{"id":2697,"date":"2020-10-25T19:31:22","date_gmt":"2020-10-25T19:31:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.st-franziskus-schwarzenbach-saale.de\/?p=2697"},"modified":"2021-07-10T15:23:08","modified_gmt":"2021-07-10T15:23:08","slug":"predigt-30-so-i-jk-a","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.st-franziskus-schwarzenbach-saale.de\/?p=2697","title":{"rendered":"PREDIGT 30. So. i. JK (A)"},"content":{"rendered":"\n<p style=\"text-align: center;\"><strong><em>Ex 22,20-26 + 1 Thess 1,5c-10 + <\/em><\/strong><strong><em>Mt 22,34-40<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Liebe Schwestern und Br\u00fcder, liebe Kinder, liebe Jugendliche!<\/p>\n<p>Derzeit ist unser Leben Corona-bedingt von Verboten bestimmt und auch von Handlungsweisen, die geboten sind: gro\u00dfe Menschenansammlungen meiden, Abstand halten, Hygienema\u00dfnahmen beachten, Mund-Naseschutz tragen\u2026 613 Ge- und Verbote kennt das Judentum. Alle 613 sind wichtig. Eines davon als das Wichtigste auszuw\u00e4hlen, hie\u00dfe sich gegen 612 andere entscheiden. Eine gemeine Falle, die die Sadduz\u00e4er und Pharis\u00e4er Jesus stellen: \u201e<em>Welches Gebot im [j\u00fcdischen] Gesetz ist das wichtigste?<\/em>\u201c (<strong><em>Mt 22,36<\/em><\/strong>). Jesus wird schon antworten, denkt ein Gesetzeslehrer \u2013 und dann haben wir ihn, dann sprechen 612 Gebote gegen ihn; 612 Gebote, die er nicht f\u00fcr so wichtig h\u00e4lt. Jesus aber geht es nicht prim\u00e4r um Gesetze und Paragraphen; er ist kein Paragraphenreiter. Jesus stellt ganz andere Gebote auf: ihm geht es um Beziehung, die Beziehung der Menschen zu Gott.<\/p>\n<p>Diese Liebesbeziehung ist von Gott her in der Sch\u00f6pfung grundgelegt: Gott liebt jeden Menschen \u2013 sogar so sehr, dass sein Sohn Mensch wird; so sehr, dass er ihn am Kreuz f\u00fcr uns hingibt; so sehr, dass er ihn nicht im Tod l\u00e4sst, sondern uns durch die Auferstehung Hoffnung auf Erl\u00f6sung und Leben schenkt. Dieses Beziehungsgeschehen, das sich in Jesus Christus ereignet und unsere Antwort herausfordert, kann nicht in Gesetze und Paragraphen gesteckt werden. Die Liebe Gottes zu uns Menschen schreit nach einer Antwort, nach Beziehung \u2013 <em>das<\/em> ist oberstes Gebot: \u201e<em>Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit deinem ganzen Denken. Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen N\u00e4chsten lieben wie dich selbst. An diesen beiden Geboten h\u00e4ngt das ganze Gesetz und die Propheten<\/em>\u201c (<strong><em>Mt 22,37-40<\/em><\/strong>).<\/p>\n<p>Mit diesem Beziehungsgebot setzt Jesus die 613 Gebote des j\u00fcdischen Gesetzes nicht au\u00dfer Kraft, sondern er verweist auf das Fundament, auf dem sie ruhen: die Liebe zu Gott, zu den Mitmenschen und zu sich selbst. Die Gesetzeslehrer greifen genau da an, um Jesus zu schw\u00e4chen, ihn l\u00e4cherlich zu machen, mit ihm zu streiten, bis er mundtot gemacht ist. Heutzutage geschieht es \u00fcberall dort, wo Menschen ausgebeutet und lieblos f\u00fcr eigene Zwecke ausgenutzt werden; wo die W\u00fcrde der Menschen mit F\u00fc\u00dfen getreten wird, wo jeder sich selbst der N\u00e4chste ist, nur sich und seinen Vorteil sieht und das alles f\u00fcr selbstverst\u00e4ndlich und gerecht hinnimmt.<\/p>\n<p>Das Gebot Jesu ist anders: die Liebe zu Gott, zu den Menschen und zu sich selbst sind einander gleichwertige \u2013 gleichwichtige Beziehungen. Da geht es schon auch um mich, aber eben auch um mehr. Das Kreuzzeichen zeigt uns das anschaulich: <em>Die Vertikale<\/em>, wenn ich Stirn und Brust ber\u00fchre, steht nicht nur f\u00fcr Herz und Verstand, sondern auch f\u00fcr die Verbindung von Himmel und Erde, f\u00fcr meine Beziehung zu Gott, mit dem ich mich beim Beten verbinde. <em>Die Horizontal<\/em>, wenn ich meine Schultern ber\u00fchre, steht f\u00fcr meine Offenheit f\u00fcr meine Mitmenschen, f\u00fcr die N\u00e4chsten neben mir, f\u00fcr meine Beziehung zu Menschen nah und fern, ja weltweit, mit denen ich mich beim Beten verbinde.<\/p>\n<p>Diese Beziehungen h\u00e4ngen an mir und sie h\u00e4ngen von mir ab \u2013 es h\u00e4ngt von mir ab, ob das Kreuz in diesen, meinen gelebten Beziehungen zu Gott, zu den Mitmenschen und zu mir selbst ein Zeichen der Liebe wird und ist \u2013 das ist das Gebot der Stunde, das ist meine Mission als Christin, als Christ: die Liebe Gottes zu leben und meinen N\u00e4chsten zu lieben wie mich selbst und so ein Zeugnis gelebten Glaubens zu geben.<\/p>\n<p>In der Vergangenheit wurde im Zeichen des Kreuzes auch mit Gewalt missioniert \u2013 dieser aufgezwungene christliche Glaube widerspricht der Botschaft Jesu von der Liebe \u2013 diese Zwangsmissionierung war\/ist ein Gr\u00e4uel. Den christlichen Glauben anbieten, ihn vorleben mitten im Alltag \u2013 das ist gerade auch bei uns in Deutschland und in Europa notwendig, denn wir sind l\u00e4ngst Missionsland geworden und ein Kontinent auf dem der christliche Glaube verdunstet und rapide abnimmt. \u201e<em>Selig, die Frieden stiften und Solidarit\u00e4t leben<\/em>\u201c \u2013 da k\u00f6nnen wir als reiche Kirche gerade in Krisenl\u00e4ndern und Kriegsgebieten viel bewirken \u2013 und wir k\u00f6nnen uns von deren Glaubensreichtum, vom Glauben an den helfenden, rettenden und liebenden Gott neu begeistern lassen \u2013 gemeinsam k\u00f6nnen wir einander helfen und f\u00fcreinander in den weltweiten Anliegen f\u00fcr Mission und Dialog mit anderen Religionen, f\u00fcr Gerechtigkeit und Frieden beten. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.\u00a0\u00a0 Amen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ex 22,20-26 + 1 Thess 1,5c-10 + Mt 22,34-40 Liebe Schwestern und Br\u00fcder, liebe Kinder, liebe Jugendliche! Derzeit ist unser Leben Corona-bedingt von Verboten bestimmt und auch von Handlungsweisen, die geboten sind: gro\u00dfe Menschenansammlungen meiden, Abstand halten, Hygienema\u00dfnahmen beachten, Mund-Naseschutz tragen\u2026 613 Ge- und Verbote kennt das Judentum. Alle 613 sind wichtig. 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