{"id":2662,"date":"2020-09-17T19:47:36","date_gmt":"2020-09-17T19:47:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.st-franziskus-schwarzenbach-saale.de\/?p=2662"},"modified":"2021-07-10T15:25:14","modified_gmt":"2021-07-10T15:25:14","slug":"predigt-24-so-i-jk-a","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.st-franziskus-schwarzenbach-saale.de\/?p=2662","title":{"rendered":"PREDIGT 24. So. i. JK (A)"},"content":{"rendered":"\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Sir 27,30-28,7 + Mt 18,21-35<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Liebe Schwestern und Br\u00fcder!<br \/>Eine radikale Botschaft: die Pflicht zur Vergebung. Viele Fragen schie-\u00dfen mir durch den Kopf: Bin ich verpflichtet immer zu vergeben? Kann ich das \u00fcberhaupt? Bin ich da nicht schnell der Dumme, ein Schw\u00e4ch-ling, wenn ich immer und immer wieder nachgebe und verzeihe? Wann w\u00e4re bei mir das Ma\u00df voll? Wo w\u00fcrde ich Grenzen ziehen \u2013 Vers\u00f6h-nungsbereitschaft muss doch Grenzen haben.<br \/>Petrus zieht diese Grenze in meinen Augen sehr gro\u00dfz\u00fcgig: Herr, wie oft muss ich meinem Bruder\/meiner Schwester vergeben, wenn er\/sie sich ge-gen mich vers\u00fcndigt? Siebenmal? Siebenmal, dem Mitmenschen vergeben, der mir geschadet und B\u00f6ses zugef\u00fcgt hat, der mich mit seinem Verhalten terrorisiert \u2013 siebenmal vergeben, dann reicht\u2019s aber \u2013 siebenmal, dass ist schwer genug, da muss das Himmelreich doch kommen. Petrus wollte mit seiner Antwort gl\u00e4nzen, vor Jesus und den anderen J\u00fcngern gut dastehen \u2013 er wollte Vorbild in Sachen Vergebung, wenn man menschliche Ma\u00dfst\u00e4be anlegt. Doch Jesus misst mit einem anderen Ma\u00df: nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal! Das meint: damit der Himmel schon hier auf Erden anbricht, musst du immer bereit sein, zu vergeben: unendlich oft.<br \/>Das ist einfacher gesagt als getan: wie leicht geht es mir \u00fcber die Lip-pen, wenn ich etwas falsch gemacht habe: \u201eDer oder die muss mir doch vergeben.\u201c Wenn ich aber selbst in der Rolle dessen bin, der vergeben soll, kommen Worte der Vergebung und Vers\u00f6hnung nur schwer \u00fcber meine Lippen \u2013 oft packe ich noch eins drauf, heize den Streit oder die Auseinandersetzung mit spitzen und verletzenden Bemerkungen an: Kleinkrieg mit Worten und Blicken, die t\u00f6ten k\u00f6nnten.<br \/>Im heutigen Evangelium finde ich mich in der Rolle des Dieners. Er er-f\u00e4hrt vom K\u00f6nig gerne Vergebung und Erlass seiner gro\u00dfen Schulden. Aber selbst tut er sich mit dem Vergeben und Schuldenerlass schwer. Der K\u00f6nig \u2013 ich ahne, dass Gott damit gemeint ist \u2013 erl\u00e4sst dem Diener zehntausend Talente \u2013 umgerechnet w\u00e4ren das heute etwa 20 Millionen Euro, eine Summe, die er wohl kaum zur\u00fcckzahlen k\u00f6nnte. Wie gering sind dagegen die 100 Denare, die ein anderer Diener ihm schuldet, und die er seinem Mitmenschen nicht erl\u00e4sst. Unsummen und Kleingeld. Auch ich messe h\u00e4ufig mit zweierlei Ma\u00df: Gro\u00dfz\u00fcgigkeit f\u00fcr mich, f\u00fcr meine Schulden und f\u00fcr mein Verschulden \u2013 Engstirnigkeit gegen\u00fcber anderen und ihr Verschulden. Wie schnell sitze ich in der Schuldenfalle \u2013 einer Falle bei der es nicht ums Finanzielle geht, sondern um den Um-gang mit Schuld und um das rechte Ma\u00df der Vergebung.<br \/>Wir Menschen werden schuldig, wir sind S\u00fcnder \u2013 sie, sie, sie, du und auch ich. Und Schuld kann viele Gesichter haben, von kleinsten Unter-lassungen bis hin zu unvorstellbar grausamen Taten. Schuldig werden wir durch das, was ich mir zu Schulden kommen lasse und was wir ei-nander schuldig bleiben: Aufmerksamkeit und Respekt, Wahrheit und<br \/>n\u00f6tiger Hilfe, Vers\u00f6hnungsbereitschaft und Vergebung. Schuldig werde ich, wenn ich mit zweierlei Ma\u00df messe.<br \/>Damit mein Leben gelingt, muss ich mich auf ein Ma\u00df festlegen. Ich muss mich an diesem Ma\u00df messen lassen, auch wenn ich durch ein an-deres Verhalten Vorteile h\u00e4tte \u2013 alles andere w\u00e4re vermessen und ma\u00df-los. Gott ist das Ma\u00df meines Lebens. Er ist K\u00f6nig, der das Ma\u00df festlegt: Barmherzigkeit, Erbarmen, Geduld. Diesem Ma\u00df soll ich mich ver-pflichtet f\u00fchlen im verantwortungsvollen Umgang mit anderen: Es geht nicht um drohende Zeigefinger oder geballte F\u00e4uste. Es geht nicht ums Richten und Verurteilen. Sondern es geht darum, den Mitmenschen die H\u00e4nde zu reichen, sie aufzurichten, ihnen zu verzeihen. Vergib uns un-sere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern \u2013 beten wir im Vater unser. Wenn dies das Ma\u00df unseres Zusammenlebens ist, wenn beide Seiten das wollen und leben, dann leben wir ma\u00dfvoll. Dann be-steht auch die Chance eines Neuanfangs: miteinander statt gegeneinan-der. Dann k\u00f6nnen wir die Vergangenheit getrost ruhen lassen, k\u00f6nnen versuchen, sie vers\u00f6hnlich abzuschlie\u00dfen, statt miteinander abzurech-nen. Wir k\u00f6nnen auch wilde Zukunftsspekulationen sein lassen, die mehr Verwirrung stiften, \u00c4ngste sch\u00fcren und vieles in eine falsche Richtung lenken. Wir k\u00f6nnen jetzt, gemeinsam und miteinander, die Gegenwart in Kirche und Welt gestalten: hier und jetzt. AMEN.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Liedimpulse:<br \/>&#8211; wie ein Fest nach langer Trauer: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=f8MJ4spXs3w\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=f8MJ4spXs3w<\/a><br \/>&#8211; Sorry seems to be the hardest word: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=5w142CaROC0\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=5w142CaROC0<\/a><br \/><br \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sir 27,30-28,7 + Mt 18,21-35 Liebe Schwestern und Br\u00fcder!Eine radikale Botschaft: die Pflicht zur Vergebung. Viele Fragen schie-\u00dfen mir durch den Kopf: Bin ich verpflichtet immer zu vergeben? Kann ich das \u00fcberhaupt? Bin ich da nicht schnell der Dumme, ein Schw\u00e4ch-ling, wenn ich immer und immer wieder nachgebe und verzeihe? 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