, um zu begreifen, dass Jesus in die Zerbrochenheit und Zerbrechlichkeit meines Lebens kommt. Er, der Zerbrochene und der Retter, kommt in unsere zerbrochenen und zerbrechlichen Beziehungen, in die Zerrissenheit unserer Familien, auch dorthin wo Hass, Krieg und Streit, wo Krankheit und Einsamkeit ist.<br \/>Jesus unterbricht das Mahl und zeigt damit nochmals worauf es ankommt: sich bewusst Zeit zu nehmen nicht nur f\u00fcr die Begegnung mit IHM, sondern auch f\u00fcr die Begegnung mit den Mitmenschen. Jesus beugt sich hinab ins Leben jedes J\u00fcngers und w\u00e4scht jedem die F\u00fc\u00dfe. Jesus sieht die Schwielen, die Hornhaut, die krummen Zehen und eingewachsenen N\u00e4gel \u2013 F\u00fc\u00dfe vom Leben gezeichnet. Jesus kniet sich hin und verneigt sich vor jedem Fu\u00df und den Wegen, die dieser Fu\u00df gegangen ist. Er sieht den ganzen Menschen, der zu diesem Fu\u00df geh\u00f6rt und w\u00e4scht allen Schmutz von ihm ab. Jesus schenkt so jedem Menschen W\u00fcrde und neues Ansehen: Tut dies zu meinem Ged\u00e4chtnis! Jesus ruft uns nicht nur auf, die Eucharistie zu seinem Ged\u00e4chtnis zu feiern und die Eucharistie, den Leib (und das Blut) Christi, zu empfangen, sondern auch einander die F\u00fc\u00dfe zu waschen. Das ist unser aller Berufung und unser Auftrag als Christinnen und Christen heute: der Dienst an den Menschen, an ihrem Leben in der Nachfolge Jesu. Dazu stellt er uns alle und unsere F\u00fc\u00dfe auf weiten Raum. AMEN.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><br \/>Fast Fasten \u2013<br \/>Fastfood \u2013<br \/>fast k\u00f6nnte man es Fasten nennen;<br \/>fast Fasten \u2013<br \/>schnelles Fasten \u2013 geht das \u00fcberhaupt?<br \/>Geht es nicht eher darum, langsamer zu werden?<br \/>Entschleunigung \u2013<br \/>zu Ruhe kommen \u2013<br \/>mit Bedacht an das Leben herangehen.<br \/>Das Fasten gelang mir fast,<br \/>dann bin ich doch der Versuchung erlegen.<br \/>Fasten \u2013 ohne Klammer<br \/>nicht fast (englisch) und nicht fast (deutsch).<br \/>Fasten ist mehr als einen Versuch wert \u2013<br \/>man kann immer neu anfangen,<br \/>um mehr Platz im Leben zu haben:<br \/>f\u00fcr Gott,<br \/>f\u00fcr die Mitmenschen,<br \/>f\u00fcr mich selbst.<br \/>Gutes Fasten!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ex 12,1-8.11-14 + Joh 13,1-15 Liebe Schwestern und Br\u00fcder, liebe Kinder und Jugendliche!Fastfood.Sie denken kennen sicher verschiedene Hamburgervariationen mit der gro\u00dfen, mittleren oder kleinen Portion Pommes. 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